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Eine haarige Geschichte

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Hygienekonform? Ein Vollbart unter der FFP2-Maske kann die Schutzwirkung zumindest reduzieren. © Friese

Anders als an der Uni Greifswald gibt es für Gießener Hochschüler keine Rasur-Pflicht. Dennoch wird darauf hingewiesen, dass Bärte unter FFP2-Masken die Schutzwirkungen reduzieren können.

Gießen . Bartträger an Gießens Hochschulen brauchen sich keine Sorgen machen - ihre Gesichtsbehaarung muss zumindest nicht auf Anordnung gestutzt werden. Damit droht wohl auch kein »Bart-Eklat«, wie es ihn manchen Medien zufolge jüngst an der Universität Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) gegeben hat. Natürlich geht es dabei um (FFP2-)Masken zum Schutz vor dem Coronavirus - und was darunter getragen werden darf. »RTL News« verkürzte das auf die Formel »Hitler-Bart ja, Vollbart nein«.

Ausgangspunkt dieser haarigen Geschichte ist eine E-Mail des Krisenstabes der Unimedizin in der Hansestadt. Darin werden die Studierenden der Fakultät aufgefordert, für ihre Tätigkeit in der Klinik »ihre Rasur umgehend hygienekonform« anzupassen. Außerdem enthält das Schreiben eine Abbildung von zulässigen Bartformen. Der Vollbart gehört nicht dazu, weil die FFP2-Maske damit nicht mehr dicht genug anliege und die Schutzwirkung dann nachlasse. Bei Verstößen drohe der Ausschluss vom Unterricht durch die verantwortliche Kursleitung.

»Es gibt an der Justus-Liebig-Universität (JLU) keine derartigen Vorgaben und aktuell auch keine entsprechenden Überlegungen«, erklärt Pressesprecherin Charlotte Brückner-Ihl auf Anfrage des Anzeigers. Allerdings gelte weiterhin, wie bereits vielfach kommuniziert, dass in allen Gebäuden der Hochschule, bei sämtlichen Veranstaltungen, in Räumen mit Publikumsverkehr sowie auf allen Verkehrswegen eine OP- oder eine FFP2-Maske verpflichtend ist. »Selbstverständlich sollte die Maske möglichst passgenau sein und ihrem Zweck entsprechend über Mund und Nase getragen werden.« Im Übrigen gehe man an der JLU davon aus, dass jeder eigenverantwortlich in der Lage sei, die vorgeschriebenen Mund-Nase-Bedeckungen korrekt aufzusetzen.

Besondere Vorschriften dieser Art existieren auch an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) nicht. Zumal es keine landesrechtlichen Regelungen dazu gebe. Gleichwohl erinnert THM-Sprecher Malte Glotz daran, dass gerade bei FFP2-Masken die Funktionssicherheit je nach Barttyp durchaus eingeschränkt sein könne. Denn wenn sie nicht rundum richtig abschließen, können Aerosole, also kleinste Partikel, mit einer Viruslast hinein oder hinaus gelangen. Studierende der THM arbeiten allerdings kaum direkt »am Patienten«. Sofern dies in seltenen Ausnahmefällen - zum Beispiel bei Kooperationen mit dem Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM) oder dem Evangelischen Krankenhaus - doch geschehe, müssen sie sich an die Hygienemaßnahmen des jeweiligen Hauses halten. Und tatsächlich wird etwa im Hygieneplan des UKGM sowie bei allen Fortbildungen auch darauf hingewiesen, »dass bei Bartträgern die Schutzwirkung der FFP-Masken aufgrund des undichten Sitzes reduziert ist«, erklärt Pressesprecher Frank Steibli. Daher werde empfohlen, besser auf einen Bart zu verzichten. Eine Verpflichtung bestehe aber nicht.

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