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Endgültiges Aus von Orsay steht fest

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»Wir schließen - Alles muss raus«: Bis Ende Juni ist die Orsay-Filiale im Seltersweg noch geöffnet. Foto: Lemper © Lemper

Eine Filiale der Modekette befindet sich seit 1989 im Seltersweg. Ende Juni ist nun Schluss. Noch offen ist die Nachfolgenutzung.

Gießen (bl). Wirklich überraschend kommt die Entscheidung nicht mehr, nun herrscht aber zumindest Gewissheit: Die Bekleidungskette Orsay schließt deutschlandweit all ihre Filialen. Davon ist auch der 1989 in Gießen eröffnete Standort im Seltersweg 67 betroffen. Das Unternehmen mit Sitz in Willstätt (Ortenaukreis) hatte im März die »Stilllegung des Geschäftsbetriebs« beschlossen, die werde zum 30. Juni endgültig vollzogen. Bis dahin könne während des Räumungsverkaufs noch »permanent neue Ware nachgeliefert werden«, erklärt Wolfgang Weber-Thedy auf Anfrage des Anzeigers. Der Jurist mit Büros in Zürich und München berät seine Auftraggeber bei Fragen der strategischen Unternehmens- und Finanzkommunikation.

Hoffnungen waren zunächst in ein »Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung« gesetzt worden. Doch der Krieg in der Ukraine habe die »Konsumneigung der deutschen Verbraucher noch weiter gedrückt«, bereits die Pandemie habe sich stark belastend ausgewirkt.

Im Rahmen der Sanierung sei schon zuvor damit begonnen worden, »das Filialnetz erheblich auszudünnen«. Gießen gehörte noch nicht dazu. Dies deute darauf hin, dass es dort »wirtschaftlich ganz gut lief« und eine realistische Perspektive gesehen worden sei, das Geschäft fortzuführen, so der auf Restrukturierungen spezialisierte Wolfgang Weber-Thedy. Ein Investor konnte allerdings nicht gewonnen werden. Insgesamt ist inzwischen 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern - im Seltersweg sind es fünf - gekündigt worden. Wie es aus der Branche heißt, hätten sich für sie aber »Anschlussbeschäftigungen« ergeben. Noch offen ist derweil die Nachfolgenutzung. Die Mietfläche befinde sich seit Kurzem bei verschiedenen Maklerhäusern in der Vermarktung, berichtet Dietmar Lang, Geschäftsführer der Lang GmbH & Co. KG als Verwalter der Immobilie. Zwar sei die »eine oder andere Anfrage« eingegangen, intensive Gespräche mit potenziellen Mietern seien indes noch nicht geführt worden. Das liege auch daran, dass Orsay eine Zeitlang am Erhalt diverser Standorte gearbeitet habe. Nach dem jetzt offiziell gewordenen Auszug in drei Wochen möchten die Eigentümerinnen die Fläche renovieren, insbesondere im Bereich der technischen Ausstattung, und an den »heutigen Standard anpassen«, so Lang.

Markus Pfeffer, Geschäftsführer des BID Seltersweg, bedauert den »Verlust einer bekannten Marke« in der Fußgängerzone. Zugleich ist es ihm wichtig zu betonen, dass das Aus von Orsay mit der allgemeinen wirtschaftlichen Schieflage des Modehändlers und ausdrücklich nichts mit der Attraktivität des Selterswegs zu tun habe. »Gerade bei den Filialisten erleben wir momentan einen großen Bereinigungsprozess«, weiß Pfeffer. Zudem befinde man sich in einer Phase, in der viele langfristige Verträge auslaufen und sich »mancher stationäre Einzelhändler wird trotz Corona-Hilfen nicht halten können«. Das biete wiederum die Chance für einige Wechsel im Angebot.

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