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»Ein Schatz der Stadt«

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giloka_stadtfest23_2208__4c © Stephan Scholz

Zum ersten Mal hat der »Tag der Kulturen« im Rahmen des Stadtfests in Gießen auf den Verkauf und Verzehr von Fleisch verzichtet.

Gießen. Nach zwei Jahren ist das Gießener Stadtfest zurück. Und der »Tag der Kulturen« natürlich auch. Bereits zum 15. Mal fand die Veranstaltung des städtischen Ausländerbeirates am Samstag im Rahmen des Feierwochenendes statt. Diesmal allerdings auf dem Berliner Platz vor dem Rathaus und damit an einem neuen Ort. »Um ehrlich zu sein: Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass dieser Platz darauf gewartet hat, dass heute hier dieses schöne Fest stattfindet«, sagte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher bei der offiziellen Eröffnung. »Wir wollen Vielfalt, aber wir wollen aktiv Politik gestalten. Um das zu können, müssen alle Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt in diesem Land haben, Wahlrecht haben«, betonte Zeynal Sahin, Vorsitzender des Beirates.

Kein Verkauf und Verzehr von Fleisch

Stände mit Köstlichkeiten aus unterschiedlichen Ländern. Internationale traditionelle Bekleidung. Und viel gute Stimmung - das ist seit Jahren Programm beim »Tag der Kulturen«. Bei der diesjährigen Auflage ist es nicht anders gewesen. Eine Ausnahme: Zum ersten Mal verzichtete der Ausländerbeirat auf Verkauf und Konsum von Speisen mit Fleisch. Damit stehe die Feier »auch für Nachhaltigkeit, welche ein Kernanliegen des Gießener Stadtfestes 2022 ist«, heißt es dazu in einer Veröffentlichung des Veranstalters. Zu den genannten Argumenten zählt unter anderem, dass extensive Tierhaltung »mehr Land-, Energie- und Wasserresourcen als eine vegetarische« Ernährung beanspruche.

»Ohne Wahlrecht können wir Politik leider nicht mitgestalten«, erklärte Sahin bei der Eröffnung. Es sei gut, dass die Stadt sehr bunt sei und sich hier viele Kulturen versammelten. »Gießen ist eine hochkulturelle internationale Stadt geworden. Wir sind stolz darauf«, so der Beiratsvorsitzende. Nachhaltigkeit sei zudem auch für Menschen mit Migrationshintergrund ein sehr wichtiges Wort. »Es soll aber nicht nur ein Wort sein. Das hat den Ausländerbeirat dazu bewogen, kein Fleisch zu verkaufen. Tierhaltung kostet sehr viel Getreide und Hunger«, hob Sahin hervor.

Chancengleichheit auf Arbeitsmarkt

Er forderte zudem Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt. »Wir wollen in der Stadtverwaltung unbedingt auch Führungskräfte mit Migrationshintergrund haben. Das ist ganz wichtig für uns«, unterstrich der Gießener.

»Kulturelle Vielfalt ist ein Markenzeichen unserer Stadt. Und das ist auch einfach gut so«, rief Becher. Er lobte den Ansatz, auf Fleisch zu verzichten. »Ich weiß, das ist strittig. Aber es löst eine Diskussion aus und wirft damit einen Blick auf ein Thema, das wichtig ist.« Letztlich verbinde sich der »Tag der Kulturen« auch mit einem Auftrag an Stadtgesellschaft und Politik. »Wir können noch besser werden, zum Beispiel bei der Frage, wie wir die Unterschiedlichkeit und Diversität von Kulturen etwa in Bewerbungsverfahren und bei der Chance, im Rathaus und auch in anderen Betrieben zu Arbeitsplätzen zu kommen, berücksichtigen«, formulierte der Rathauschef.

Ein großer Auftrag seien zudem Bildungschancen für alle und die Wohnungssuche. Bei ihr dürften »kulturelle Unterschiede nicht zu einem Nachteil« werden. Insgesamt solle der »Tag der Kulturen« sensibel machen für die Menschen, die in der Stadt lebten. »Ich will das deutlich sagen, wie sehr die kulturelle Vielfalt in unserer Stadt ein Schatz ist. Die Menschen gestalten mit ihren Traditionen das Stadtleben«, resümierte der Oberbürgermeister.

»Die konkreten Begegnungen sind das, was unsere Demokratie ermöglicht«, wandte sich die sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Nina Heidt-Sommer an die Gäste. Wen man kenne und mit dem man sich austausche, könne man nicht hassen und ausschließen, unterstrich Heidt-Sommer in einer kurzen Rede.

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