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Eine Bombe und einige »Blindgänger«

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Die Ordnungspolizisten Jäger (l.) und Schmidt hatten alle Hände voll zu tun, um uneinsichtige Zeitgenossen davon abzuhalten, schnurstracks auf diese Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg (unten links) zuzufahren, die gerade entschärft wurde. Fotos: Berghöfer/RP Darmstadt © Berghöfer/RP Darmstadt

In der Tongrube im Schiffenberger Wald in Gießen ist eine 500-Kilo-Weltkriegsbombe gefunden worden. Der Sprengkörper lässt sich problemlos entschärfen, aber nicht alle reagieren einsichtig.

Gießen. Die Nerven lagen bei einigen Verkehrsteilnehmern am Montagnachmittag ziemlich blank, als in einem 500-Meter-Radius um die Tongrube im Schiffenberger Wald sämtliche Straßen, darunter auch die A 485 zwischen der Anschlussstelle Licher Straße und Bergwerkswald, komplett gesperrt werden mussten. Bei Abbauarbeiten hatte ein Bagger eine amerikanische 500-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg freigelegt, und die musste umgehend entschärft werden. Gar nicht ins Schwitzen kam zum Glück Alexander Majunke, Sprengmeister und kommissarischer Leiter des Kampfmittelräumdienstes des Regierungspräsidiums Darmstadt. In einer halben Stunde entfernte er sowohl den Kopf- als auch den Heckzünder der schweren Fliegerbombe, die fast 80 Jahre in drei Metern Tiefe gelegen hatte. Dennoch, so Majunke, hätten sich beide Zünder relativ problemlos entfernen lassen.

Relativ problemlos war auch die Evakuierung der Sperrzone, da es in diesem Bereich keine Wohnbebauung gibt. Betroffen war von der Bombenentschärfung dagegen das Unternehmen »Bieber + Marburg«. Dessen Werkgelände lag zwar knapp außerhalb der Sperrzone, war allerdings für die Dauer der Räumung von der Außenwelt abgeschnitten, weil alle Zufahrten durch diese führten. Deshalb entschied die Gießener Ordnungspolizei kurzfristig, den Schichtwechsel bei »Bieber + Marburg« abzuwarten, bevor es ernst wurde in der Tongrube.

Dass die Entschärfung dann noch später als geplant beginnen konnte, lag wiederum daran, dass neben der Autobahn auch wichtige Ausfallstraßen aus Gießen für mehr als eine Stunde komplett gesperrt werden mussten. Das waren unter anderem der Schiffenberger Weg ab Karl-Glöckner-Straße bis Petersweiher in beide Richtungen und der Steinberger Weg ab Ecke Pistorstraße bis zum Autohaus Häuser.

Auch wenn das Ordnungsamt alle Verkehrsteilnehmer um Verständnis für die Behinderungen bat, zeigte sich dem Berichterstatter an einer Straßensperre das ganze Spektrum menschlicher Verhaltensweisen angesichts einer unverhofften negativen Überraschung. Das reichte von freundlicher Einsicht bis zum unverschämten Einfordern von Extrawürsten. Auch hier galt wie so oft im Straßenverkehr die Faustformel: Je größer der Hubraum, desto kürzer die Zündschnur.

So musste sich einer der beiden im Steinberger Weg postierten Ordnungspolizisten vom Fahrer einer Oberklassenlimousine als »Wichtigtuer« titulieren lassen, als der ihn gerade noch davon abhalten konnte, gegen die Fahrtrichtung am Blaulichtwagen vorbei in die Sperrzone einzufahren, in der gerade die Bombe entschärft wurde.

Obwohl die Ordnungspolizei sich so am Ortsausgang von Steinberg aufgestellt hatte, dass alle Fahrzeuge problemlos wenden konnten, kam es mitunter zu wildem Rangieren und Gekurbel, weil immer wieder einige Verkehrsteilnehmer darüber diskutieren mussten, ob die Polizei nicht vielleicht doch für sie eine Ausnahme machen könne, man habe schließlich einen Termin im Schiffenberger Tal. Und während die beiden Ordnungsbeamten mit bewundernswerter Geduld ein ums andere Mal erklärten, dass der einzige Weg nach Gießen derzeit über Linden führe, versuchte sich sogar eine Seniorin mit Pedelec an der Absperrung vorbeizumogeln.

Ein Ordnungspolizist fuhr den Streifenwagen schließlich quer über die Straße, obwohl er eigentlich die stadtauswärts führende Spur für Nachzügler aus der Sperrzone, zum Beispiel aus einer nahe gelegenen Gärtnerei, freihalten wollte, es aber leid war, darüber zu diskutieren, dass eine Spur ja frei und damit zu benutzen sei.

Kurz vor 16 Uhr war der ganze Spuk vorbei und alle Straßen wieder befahrbar, wenngleich sich im ganzen Stadtgebiet lange Rückstaus erst allmählich auflösten.

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giloka_1306_Bombe02_ib_1_4c © Red

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