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Entscheidung nie bereut

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Nach der Abschlussprüfung bleibt der ausgezeichnete Azubi Florian Stieler dem Betrieb als Geselle erhalten. Foto: Zielinski © Zielinski

Nach einem 14-tägigen Praktikum begann Florian Stieler 2019 seine Ausbildung als Metallbauer. Eine gute Entscheidung und jetzt wurde er zudem von der Handwerkskammer Gießen ausgezeichnet.

Gießen. »Mit solchen jungen Leuten sehe ich in unserem Beruf eine gute Zukunft«, betont Metallbaumeister Kai Zimmermann. Der Inhaber des gleichnamigen Metallbaubetriebs ist voll des Lobes für seinen Lehrling Florian Stieler, der für sein Engagement von der Handwerkskammer Gießen die Auszeichnung »Auszubildender des Monats April« erhalten hat.

Nach seinem Fachabitur am Landgraf-Ludwigs-Gymnasium in Gießen stand für Florian Stieler fest, dass er gerne etwas Handwerkliches machen möchte. »Den ganzen Tag nur am PC zu sitzen wäre mir zu langweilig gewesen«, erzählt er. Nach einem 14-tägigen Praktikum begann er am 1. Januar 2019 seine Ausbildung als Metallbauer Fachrichtung Konstruktionstechnik. Eine Entscheidung, die weder er noch sein Chef bereut haben - im Gegenteil.

Kai Zimmermann bescheinigt seinem Azubi gutes technisches Verständnis, den bedachten Umgang mit Materialien, die im Betrieb verarbeitet werden, eine schnelle Auffassungsgabe, die selbstständige Lösung von Aufgaben sowie den verantwortungsvollen Umgang mit Maschinen und Betriebsausstattung. »Sowohl Kollegen als auch Kunden schätzen ihn als ordentlichen, zuverlässigen und freundlichen Menschen ein«, lobt er. Auch seine Berufsschulnoten seien gut. Besonders freut er sich darüber, dass der noch 21-jährige Wettenberger nach seiner Abschlussprüfung im Sommer dem Betrieb als Geselle erhalten bleiben wird.

Dass sich im vergangenen Jahr die Zahl junger Menschen, die nach ihrem Abitur eine Ausbildung machen, verdreifacht habe, wusste Bernhard Mundschenk, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Wiesbaden, zu berichten. »Im Handwerk brauchen wir dringend junge Menschen, um gegen einen zunehmenden Fachkräftemangel effektiv ankämpfen zu können, betonte er. Der Hauptgeschäftsführer bedauerte, dass sich Zweidrittel aller Auszubildenden auf nur zehn Berufe konzentrieren würde. Darunter fielen unter anderem der Kfz-Mechatroniker/-in, der Friseur/- in oder der Installateur/-in. Dabei biete das Handwerk über 130 interessante Ausbildungsberufe.

Bernhard Mundschenk bedankte sich auch bei Kai Zimmermann: Der Ausbildungsbetrieb habe immer einen großen Anteil am Erfolg eines Auszubildenden. »Wer selbst in den Genuss einer guten Ausbildung gekommen ist, wird später auch selbst gut ausbilden«, erklärte er. 90 Prozent aller Ausbildungsverträge im Handwerk würden, wie im Falle von Zimmermann Metallbau, von Meister-geführten Betrieben abgeschlossen. Etwa 3500 Lehrverträge kämen pro Jahr im Bereich der Handwerkskammer Wiesbaden zustande, 40 Prozent davon in Mittelhessen.

Unter dem Motto »Ausgezeichnete Lehrlinge auszeichnen« hat die Handwerkskammer Wiesbaden seit 1999 bereits 280 Auszubildende für ihre außergewöhnlichen Leistungen geehrt. Betriebsinhaber aus dem Kammerbezirk können ihre Azubis ab dem zweiten Lehrjahr hierfür vorschlagen. Ziel ist es, mit dieser Aktion für die Perspektiven und Chancen einer handwerklichen Lehre zu werben, aber auch die knapp 27 000 Mitgliedsbetriebe dazu motivieren, weiterhin auf hohem Niveau auszubilden. Aktuell werden 8700 Lehrlinge im Wiesbadener Kammerbezirk ausgebildet. 1962 als Zwei-Mann-Betrieb von Ernst Zimmermann gegründet und von dessen Sohn Wilhelm fortgeführt, leitet Kai Zimmermann zusammen mit seiner Frau Stefanie in dritter Generation seit 2007 den Betrieb. Ab Sommer sucht das sechs Mitarbeiter zählende Unternehmen wieder einen Auszubildenden. Noch lägen keine Bewerbungen vor, bedauert das Paar, dessen Tochter Mia im Sommer in einem anderen Betrieb eine Lehre zur Metallbauerin beginnt.

»Frauen in diesem Beruf sind selten«, weiß Florian Stieler.« In seiner Berufsschulklasse sei keine Frau gewesen. »Je kleiner der Betrieb, desto mehr lernt man«, unterstreicht er. Und er würde sich immer wieder dafür entscheiden, denn es mache einfach Spaß am Ende des Tages zu sehen, was man alles geschafft habe.

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