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Einfach zu viel

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»Junge mit schwarzem Hahn« heißt der Titel des fulminanten Roman-Erstlings von Stefanie vor Schulte. Zu Recht wurde dieser phantasmagorische Text 2021 mit dem Mara-Cassens-Preis für das beste deutschsprachige Debüt ausgezeichnet. Ein Jahr darauf hat die 48-jährige Autorin nachgelegt - reicht mit »Schlangen im Garten« aber nicht an den Vorgänger heran.

Dabei beginnt es verheißungsvoll: »Zum Abendbrot isst er jetzt immer eine Seite aus dem Tagebuch seiner verstorbenen Frau. Er isst sie roh, und er tut es aus Liebe.« Das ist der Plot: Mutter verstorben, Familie trauert, sie essen deren Tagebuchseiten, dürfen sie aber nicht lesen. Leider hat man Schultes Seiten aber nicht zum Fressen gern. Denn diesmal will die begabte Erzählerin zu viel. Es gibt ein Traueramt, das die Familie überwacht, eine Obdachlose, einen Hünen, eine Frau mit Zauberblick. Und schon ist der gute Ansatz in wirrem Gestrüpp verschwunden. Zu viel Personal und überflüssige Figuren, zu wenig Tiefe und Kontur. Schade um die gute Idee.

Stefanie vor Schulte: Schlangen im Garten. 240 Seiten. 24 Euro. Diogenes. Rüdiger Dittrich

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