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Ein wichtiges Ritual in Gießen

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Drei Damen- und Herren-Jahrgänge vollziehen die Fahnenübergabe. Foto: Jung © Jung

Die Gießener Fünfziger-Jahrgänge 1970, 1971 und 1972 übergeben bei einem verspäteten Frühlingsfest die Fahnen der Vereinigung. Außerdem wird die Gemeinschaft gefeiert.

Gießen (kg). Die Aufnahme der neuen Jahrgänge ist bei den Gießener Fünfziger-Vereinigungen ein wichtiges Ritual. Das machte der Vorsitzende des Gesamtvereins, Otto Suckfüll, beim verspäteten Frühlingsfest mit Fahnenübergabe deutlich und zitierte den ersten chinesischen Kaiser: »Ohne Rituale einen Staat zu regieren, ist wie Pflügen ohne Pflugscharen.« Für ihn sei es eine einmalige Situation, gleich zwei - wenn auch Corona-bedingt kleinere - Jahrgänge in einer Veranstaltung willkommen zu heißen.

Zu den Klängen des von Stefan Müller, dem Chef der Musikgruppe »Nobody is perfect«, komponierten Fünfziger-Liedes marschierten die Damen und Herren der Jahrgänge 1970, 1971 und 1972 in den Saal ein. Annähernd 100 Gäste begrüßten stehend, singend und mit Beifall die Fahnenträgerinnen und -träger sowie die Vorstände. Für Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher war es das erste Treffen mit so vielen Fünfzigern. Eine »tolle Sache«, wie er befand. Leider habe die Pandemie das Ziel der Vereinigung, den Gemeinsinn zu pflegen und miteinander Zeit zu verbringen, vorübergehend arg beeinträchtigt. Daher sei es wohltuend, nun ein solches Zeichen setzen zu können. »Wir hoffen alle, dass das der Aufschwung ist.« »Gemeinsam statt einsam« sei ein schönes wie treffendes Motto, so Becher weiter, der die Fünfziger als »ganz großen Schatz für unsere Stadt« bezeichnete.

Die zweite Vorsitzende des Gesamtvereins, Angelika Moos, musste das Fest aus dem Rollstuhl verfolgen. Sie ergriff das Mikro und erläuterte an ihrem persönlichen Beispiel, welcher Gemeinsinn bei den Fünfzigern herrscht: Sie war von einem Auto angefahren worden, als sie bei Grün einen Fußgängerüberweg überquerte. Da sie alleine lebt, sei die Situation zunächst sehr schwierig für Angelika Moos gewesen - doch sie habe mit Unterstützung des Gesamtvorstandes und ihrer Vereinigung gemeistert werden können. Die Mitglieder kauften für Angelika Moos ein, kümmerten sich um sie und organisierten eine Haushaltshilfe.

Eine Besonderheit für den Jahrgang 1970/2020 war die doppelte Patenschaft für die Vereinigungen 1971 und 1972. Beate Michel-Gerlach, Vorsitzende der Damen 1971/2021, und Jörg Agel-Drescher überreichten im Beisein ihrer Vorstände die Fahnen an Gabriela Müller und Bianca Becker, Vorstandsteam der Damen 1972, und Steffen Steiger von den Herren. Die Damen der »72er Unikate« hatten eigens ein Gedicht verfasst und drückten damit ihr Bekenntnis aus: »Zu den Gießener Fünfzigern gehören wir hin, denn nur das macht Sinn!«. Alexander Jung händigte den neuen Herren ein Erinnerungsschild aus.

Damit die rund 3300 Mitglieder starke Gemeinschaft weiteren Zuwachs bekommt, erhielt auch Frank-Tilo Becher einen Aufnahmeantrag von Otto Suckfüll. Schließlich animierte die Band »Nobody is perfect« mit Sängerin Dany Rippl die Gäste, sich auf die Tanzfläche zu begeben. Die gute Laune im Saal zeigte, dass die Besucherinnen und Besucher froh waren, wieder einmal ungezwungen im Kreise Gleichgesinnter feiern zu können.

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