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»Erinnert euch heiter«

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Der symbolische Lebens- und Trauerweg führt die Altarstufen hinauf. Foto: Smat © Smat

SAPV und Palliativstationen Gießen hatten Angehörige und Freunde der Verstorbenen zu einem besonderen Gottesdienst in die Petruskirche eingeladen.

Gießen. Mit einem Lächeln und Masken verteilend begrüßt Mirjam Weiß-Arzet vom Hospiz-Verein Gießen jeden, der zum Gottesdienst in die Petruskirche kommt. Glockengeläut lädt zur Gedenkfeier der Verstorbenen, die durch das Team der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) oder das Team der Palliativstation unterstützt und begleitet worden sind.

»Was einem Trost gibt, können wir nur selbst herausfinden«, gibt Pastoralreferentin Dr. Esther Schulz den Besuchern mit. »Zeit zum Erinnern - Trost und Segen erfahren« ist das wiederkehrende Motto der seit 2012 zweimal im Jahr stattfindenden Gedenkfeier im Rahmen eines überkonfessionellen Gottesdienstes. Vorbereitet wurde die Veranstaltung von der evangelischen und katholischen Klinikseelsorge im Uniklinikum Gießen in Zusammenarbeit mit Mitarbeitenden des SAPV-Teams, der Palliativstation um den leitenden Oberarzt Prof. Ulf Sibelius und der örtlichen Hospizdienste. In seiner Begrüßung beschreibt Sibelius, dass die Palliativmedizin eine junge Disziplin in Deutschland sei. Außerdem sei es ihm eine Herzensangelegenheit, noch einmal an Freunde und Familie der Anwesenden zu erinnern.

»Sie dürfen sich ernst nehmen und annehmen, auf Ihre Art zu trauern«, betont die Pastoralreferentin.

Auf den Treppenstufen hat das Team ein Bildnis aufgebaut: Ein Weg aus weißen Steinen, der Scherben entspringt und über einen Holzstamm führt, umgeben von weißen Blüten und roten Blättern. »Auf den Scherben des zerbrochenen Lebens kann man nicht stehenbleiben«, mahnt Schulz. Die Steine repräsentieren den persönlichen Trauerweg, während die Blätter und Blüten die Spuren darstellen, die die Verstorbenen hinterlassen haben. Auch wenn der quer liegende Baum ein Einschnitt ins Leben sein kann, heißt es auch: »Wenn ein Baum stirbt, macht er Weg für Neues frei.«

Zuvor konnten die Angehörigen die Namen ihrer Verstorbenen auf einen Stein schreiben, für die Predigt vorne ablegen und diesen am Ende mit nach Hause nehmen. »Besucht mich hier an meinem Stein«, heißt es in einem Lied, das Jennifer Weber, Musiktherapeutin auf der Palliativstation, singt. »Weint nicht, erinnert euch heiter«, ermutigt sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer.

Gemeinsam bringen Esther Schulz und Pfarrerin Susanne Gessner die Namen der Verstorbenen »noch einmal zum Klingen«, während für jeden ein Teelicht entzündet wird. »Die Kerzen erinnern uns, jeder Mensch ist einzigartig«, bestärkt Gessner die Anwesenden.

Der Gottesdienst und die Gedenkfeier seien »sehr wohltuend für diejenigen, die da sind«, erzählt Weiß-Arzet. Auch Menschen, die bereits vor Jahren Angehörige verloren haben, finden sich noch immer ein. »Da merke ich: Irgendetwas tut da gut.«

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