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Erinnerung, Frauenliteratur und elterliche Wut

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Harald Martenstein liest am 11. März in Laubach. © Red

Gießen/Hungen (red). Zu einer Gedenkveranstaltung für die im vergangenen Jahr gestorbene Schriftstellerin Katja Behrens lädt das Literarische Zentrum Gießen (LZG) am Sonntag, 6. März, um 11 Uhr im Alten Schloss ein. Behrens war ein gern gesehener Gast in Gießen. Das LZG kooperierte häufig mit ihr für Veranstaltungen und Lesungen. So besuchte sie 2010 mit ihrem Roman »Der kleine Mausche aus Dessau - Moses Mendelssohns Reise nach Berlin im Jahre 1743«.

Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen. Die LZG-Veranstaltung soll an ihr Lebenswerk erinnern.

Behrens wurde 1942 während des Zweiten Weltkriegs in Berlin in eine Familie geboren, der das Schreiben am Herzen lag. Die NS-Zeit überlebte sie in einem Versteck in Österreich, zeitlebens setzte sie sich für das jüdische Leben in Deutschland und verfolgte Autoren weltweit ein.

So gab sie auch den Anstoß für die Entstehung des Gießener Vereins »Gefangenes Wort« durch ihren aussagekräftigen Satz: »Wer lesen will, muss dafür kämpfen, dass andere schreiben dürfen«. Das LZG-Programm wird fortgesetzt mit einer Lesung von Nicole Seifert am Dienstag, 8. März um 19 Uhr im Hermann-Levi-Saal.

Sie stellt anlässlich des Internationalen Frauentags ihr neues Buch »Frauenliteratur« vor. »Banal, kitschig, trivial - seit Jahrhunderten wird das literarische Schaffen von Frauen mit Adjektiven wie diesen abgewertet und noch immer werden literarische Werke von Frauen seltener verlegt, besprochen und mit Preisen versehen«, heißt es in der Ankündigung. So lernten wir von Anfang an: Was literarisch wertvoll ist, stammt von Männern. In ihrem Buch analysiert Seifert frauenfeindliche Strukturen im Literaturbetrieb, nachdem sie sich drei Jahre lang ausschließlich mit Literatur von Frauen - Klassisches und Zeitgenössisches, Bekanntes wie Unbekanntes - beschäftigt hat. Dabei stellte sie fest: Die vielbeschworene »Qualität« sei nicht das Problem, vielmehr »verpassen wir das Beste, wenn wir nicht endlich vorherrschende Strukturen überdenken und in unseren Bücherregalen eine Frauenquote einführen«.

Nicole Seifert ist promovierte Literaturwissenschaftlerin sowie gelernte Verlagsbuchhändlerin und arbeitet als Übersetzerin und Autorin in Hamburg. Die Lesung und das Gespräch werden von Nadyne Stritzke (Frauen- und Gleichstellungsbeauftrage der Justus-Liebig-Universität Gießen) moderiert. Ein Grußwort spricht Katharina Lorenz (Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Liebig-Universität). Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung über das LZG-Büro dennoch erforderlich.

Der bekannte Berliner Journalist und Publizist Harald Martenstein gastiert am Freitag, 11. März, um 20 Uhr im Rathaussaal Laubach. In der Reihe »Leseland Gießen« stellt er seinen neuen Roman »Wut« vor. Das Erbe des Krieges, der Schrecken einer Kindheit und ein Junge, der nicht vergessen kann: Frank ist der Wut seiner Mutter ausgeliefert. Sie schlägt ihn, immer wieder. Er steht ihren Träumen im Weg. Erst kam der Krieg, dann das Bordell, wo sie in der Nachkriegszeit Unterschlupf fand, dann die Klosterschule. Und jetzt das Kind. Eines Tages eskaliert ein Streit, und Frank springt aus dem Fenster. Er kehrt nie wieder nach Hause zurück. Aber die Wut seiner Mutter wird er nicht mehr los. Ein Roman darüber, wie schwer es ist, die Wunden der Kindheit zu heilen.

Der in Berlin lebende Martenstein, geboren 1953 in Mainz, ist Journalist und Autor. Seit 2002 schreibt er eine Kolumne für Die Zeit, die auch im RBB und im NDR zu hören ist. Für seine Arbeit wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-, dem Henri-Nannen- und dem Theodor-Wolff-Preis ausgezeichnet.

Karten für 12 (9) Euro gibt es in der Buchhandlung Reinhard in Grünberg, bei Buck’s Buch und Papierladen in Hungen, im Laubacher Reisebüro, in der Buchhandlung Bindenagel in Butzbach, in der Licher Reisewelt, bei der Ovag (Telefon 06031 6848-1252) sowie im Kultur- und Tourismusbüro Laubach (Tel.: 06405/921 321).

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Nicole Seifert liest am 8. März in Gießen. © Nagel, dpa

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