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Ein Sopran wird zum Ereignis

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Genossen ihren Auftritt: die New York Gospel Stars in der Petruskirche. Foto: Schultz © Schultz

Oh happy Day: Die New York Gospel Stars reißen das Publikum in der voll besetzten Petruskirche mit staren Stimmen von den Sitzbänken.

Gießen. Nahezu ein Sturm der Energie rauschte am Sonntag durch die Petruskirche. Die New York Gospel Stars beehrten Gießen einmal mehr mit einem Gastspiel und versetzten die Besucher im voll besetzten Haus in Begeisterung. Niemand konnte dem süffigen Gemisch aus Gospel, Pop- und Jazzelementen widerstehen. Nicht zu vergessen die lebhaften choreografischen Aktionen der US- Künstler.

Zwei geplante Besuche des Ensembles waren zuletzt wegen der Pandemie abgesagt worden. Nun ist die Formation zum 15. Jubiläum endlich wieder auf den Bühnen unterwegs. In der Petruskirche begann das Programm mit einer herzlichen Eröffnungsrunde, der offiziellen Erlaubnis zum bewegten Mitmachen, begleitet von eingängigen musikalischen Wendungen und natürlich der Aufforderung zum Klatschen. Und es funktioniert immer wieder, die Besucher ließen sich mühelos mobilisieren.

Das Ensemble besteht aus vier Sängerinnen und drei Sängern, unterstützt von zwei hochkompetenten Musikern an Schlagzeug und Keyboards. Ihr Repertoire besteht überwiegend aus Gospel-Evergreens wie »Down by the riverside«, »This light of mine«, ein paar flotten Boogies und garantierten Stimmungsverstärkern wie »This little light of mine« oder »Cumbaja«. Das Ergebnis, angenehm natürlich abgemischt, war ein eindrucksvoller Chorsound von großer Schönheit. Zu erleben war: Diese Leute können richtig gut singen. Hinzu kamen regelmäßige Soloauftritte der einzelnen Mitglieder, was zu eindrucksvollen Momenten führte. Nicht nur Hauptmoderator Tyrone Flowers machte dabei eine gute Figur. Herausragend zeigte sich Chorleiterin Matia Washington, die nicht nur durch ihre mächtige Statur auffällt. Sie dirigierte das Ensemble mehrfach selbst und zeigte dabei, dass sie alle Details im Griff hat.

Ob musikalische Nuancen, wieselflinke Wechsel oder feine vokale Momente, sie führte das Ensemble wie aus dem Handgelenk, alle agierten perfekt zusammen. Das sah attraktiv aus, vor allem weil dabei ein weiteres wichtiges Element des Konzerts zum Tragen kam: die unerhörte Spielfreude. Dieser Chor hat einen Riesenspaß beim Performen. Und bei Vorstellung Nummer 26 von aktuell rund 80 Tourauftritten saßen natürlich auch alle Feinheiten.

Washington ist zudem eine beeindruckende Sängerin, was sie mehrmals auch solo bewies. Am stärksten war sie mit dem Mahalia-Jackson-Titel »Soon I will be done«, mit dem sie die Kirche füllte. Ihr runder, etwas dunkler gefärbter und handwerklich meisterlich geführter Sopran wäre schon an sich ein echtes Ereignis. Doch ihre enorme Stimmkraft vereinte sich mit enormer Leidenschaft zu einer Art, man muss schon sagen, Naturereignis. Das Publikum zeigte sich sprachlos, bevor heftiger Beifall losbrach.

Es lässt sich nicht genau sagen, was auf der Bühne gespielt war und was echt - es vermischte sich in der Wahrnehmung. Gelegentlich zeigte sich der flinke Comoderator Ahmed Wallace ein bisschen zu sehr von sich selbst beschwipst, was man wohl professionelle Ergriffenheit nennen könnte. Egal, es passte. Jedenfalls gestalteten die New Yorker einen durchgehend packenden musikalischen Fluss.

Sie schafften es mehrmals - nicht immer -, das Publikum nicht auf die Eins, sondern sofort auf die Zwei klatschen zu lassen, was hierzulande sehr selten ist. Und als die Zugabe »Oh happy day« ertönte, standen längst alle Besucher in der Kirche. Und zeigten sich zufrieden, genau wie die New Yorker Gäste - es hat ihnen sichtlich Freude bereitet.

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