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Eine neue Chance aufs Leben

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Vanadies Datta gehört zu den elf proträtierten Personen der Ausstellung »Wiederleben«, die im Hauptgebäude des Uniklinikums zu sehen ist. © Czernek

Gießen. Im Hauptgebäude des Universitätsklinikums hängen elf großflächige Porträtfotos. Das Besondere: Die Personen leben alle mit einem fremden Organ - und strahlen eine ungemeine Zuversicht aus. Diese Botschaft vermittelt die Wanderausstellung, die der Verein »transplantiert« initiiert hat und die bis zum 26. Juni im Erdgeschoss des Gebäudes zu sehen ist.

»Kunst animiert zum Nachdenken und genau das bewirkt diese Ausstellung auf wunderbare Weise«, sagte Prof. Andreas Böning, Ärztlicher Direktor des UKGM Gießen, bei der Vernissage. »Bei einer Organtransplantation schaut man immer nur auf den Vorgang, nicht aber auf das, was danach kommt: die stetige Nachbetreuung der Patienten.« In der Gießener Klinik werden Lungen, Nieren und Kinderherzen transplantiert, wobei das Kinderherzzentrum zu den führenden dieser Einrichtungen in Europa gehört.

Gießener Zentrum in Europa führend

»Es ist eine Spende und dazu gehört die Freiwilligkeit, das ist richtig so. Wichtig ist nur, dass man sich damit auseinandersetzt. Und das wird durch diese Ausstellung in positiver Weise getan«, freute sich Böning. Ihm schloss sich auch Ana Paula Barreiros, Geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantation Region Mitte, in ihrem Grußwort an. »Der Gedanke, dass man als Spender ein oder mehrere Leben retten kann, kommt in den Diskussionen leider zu kurz.«

Wie schnell man in die Situation kommen kann, ein Spenderorgan zu benötigen, das erzählte Vanadies Datta, stellvertretende Vorsitzende des Vereins »transplantiert«. Im Mai 2009 hatte sie eine ganz gewöhnliche Erkältung bekommen. Daraus wurde allerdings eine sich dramatisch entwickelnde Herzmuskelentzündung mit der Folge, dass sie ein neues Organ brauchte. Die Operation gelang: »Als ich aufgewacht bin, wusste ich sofort, das ist mein Herzchen«, berichtete sie. Heute kann sie ein nahezu normales Leben führen.

Geschichten wie diese sollen dazu beitragen, die Einstellung zum Thema Organspende positiv zu besetzen. »Die Ärzte können dir nur den technischen Vorgang der Transplantation erklären, nicht aber, wie es sich anfühlt, mit einem anderen Organ zu leben«, sagte Ute Opper, Vorsitzende des Vereins, die selbst 1993 ein Spenderherz erhielt. Um die Sorgen und Nöte der Patienten kümmert sich der Berliner Verein seit 1998. Häufig richte sich bei diesem Thema der Blick auf den Spender, den Toten. »Wir wollen den Blick hin zu denjenigen lenken, die ein solches Organ erhalten haben und damit ein neues Leben, eine zweite Chance.«

Der Name des Fotoprojekts fand sich bei der Durchsicht der Gesprächsunterlagen: Alle Befragten sagten, dass sie jetzt wieder leben können. »Da wussten wir, das ist der Titel für die Ausstellung.« Die Idee entstand bereits 2018 rund um das 20-jährige Bestehen des Vereins. Doch das Verfahren war zeitaufwändig: Neben einem professionellen Studio wurden ein Fotograf und eine Visagistin engagiert. Gewonnen werden konnte der Berliner Fotograf Max Threlfall, ein Glücksfall für das Projekt, da er sehr behutsam mit den Porträtierten umging.

Zwischen Tragik und Optimismus

»Ich habe versucht, die Balance zwischen der Tragik der Geschichte und der positiven Lebenseinstellung zu finden«, sagte der Fotograf im Anschluss an die Vernissage. Das ist ihm gelungen. Mit viel Feingefühl hat er die einzelnen Charaktere herausgearbeitet. Seine Fotos machen neugierig auf die Geschichten, die hinter den Gesichtern stehen. Sie werden auf kleinen Tafeln neben den Fotos erzählt. Und wer den dazugehörigen QR-Code scannt, kann noch weitere Infos in Form kleiner Videos erhalten. Diese sind auch im Internet abrufbar unter: www.wiederleben- ausstellung.de.

Für diese multimediale Aufbereitung des Themas erhielt der Verein den Organspendepreis 2021 der Stiftung Leben. Aktuell arbeitet der Verein bereits an dem zweiten Teil der Ausstellung, die 2023 veröffentlicht werden soll.

Die Ausstellung »Wiederleben« ist bis zum 26. Juni im Uniklinikum Gießen, Klinikstr. 33, Ebene 0, zu sehen. Parallel dazu sind online unter www.wiederleben- ausstellung.de Videos mit den Porträtierten zu finden.

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