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Ein Schauspieler mit vielen Stimmen

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Leser in Rot: Schauspieler Fredrik Jan Hofmann stellte den Thriller von Henri Faber vor. Foto: Czernek © Czernek

Gießen (bcz). Der Saal der Jungen Kirche in der Löberstraße war in blutrotes Licht getaucht - ein untrügliches Zeichen dafür, dass an diesem Abend das Krimifestival Einzug gehalten hat. Fredrik Jan Hofmann, Schauspieler mit Gießener Wurzeln, stellte dort Henri Fabers aktuellen Thriller »Kaltherz« vor.

Wer schon einmal einen Roman des in Hamburg lebenden Schriftstellers in den Händen hielt, weiß um dessen Kunst des Spanungsaufbaus. Das ist auch in »Kaltherz« so, dessen Geschichte so anfängt: »Ich habe sie getötet.« Hier ist Hochspannung garantiert. Erzählt wird von einem Kind, das verschwindet. Doch das ist nur einer von mehreren Handlungsebenen, die zunächst scheinbar wenig miteinander zu tun haben und doch auf höchst komplexe Weise miteinander zusammenhängen. Fabers jüngster Roman wurde von der Kritik zu Recht in den höchsten Tönen gelobt. Doch einfach zu lesen ist er nicht - und das will er auch nicht sein.

Fredrik Jan Hofmann fiel nun die Aufgabe zu, die Erzählstränge ein wenig zu entwirren, sie dem Publikum zu erläutern und dennoch nicht zu viel zu verraten. Kein leichtes Unterfangen, denn der Roman folgt seiner ganz eigenen Dynamik. Vier Protagonisten berichten darin abwechselnd aus ihrer jeweiligen Perspektive, darunter die Münchner Kommissarin Kim Lansky, die sich des Falls annimmt. Der Schriftsteller kriecht förmlich in die Gedankenwelt seiner Figuren hinein, lässt sie mit inneren Monologen erzählen.

Es gibt auch keine Überleitungen, der Roman gestaltet sich sperrig und zugleich fast drehbuchartig mit harten Schnitten. Die einzigen Hilfsmittel sind die jeweiligen Kapitelüberschriften, die den Lesern anzeigen, um welche Figur es gerade geht. Hinzu kommt eine minutiöse Timeline als hilfreicher Anhaltspunkt. Diese Brüche stellten große Herausforderung an den Vortragenden, der Verbindungen erläutern musste, um für besseres Versztändnis zu sorgen. Diese Aufgabe meisterte sich Hofmann, der pointiert las und so die einzelnen Charaktere akustisch scharf herausarbeitete.

Hofmann, 1977 in Frankfurt geboren, wuchs in Gießen und Umgebung auf und legte 1997 sein Abitur an der Liebigschule ab, bevor er an das berühmte Max-Reinhardt-Seminar in Wien wechselte, um Schauspiel zu studieren. Aktuell arbeitet er im Schauspielhaus in Graz, ist aber noch immer häufig in Gießen und Umgebung unterwegs.

Übrigens: Das Rot an den Wänden der Jungen Kirche war zwar dem Krimifestival geschuldet, spiegelte sich aber nicht im Text wieder. Denn darin ging es auch angesichts einer zupackenden Kommissarin zwar durchaus heftig zur Sache, aber bis zum Auftauchen einer Leiche kam die Lesung nicht. So blieb die Spannung erhalten. Und die unbedingte Empfehlung, »Kaltherz« zu lesen.

Der Nachholtermin für Sascha Gutzeits wegen einer Erkrankung am Donnerstagabend in Hüttenberg ausgefallenen Bühnenauftritts steht fest: Seine »Kommissar Engelmann Retro-Show« ist nun am Donnerstag, 3. November, um 20 Uhr im ev. Gemeindehaus Hüttenberg-Hörnsheim zu sehen. (red).

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