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Eine Idee und 50 Euro

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Erfinder und Student Simon Josenhans. Foto: Spannagel © Spannagel

Der Maschinenbaustudent Simon Josenhans berichtet beim Gießener Gründungsstammtisch im »Makerspace« von der Entstehung von »Feschd« - einer neuartigen Handyhalterung fürs Fahrrad.

Gießen (jpa). Mit »Feschd« gibt es jetzt eine Smartphone-Halterung für das Fahrrad, die nachhaltig hergestellt wird, im engen Kundenkontakt erprobte Eigenschaften aufweist sowie obendrein einen guten Zweck erfüllt. Simon Josenhans, Student der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), hat sich mit dieser Idee ausprobiert und ist nun Unternehmer. Nur 50 Euro hat er dafür in die Hand genommen. Beim »Gründungsstammtisch« berichtete er im »Makerspace« in der Walltorstraße vom Entstehungsprozess.

Der Idee, einen Fahrradhalter zu konstruieren, entstand aus dem Ansporn des eigenen praktischen Nutzens. Josenhans fährt selbst gerne Fahrrad und bis zu seinem Studium hat er dabei einen Bordcomputer benutzt, den er dann jedoch, wie das bei Studierenden so ist, aus Geldmangel verkaufen musste. Stattdessen das Smartphone am Lenker anzubringen lag nahe. An den verfügbaren Halterungen störten ihn jedoch verschiedenste Dinge: Unsichere Befestigung, störende Gummis in den Displayecken oder durch die Halterung betätigte physische Tasten. Der Maschinenbaustudent im Master entschloss sich dann, das Problem selbst in die Hand zu nehmen.

Unter Nutzung des 3D-Druck-Verfahrens erfolgte nach mehreren Schritten des Ausprobierens die Herstellung eines Prototyps. »Möglichst schnell verschiedenes auszuprobieren« sei dabei, wie während des gesamten Arbeitsprozesses, ein wesentliches Handlungsprinzip gewesen«, erklärt Josenhans. Den Weg zum fertigen Produkt ebnete außerdem die Zusammenarbeit mit einem THM-Professor und zwei Kommilitonen.

Während die Mitstudierenden sich mit einer guten Note zufriedengaben, ging für Josenhans die Reise noch weiter. »Drei Maschinenbauer wären sowieso kein gutes Team gewesen«, scherzt der junge Mann. Vielmehr habe das nach einem Namenswechsel nun »Feschd« getaufte Unternehmen Expertise für Marketing notwendig gehabt, welche seine Ehefrau Luisa Josenhans hat. Als der Prototyp fertig gewesen ist, ging es darum, potenzielle Käufer an Land zu ziehen. Hierfür wurde auf Crowdfunding zurückgegriffen, wodurch letztlich eine erste Kleinserie produziert werden konnte.

Der Prototyp musste jedoch verworfen werden, ein Schritt, den Josenhans mit Gelassenheit genommen hat. Dessen Bauweise sei unnötig »kompliziert« gewesen, außerdem habe »das Handy beim Fahren vibriert«. Der nächste große Schritt hin zur Entwicklung jenes Produkts, das nun in größerer Serie hergestellt wird, ist der Besuch bei der Kunststoffmesse »K" in Düsseldorf gewesen. Dort konnten mehrere Investoren für das Projekt gewonnen werden, sodass einer Verbreitung der Smartphone-Halterung hinsichtlich ihrer Produktion nichts mehr im Wege steht.

Schlüsselelement sei die enge Rückkopplung mit Interessenten sowie den Fahrradläden gewesen. In letzteren bestünde bislang Abneigung gegen den Verkauf von Smartphone-Halterungen, da dann aufgrund von Inkompatibilität gleich mehrere angeboten werden müssen. Mit jener, aus studentischer Ingenieurskunst kreierten könnte damit jedoch Schluss sein.

Das Prinzip der »Feschd«-Halterung ist einfach: Hinten am Handy wird mit Kleber ein Befestigungsstück angebracht. Dieses wird dann mithilfe eines robusten Mechanismus an die Halterung angebracht, welche wiederum am Lenker in verschiedenen Dicken angepasst werden kann. Der verwendete Kunststoff ist, so Josenhans, »High-End«. Zur Stabilität kommt unter anderem hinzu, dass das Handy in der Mitte des Lenkers angebracht und schnell befestigt werden könne. Auch die Aerodynamik hebt der Maschinenbauer hervor. Besonders an ihr ist außerdem, dass der Kunststoff recycelt wurde und alles in seine Einzelteile zerlegt werden kann. Nachhaltig ist zudem die Möglichkeit einer Entfernung des geklebten Verbindungsstücks durch Erwärmung mit einem Fön.

Prototyp aus 3-D-Drucker

Josenhans ist zuversichtlich, »dass ich einmal davon leben kann«. Gerade hilft ihm noch ein Stipendium seitens »HessenIdeen«, dass unternehmerischen Geist an Hochschulen fördert. Der Profit stehe jedoch bei »Feschd« nicht im Vordergrund. Vielmehr wird über das Programm »World Bicycle Relief« der Vereinten Nationen pro 50 verkauften Exemplaren ein Fahrrad in Ländern des globalen Südens finanziert. Damit einher gehe zudem die Erschaffung von Arbeitsplätzen vor Ort. Und das alles nahm seinen Anfang im 3D-Druck, der im »Makerspace« im Übrigen kostenfrei ausprobiert werden darf. »Hätte ich das mal früher gewusst«, schmunzelt Josenhans.

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