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»Endlich wieder hier sein«

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Über 500 Gläubige feierten auf dem Gießener Hausberg. Foto: Jung © Jung

Gießen (kg). Die Pfingstmontage in den vergangenen beiden Jahren blieben still auf dem Schiffenberg. Keine Gebete, keine Gesänge und Musik von Bläserinnen und Bläsern, auch eine Predigt war nicht zu hören. Das änderte sich jetzt, die Tradition der Pfingstgottesdienste wurde wieder aufgenommen. »Endlich wieder hier sein«, freute sich der kirchliche »Hausherr« Dr.

Stefan Brenne von der evangelischen Kirchengemeinde Hausen. Dabei schaute er in die Gesichter von über 500 Gläubigen, die nach zwei Jahren Pause den Gießener Hausberg besuchten, um gemeinsam den Geburtstag der Kirche zu feiern.

Eingeladen hatten das evangelische Dekanat Gießen, der katholische Pfarreienverbund, die griechisch-orthodoxe Gemeinde sowie syrisch-orthodoxe Gemeinden. Die Lesung der Apostelgeschichte 1, Verse 1 bis 13 fand in aramäischer, ukrainischer und deutscher Sprache statt.

Bernd Apel, Pfarrer für Ökumene in Gießen, predigte zu Johannes 20, Verse 19-22. »Wir auf dem Schiffenberg sind Teil eines Global Player«, machte Apel deutlich. Es gebe kaum ein Flecken auf der Erde, wo man von Jesus nichts wisse. An Pfingsten 2022 sei man versammelt »open air, nicht versteckt, vor allen, die es hören wollen, frei heraus«. Der Pfarrer beschrieb die aktuelle Gefühlslage: »Verzagt, kleinlich, niedergeschlagen«.

Apel verdeutlichte, hinter den Wahrnehmungen steckten tatsächlich Krisen: Weniger Finanzmittel seien vorhanden, sinkende Geburtenzahlen, Debatten über den Missbrauch durch Amtsträger. Dazu komme fehlende Präsenz in Coronazeiten. Manches Problem sei eher katholisch, manches eher protestantisch. Manches ploppe in den Medien rasend schnell auf. Aber die Gesamtwirkung sei ein und dieselbe. »Das Ansehen wie die Gestaltungskraft der Kirche nimmt ab.«

In der Minderheit

Apel ging auf die jüngst veröffentlichten Zahlen der Gläubigen ein, wonach Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirche erstmals weniger als 50 Prozent der deutschen Bevölkerung ausmachten. Aus der gefühlten Minderheit sei eine reale entstanden. Im Bereich Gießen seien 60 Prozent der Bevölkerung Christen.

Ehren- und hauptamtliche Mitarbeitende »rackerten sich zur Zeit richtig ab«, stellte der Seelsorger fest. Das sei ehrenwert und mache Mühe »so wie man einen Kreis quadratisch macht«. Sicher mache der Gottesglaube nicht, aber der Glaube könne die Tür offenhalten,. »Der Geist von Pfingsten haucht, bläst, weht zum Aufbruch«. Er appellierte an die Gläubigen: »Geht zu den Tafeln, den Bahnhofsmissionen, in die Hospize, zu den Obdachlosen und den Junkies«. Da, wo sie gebraucht werden, sollen sich die Menschen hinwenden. »Und lebt die Botschaft, dass Gott in der Welt ist! Denn ihr seid seine Gesandten.«

Posaunenchöre des evangelischen Dekanats Gießen (Leitung: Cordula Scobel) gestalteten den musikalischen Teil. An der Gottesdienst-Gestaltung beteiligten sich auch Pater Arsenios, griechisch-orthodoxe Gemeinde Gießen, Pfarrer Lahdo Aydin, syrisch-orthodoxe Gemeinde Gießen/Pohlheim, Marina Sagorski, Propsteikantorin Oberhessen, Uta Kuttner, Pfarrei St. Bonifatius, Pfarrer Erik Wehner, katholischer Pfarreienverband und Pfarrer André-Witte Karp, evangelisches Dekanat Gießen. Die Leitung hatte das evangelische Dekanat Gießen mit der Petrusgemeinde und Matthias Zörb (zörb acusti Linden).

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