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»Eine neue Erfahrung für uns alle«

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20 kurdische Biotechnologie-Studenten absolvieren ihr Praktikum in Gießen, betreut von der THM. Foto: Schäfer © Schäfer

Studierende aus Duhok (Kurdistan-Irak) sind derzeit an der Technischen Hochschule in Gießen zu Gast. Dabei handelt es sich um 20 Absolventen des Fachbereichs Biotechnologie.

Gießen (rsa). Wieso halten sich derzeit 20 kurdische Studenten aus der autonomen Region Kurdistan-Irak derzeit in Gießen auf? Antwort darauf gab die Veranstaltung »Begegnung mit kurdischen Studenten« im Kerkrade-Zimmer. Diese jungen Leute sind die ersten Absolventen des Fachbereichs Biotechnologie der UNI Duhok - Kurdistan, die im Rahmen der Partnerschaft mit der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), maßgeblich finanziert durch den DAAD, an der THM ihre Bachelorarbeit abschließen wollen.

Die Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD) und die Deutsch-Kurdische Gesellschaft Gießen seien maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass diese Partnerschaft zustande gekommen sei, sagte Mehmet Tanriverdi, der stellvertretende Bundesvorsitzende der KGD. Sein eigenes Engagement in dieser Partnerschaft begründete Tanriverdi damit, dass »ich als Deutsch-Kurde es als meine Aufgabe ansehe, ein Stück an meine Heimat zurückzugeben.«

Die vor neun Jahren begonnene Partnerschaft zwischen der THM und der Universität Duhok trage langsam Früchte. »Mir ist es eine Freude und es macht mich auch etwas stolz, ein wenig zu dieser Partnerschaft beigetragen zu haben und den ersten Absolventen des neuen Fachbereichs aus Kurdistan zu begegnen.« 2011 habe es die ersten Kontakte gegeben, 2013 der erste Besuch einer Delegation aus Duhok in Gießen. Derzeit sei ein Student aus Gießen an der dortigen Universität immatrikuliert, ein Doktorand aus Duhok an der THM. Dies ist jetzt der erste Studentenaustausch.

Vor sechs Wochen seien die Studenten in Gießen angekommen, um nach einem dreieinhalbjährigen Studium als erste Absolventen des Fachbereichs Biotechnologie während eines dreimonatigen Praktikums ihre Bachelorarbeit anzufertigen. Betreut werden sie dabei von den Professoren Thomas Schanze und Martin Fiebich der THM (beide Medizintechnik) sowie Johannes Gehron (Gerätetechnik) der UKGM. Bereits 17 von ihnen haben einen Praktikumsplatz unter anderem bei den Firmen Siemens, Schunk, Bosch sowie in Laboren von Krankenhäusern und bei der THM gefunden.

Die Studenten, die im Herbst wieder in ihre Heimat zurückreisen werden, bedankten sich herzlich für die Unterstützung auf deutscher Seite, wenngleich sie von anfänglichen Schwierigkeiten bezüglich Visa und anderen Formalitäten beschwert gewesen seien. Sie hofften, dass der Austausch vertieft werde und bald auch eine Gruppe von deutschen Studenten nach Duhok käme. »Es ist eine neue Erfahrung für uns alle. Alles ist hier anders als bei uns: Universität, Leute Kultur.« Es mache einen Unterschied, nur darüber zu lesen und zu hören oder es am eigenen Leib vor Ort zu erleben. Ihr autonomes Gebiet Kurdistan-Irak, das reich an Öl- und Gasvorkommen sei, sei in seiner Autonomie international anerkannt, befinde sich jedoch noch auf dem Status eines Entwicklungslandes. Sie würden gerne Unternehmen nach Kurdistan locken. »Die Arbeitsplätze sind hier sehr billig.«

Damit die ausgebildeten Ingenieurkräfte in Kurdistan blieben, seien entsprechende Arbeitsplätze dringend vonnöten. »Wir möchten wirtschaftlich unabhängig werden, vorankommen beim Streben nach Autarkie.« Wenngleich 93 Prozent bei einer Abstimmung für die staatliche Unabhängigkeit gestimmt hätten, ist Kurdistan noch immer ein autonomes Gebiet innerhalb des Staates Irak.

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