Einzelhandel in Gießen in der Krise

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GIESSEN - (olz). Corona-Lockdown: Mitten in der Weihnachtszeit schließen die Geschäfte. Was heißt das für den Einzelhandel, der in diesem Jahr bekanntermaßen nicht die erste Pandemie-bedingte Schließung erlebt? Bürgermeister Peter Neidel und Frank Hölscheidt, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung, haben nachgefragt und Vertreter von Einzelhandel und BIDs noch am Mittwoch zu einer Videokonferenz geladen.

"Wir haben die derzeitige Lage erörtert. Das Ordnungsamt hat beraten, wie die Abholung bestellter Waren in den Geschäften möglich ist", berichtet der Bürgermeister. Daneben diskutierten die Teilnehmer auch die Frage, wie es nach Ende der Schließungen weitergeht.

Mittwochmorgen wirkt der Seltersweg wie ausgestorben. Dort, wo am Vortag noch zahlreiche Weihnachtseinkäufer unterwegs waren, schlendern nur noch wenige Menschen. Die meisten Geschäfte haben ihre Pforten geschlossen, dürfen aber bestellte Waren herausgeben. Man wolle ermöglichen, dass die Kunden Bestellungen in den Geschäftsräumen holen und auch dort bezahlen können, erklärt der Bürgermeister. Gleichzeitig müsse sichergestellt sein, dass die Geschäfte nicht offen sind. "Schon am Dienstag haben wir größere Läden zu diesen Themen beraten", führt Neidel aus.

Kostenloses Parken

Für die Zeit nach dem Lockdown sprachen die Teilnehmer unter anderem über die aktuelle Werbekampagne für die Innenstadt, die im September gestartet ist. "Wir werden nun mit der Werbeagentur erörtern, wie wir auf die Wiedereröffnung vorbereiten und die Innenstadt platzieren können. Wir wollen erreichen, dass die Menschen an den Handel denken", erläutert der Unionspolitiker. Ziel sei es, dass nicht zu viele Kunden zum Online-Handel abwandern. Ebenfalls diskutiert wurde das Thema Parken nach der Wiedereröffnung. "Vom Handel wird gewünscht, in gewissem Umfang aktionsweise kostenfreies Parken in der Innenstadt anzubieten. Das ist durchaus eine Überlegung und ein Signal an Einkäufer, allerdings geht es um keinen Dauerzustand, sondern um einen begrenzten Zeitraum", betont der Bürgermeister. Die Aktion könne allerdings nicht nur auf öffentliche Parkplätze beschränkt sein, sondern müsse auch einige Parkhäuser einbeziehen. Es gelte zu prüfen, ob die Betreiber dazu bereit seien und ob es einen Ausgleich durch die Stadt oder die BIDs geben kann. Im Gespräch sei derzeit, die ersten zwei Parkstunden kostenfrei zu machen. Den Wunsch des Handels werde man wohlwollend prüfen. Allerdings bedürfe es für die Umsetzung einer politischen Entscheidung, ob die Stadt dies will, resümiert Neidel. "Momentan möchten wir die Leute aus dem Öffentlichen Personennahverkehr holen, denn er schreckt unter den derzeitigen Bedingungen viele ab", führt Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BIDs Seltersweg, aus. Daneben werde oft argumentiert, dass in der Innenstadt keine Parkplätze zur Verfügung stünden oder dass sie zu teuer seien. "Wir wollen, dass - wie in anderen Städten - zumindest auf städtischen Flächen für einen begrenzten Zeitraum auf Gebühren verzichtet wird", so der Geschäftsführer. Man versuche, einige Parkhäuser ebenfalls zu gewinnen. Allerdings litten auch ihre Umsätze unter dem Lockdown. Als "kurz, knackig, gut" lobt Pfeffer die Videokonferenz mit Beteiligung des Ordnungsamtes. Die Zusammenarbeit mit der Behörde sei ausgezeichnet. Er schätze sehr, dass die Initiative von Peter Neidel und Frank Hölscheidt ausging, lobt BID-Vorsitzender Heinz-Jörg Ebert. "Das ist eine tolle Form des Miteinanderarbeitens."

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