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Erinnerungskultur gelebt

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Christel Buseck © Red

Die Hedwig-Burgheim-Medaille geht in diesem Jahr an Christel Buseck. Das hat der Magistrat beschlossen. Die Feierstunde soll im September stattfinden.

Gießen (red). Die Hedwig-Burgheim-Medaille geht in diesem Jahr an Christel Buseck. Die Vergabe der hohen Auszeichnung hat der Magistrat der Universitätsstadt Gießen auf Antrag von Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher beschlossen. Becher dazu: »Mit ihrem umfangreichen Wirken hat sich Christel Buseck in besonderem Maße um die Verständigung und das Verständnis zwischen den Menschen im Sinne Hedwig Burgheims engagiert. Sie hat sich durch ihre jahrzehntelange Tätigkeit in der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar nicht nur um den Brückenbau zwischen ehemaligen Gießener jüdischen Bürger*innen und der Gießener Stadtgesellschaft verdient gemacht. Frau Buseck hat als Pädagogin auch maßgeblich dazu beigetragen, die Erinnerungsarbeit an den Holocaust in den Köpfen der jüngeren Generation zu verankern. Das verdient Anerkennung.«

Christel Buseck war als Mitglied und seit 1994 als Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Gießen-Wetzlar an der Gestaltung und Umsetzung der vom Magistrat von 1982 bis 2014 alle zwei Jahre durchgeführten Begegnungswoche der ehemaligen Gießener jüdischen Bürger*innen maßgeblich beteiligt. Sie organisierte und begleitete die Programmteile der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und war darüber hinaus für die jüdischen Gäste aus aller Welt ständige Ansprechpartnerin während der Begegnungswoche. Auch zwischen den Begegnungswochen pflegte sie durch Schriftverkehr, persönliche Besuche in Israel oder die Beherbergung von jüdischen Gästen in ihrem Privathaus diese Kontakte.

Als Lehrerin der Ricarda-Huch-Schule Gießen arbeitete sie von 2005 bis zu ihrer Pensionierung 2015 an Schulprojekten zur Erinnerungsarbeit mit.

Zudem engagiert sich Frau Buseck seit 2011 - auch im Ruhestand seit 2015 - in der Vorbereitung und Durchführung der mittlerweile sieben projektorientierten Schüler*innen-Austausche zwischen der Richarda-Huch-Schule Gießen und der Partnerschule Eldad High School in der Gießener Partnerstadt Netanya in Israel. Zudem war sie an den Vorbereitungstreffen zur Begründung der Schulpartnerschaft, insbesondere dem Besuch einer Lehrer*innen-Delegation in Netanya, maßgeblich beteiligt.

Christel Buseck hat in der Universitätsstadt Gießen wiederholt Anstöße für eine gelebte Erinnerungskultur gegeben, zum Beispiel die Einrichtung und Erneuerung von Gedenktafeln oder die Durchführung von Gedenkveranstaltungen. In vielen Gesprächen mit dem 2018 verstorbenen ehemaligen Vorsitzenden des Vereins ehemaliger Gießener und der Umgebung, Josef Stern, und dessen Hinterbliebenen hat sich Christel Buseck dafür eingesetzt, dass der von Josef Stern mit ehemaligen Gießener Juden geführte Schriftverkehr (Archiv der Überlebenden) als wertvoller Bestand für das Stadtarchiv Gießen gesichert werden konnte.

Christel Buseck engagiert sich seit 2006 auch als Gründungsmitglied der Koordinierungsgruppe Stolpersteine in Gießen und ist zurzeit deren Sprecherin. Sie recherchiert und organisiert viele Stolperstein-Verlegungen, wobei der Rechercheaufwand zu den Einzelschicksalen vor der Deportation, insbesondere zu bisher unbekannten Opfern, einen hohen Zeitaufwand erfordert..

Für Christel Buseck ist es auch wichtig, dass sich junge Menschen bei der Spurensuche aktiv mit einbringen: Im Stadtarchiv eine Meldekarte in die Hand nehmen, in Akten blättern, nach Fotografien suchen. Damit trägt sie zum gesellschaftspolitischen Engagement und zur gesellschaftlichen Verantwortung der jungen Generation bei. So begründet die Magistratsvorlage des Gremiums die Entscheidung.

Die Feierstunde zur Verleihung der Hedwig-Burgheim-Medaille soll am Donnerstag, 8. September, 18 Uhr, im Netanya-Saal des Alten Schlosses stattfinden. Foto: Stadt Gießen

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