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»Ella« erklärt ihre Motive

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»Freiheit für Ella«: Unterstützer der Angeklagten haben an einigen Stellen in Gießen Plakate hinterlassen. © privat

Im Berufungsprozess gegen die Umweltaktivistin »Ella« in Gießen meldet sich die Angeklagte erneut zu Wort und erklärt ihre Motive. Die Verteidigerin fordert derweil die Entlasstung aus der U-Haft.

Gießen (bcz). In einigen Werbekästen an Gießener Bushaltestellen tauchten am Freitag Plakate auf, die »Freiheit für Ella« oder »Free Ella« forderten und Beamte des SEK der »Lüge« bezichtigten. Dabei handelte es sich um eine Aktion von Unterstützern der Umweltaktivistin »Ella«, die sich zurzeit unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht verantworten muss. Es geht darum, ob sie bei der Räumung von Baumhäusern im Dannenröder Forst bei einem Gerangel in 15 Metern Höhe nach Polizisten geschlagen und getreten und damit deren möglichen Absturz provoziert haben könnte. In erster Instanz am Amtsgericht Alsfeld war sie zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Der Berufungsprozess befindet sich auf der Zielgeraden. Die Plädoyers könnten laut Plan bereits am 1. März gehalten werden. Zuletzt mehrten sich Zweifel an den zunächst belastenden Aussagen der Spezialkräfte.

Am jüngsten Verhandlungstag lieferten sich nun Staatsanwältin Mareen Fischer und Verteidigerin Eva Dannenfeldt heftige Wortgefechte. Der Anklagevertreterin wurde vorgeworfen, ihre Ermittlungsarbeit nicht ordentlich gemacht und entlastendes Material zugunsten der Angeklagten nicht berücksichtigt zu haben. Angesichts der teils widersprüchlichen, teils korrigierten Schilderungen der SEK-Beamten beantragte die Rechtsanwältin die sofortige Entlassung ihrer Mandantin aus der U-Haft. Beispielsweise hatten die Polizisten eingeräumt, doch hinreichend gesichert gewesen zu sein. Diesem Antrag gab der Vorsitzende Richter Johannes Nink nicht sofort statt, sondern nahm ihn als Haftprüfungsantrag an.

»System der Ausbeutung«

Außerdem meldete sich die »unbekannte weibliche Person eins« (UWP1), genannt »Ella«, selbst noch einmal zu Wort, um eine Erklärung abzugeben. Sie äußerte sich nicht zu den Tatvorwürfen, sondern zu ihren Motiven, warum sie als Umweltaktivistin »so agieren musste«: »Wir sind Teil einer Bewegung, die sich von der Natur inspirieren lässt, um diese katastrophalen Szenarien zu verhindern.« Die Klimakrise weltweit werde durch ein System der Ausbeutung und Zerstörung der Natur verursacht. Ein Skandal sei auch, dass die Behörden sie für über 449 Tage ins Gefängnis gesteckt haben. Weiterhin erinnerte sie an die Äußerung des Vorsitzenden am ersten Verhandlungstag, der darauf hingewiesen hatte, dass der Bau dieser Autobahn in einem demokratischen Prozess beschlossen worden sei. »Es ist kein Geheimnis, dass Demokratie für mich und viele nichts ist, was man feiern sollte. Warum eigentlich? Weil wir sie als einen Machtkampf erleben, bei dem die Menschen und die Bedürfnisse von Minderheiten unerfüllt bleiben, wie es bei den Menschen im Gebiet der A 49 der Fall ist«. Die Zuhörer im Saal quittierten die Erklärung mit Begeisterung.

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