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Einmischen abseits von Parteien

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Der Gießener Master-Student Josias Knöppler überreicht in Berlin in seiner Funktion als Vertreter der »Youth 7« und als ONE-Jugendbotschafter einen Katalog mit Forderungen an G7-Präsident und Bundeskanzler Olaf Scholz. Fotos: Knöppler © Knöppler

Dass das Innehaben zweier Ämter auch als Symbiose für die gute Sache wirken kann, beweist der Gießener Master-Student Josias Knöppler.

Gießen . Mehrere Beschäftigungsverhältnisse sind bei Politikern keine Seltenheit - und immer wieder Anlass für große Debatten um Interessenskonflikte von Entscheidungsträgern. Dass das Innehaben zweier Ämter jedoch auch als Symbiose für die gute Sache wirken kann, beweist der Gießener Master-Student Josias Knöppler. So überreichte er nicht nur als Vertreter der »Youth 7« (Y7), sondern auch als ONE-Jugendbotschafter am vergangenen Freitag ein Katalog mit Forderungen an die G7-Staaten an Bundeskanzler Olaf Scholz, da Deutschland momentan die Präsidentschaft der G7-Staaten innehat.

Bis dahin war es jedoch ein langer Weg. »Ich habe schon während meines Bachelorstudiums in Gießen gemerkt, dass ich mich gerne politisch einbringen möchte, aber dies gerne abseits von Parteien tun würde«, erklärt der 24-jährige gebürtige Nordhesse.

Politische Bildung und Mitbestimmung

Seine Wahl fiel damals auf die Organisation »Young European Leadership« (YEL). Der in Brüssel ansässige Verein setzt sich aus Mitgliedern aller europäischen Staaten zusammen und hat sich auf die Fahne geschrieben, die politische Bildung und Mitbestimmung junger Menschen in Europa zu fördern und zu stärken - auch im Kontext von G7, G20 oder politischer Prozesse der Europäischen Union (EU) und der Vereinten Nationen. So wählt er beispielsweise die vier Vertreter der EU für die Y7 aus.

Dieses Gremium setzt sich aus jeweils vier Jugendlichen jedes Mitgliedsstaates der G7 und der EU zusammen und erarbeitet Forderungen an die »großen« G7. Dieses Mal kamen als Gäste außerdem die Staaten Senegal, Südafrika, Indonesien und die Ukraine dazu. Knöppler habe bereits bei vergangenen G7-Gipfel für die Vertreter von YEL zugearbeitet und auch selbst am Bewerbungsverfahren als Jugendvertreter teilgenommen.

»Daraus wurde leider letztes Mal nichts, ich habe es diesmal aber trotzdem probiert. Gleichzeitig habe ich mich im Frühjahr aber auch bei ONE als Jugendbotschafter beworben.« Gegründet von U2-Sänger Bono, ist ONE eine global agierende Lobby-Organisation, die sich gegen extreme Armut und vermeidbare Krankheiten einsetzt (der Gießener Anzeiger berichtete auch über den Gießener Jugendbotschafter Sascha Johann). Umso größer war die Freude, als beide Bewerbungen positiv ausfielen. »Ich war völlig aus dem Häuschen! Auch ONE hat sofort zugesagt, mich bei den Y7 zu unterstützen; es gab Trainings in richtigem Verhandeln oder politischer Bildung«, so der Gießener.

Vier Schwerpunkte

Diese Skills konnte Knöppler dann auch direkt im Arbeitsverfahren der G7-Jugendvertretung einbringen, in dem je ein Vertreter eines Landes in einer von vier thematischen Schwerpunktgruppen, genannt »Track«, gemeinsam mit anderen Forderungen erarbeitet. »Da ich durch mein Studium der Wirtschaftswissenschaften den Fokus auf ökonomische Themen wie globale Ungleichheit gelegt habe, arbeitete ich im Track ›wirtschaftliche Transformation für gemeinsamen Fortschritt‹", erklärt der Jugendbotschafter weiter.

Im Voraus zu dem Ende Juni anstehenden G7-Gipfel auf Schloss Elmau habe man sich seit dem Frühjahr immer am Wochenende digital zu Arbeitstreffen verabredet, bevor sich die Fachgruppen dann vergangene Woche in Präsenz in Berlin trafen, um ihr Communiqué abzuschließen.

Instrumente vorgeschlagen

Dort konnte er erfolgreich einige Forderungen von ONE in den Katalog der Y7 einbringen. Die stärkere Finanzierung des Global Funds zur Impfgerechtigkeit beispielsweise, oder »die Erarbeitung des ›Common Frameworks‹ zur Schuldenrestrukturierung armer Staaten. Oftmals landet ein Großteil des von ihnen erwirtschafteten Einkommens direkt zur Schuldentilgung bei reichen Ländern und fehlt dann vor Ort für Bildung und Gesundheit«, erläutert der Jugendbotschafter die vorgeschlagenen Instrumente.

Nach der Übergabe der Forderungen an Bundeskanzler Scholz und mit dem G7-Gipfel endet Knöpplers Zeit als Y7-Delegierter offiziell. »Natürlich werde ich jetzt aber nicht müde werden, bis zum Gipfel das erarbeitete Paper an Vertreter von Politik und Zivilgesellschaft weiterzugeben und die gestellten Forderungen zu bekräftigen«.

Dass diese nicht alle ins Abschlusscommuniqué der G7 übernommen werden, sei ihm durchaus bewusst. »Ich habe in diesen Monaten aber trotzdem enorm viel gelernt und vor allem Mut geschöpft, dass sich durch Zusammenarbeit etwas ändern kann, auch wenn vieles schiefläuft«, resümiert der engagierte Student. Auch als ONE-Botschafter wolle er sich nun mehr einmischen: So sind bereits Treffen mit parlamentarischem Staatssekretär Prof. Edgar Franke oder Michael Roth, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, geplant. Es gebe also weiterhin genug Möglichkeiten des Mitmischens - »in Deutschland als ONE-Botschafter und auf EU-Ebene als Y7-Delegierter«.

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Josias Knöppler © Felix Pflüger

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