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Eine Statue für Winchester

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Sehenswert: die Kathedrale in Gießens englischer Partnerstadt Winchester. © Czernek

Der britische Thronfolger Prinz Charles weiht ein besonderes Denkmal in Gießens englischer Partnerstadt Winchester ein. Die Deutsch-Englische Gesellschaft bittet um Spenden für das Projekt.

Gießen . Städtepartnerschaften leben vom Austausch und gegenseitigen Besuchen. Genau diese Art des Miteinanders musste zuletzt aufgrund von Corona jedoch drastisch heruntergefahren werden. In diese Zeit fällt nun aber trotzdem ein besonderes Jubiläum: Die Städtepartnerschaft zwischen Gießen und dem englischen Winchester besteht 2022 nämlich seit 60 Jahren. Beide Seiten stehen nach wie vor regelmäßig in Kontakt. »Soweit es möglich ist, halten wir die Verbindung aufrecht«, sagt der Präsident der Deutsch-Englischen Gesellschaft Gießen (DEG), Lawrence de Donges Amiss-Amiss, im Gespräch mit dem Anzeiger. »Ganz vorsichtig« werden zudem »ein paar Events für unser Jubiläumsjahr geplant«. Beabsichtigt ist auch eine Reise mit einer kleinen Delegation auf die Insel.

»Ein Zeichen gegen den Brexit setzen«

Ein einfaches Telegramm besiegelte im Jahr 1962 die Partnerschaft zwischen Gießen, Winchester und Versailles. Während die Kooperation mit der französischen Kommune schon länger nicht mehr existiert, wird die deutsch-englische Freundschaft immer noch aktiv gepflegt. »Wir halten bewusst daran fest, um damit auch ein Zeichen gegen den Brexit zu setzen«, betont de Donges Amiss-Amiss.

In wenigen Tagen wird der DEG-Vorsitzende übrigens bereits für einen Kurztrip nach Winchester aufbrechen, denn dort wird am Donnerstag, 10. Februar, die Bronzestatue von Licoricia feierlich enthüllt. Dabei handelt es sich um eine exponierte historische Figur aus dem Winchester des 13. Jahrhunderts, die der Historiker Robert Stacey als »die wichtigste jüdische Frau im mittelalterlichen England« beschrieben hat. Eingeweiht wird die Statue vom englischen Thronfolger Prinz Charles. Lawrence de Donges Amiss-Amiss fährt als offizieller Vertreter der Stadt und der Jüdischen Gemeinde Gießen dorthin. Licoricia war eine führende Persönlichkeit in der jüdischen Gemeinde von Winchester, obendrein landesweit tätig als erfolgreiche Kauffrau und Geldverleiherin von König Heinrich III. und Königin Eleanor, den Eltern von Richard Löwenherz. Gelder aus dem Nachlass von Licoricia und ihrem Ehemann wurden beispielsweise zum Bau von Westminster Abbey und ihres reichen Schreins für Edward, dem Eroberer, verwendet. »Damit will Winchester eine bedeutende Frau ihrer Zeit würdigen. Das soll Frauen und junge Menschen inspirieren und die Öffentlichkeit über die aktive, mittelalterliche jüdische Gemeinde sowie über das königliche Erbe von Winchester aufklären«, berichtet der Gießener.

Entstanden ist die Idee im Jahr 2017 und wurde seitdem in der ehemaligen Königsstadt kontinuierlich weiter verfolgt. Mittlerweile ist die Skulptur fertig. Als Schwierigkeit erwies sich, dass kein wirklichkeitsnahes Bild von Licoricia bekannt ist. Der Künstler Ian Rank Broadley orientierte sich daher an entsprechenden zeitgenössischen Darstellungen von Frauen ihres Standes.

»Große Ehre, dabei sein zu dürfen«

Die Einladung zu diesem feierlichen Akt hat Lawrence de Donges Amiss-Amiss gerade erst bekommen. »Ich habe diese natürlich angenommen, trotz der Kurzfristigkeit und der Pandemie-bedingten Problematik einer Reise nach Großbritannien. Es ist mir eine große Ehre, bei diesem Ereignis dabei sein zu dürfen.«

Das Projekt finanziert sich ausschließlich durch Spenden. Noch fehlen rund 16 000 Pfund (circa 19 000 Euro), um es vollenden zu können. »Es wäre wirklich sehr schön, wenn die fehlende Summe oder ein Teilbetrag aus Gießen käme und ich dies quasi als Gastgeschenk mitbringen könnte«, regt der DEG-Vorsitzende an. Erfreulicherweise seien schon die ersten Einzahlungen auf dem eigens dafür eingerichteten Konto der Deutsch-Englischen Gesellschaft eingegangen. Auch der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier habe seine Unterstützung zugesagt. Wer sich beteiligen möchte, kann das unter dem Stichwort »Licoricia« unter dieser IBAN tun: DE19 5135 0025 0205 0780 60. Auf Wunsch kann auch eine Spendenquittung ausgestellt werden. Weitere Informationen sind im Internet unter www.licoricia.org/news zu finden.

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Eine Bronzestatue in Winchester soll an Licoricia erinnern, die im 13. Jahrhundert lebte. © DEG

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