Ersehnte Erholung, Erfolg mit Pizza aus Gießen und Lob fürs Ehrenamt

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Natürlich bleibt die Corona-Pandemie auch in den Sommerferien allgegenwärtig. Vor allem dürfte viele die Frage umtreiben, was genau sie nach der Rückkehr aus dem Urlaub erwartet, worauf sie sich einstellen müssen, welche Regelungen und Verpflichtungen dann für wen greifen. Gleichzeitig gibt es all jene, die vielleicht noch gar nichts gebucht haben oder ihre Reise erst in Kürze antreten wollen, aber angesichts erneut steigender Inzidenzen und gefühlt täglich sich ändernder Informationen und Warnungen nicht so recht wissen, ob und wohin sie überhaupt noch bedenkenlos fahren oder fliegen können.

Dabei sehnt sich doch inzwischen wirklich jeder nach all den Einschränkungen und dem Verzicht nach ein bisschen Erholung, um abzuschalten, den Kopf frei zu kriegen und mal wieder etwas anderes zu sehen und zu erleben. Die Realität ist nur noch nicht so unbeschwert, wie es wünschenswert wäre. Und da die Impfbereitschaft zuletzt merklich nachgelassen hat, wird dieser diffuse Zustand wohl noch eine Weile andauern.*Einer, der die Krise wiederum auf beeindruckende Weise genutzt hat, um sich neu zu orientieren, ist Shademan Souri. Mit einer zündenden Idee, Kreativität, guten Kontakten, Qualität und Fleiß ist es ihm sogar gelungen, richtig durchzustarten und zu expandieren - und das mit neapolitanischer Tiefkühlpizza. Erstaunlich, man sollte meinen, dass es davon schon genug Varianten gibt. Aus einer Maßnahme, die anfangs den Zweck hatte, "durch die Lockdowns zu kommen", soll demnächst eine "Pizza Manufaktur" im Ursulum werden. Das Ziel: 90 Mitarbeiter, die täglich 1300 Pizzen für Supermärkte produzieren. Klappt das, kann Souri durch eigenen Antrieb definitiv zu den Gewinnern der vergangenen Monate gezählt werden. Und dass die Stadt an der Lahn möglicherweise deutschlandweit Bekanntheit für "Pizza made in Gießen" erlangt, hätte ebenfalls einen gewissen Charme.*Zur Eigeninitiative sahen sich auch jene heimlichen "Maler" veranlasst, die im Übergang von der Bleich- zur Gnauthstraße einen (falschen) Zebrastreifen aufgebracht haben, um damit auf ein "Problem aufmerksam zu machen": einerseits zu viele Autos, die sich an einer unübersichtlichen und engen Ecke nicht wie vorgeschrieben an Tempo 30 halten; andererseits zahlreiche Fußgänger, unter anderem Kinder in Richtung Schule oder Spielplatz, die diese Kreuzung in Verlängerung zur Bahnunterführung queren. Mal unabhängig davon, dass derlei verkehrsregelnde Eingriffe der "Marke Eigenbau" nicht ungefährlich sind, war die Aktion zumindest insofern erfolgreich, als die Stadt angekündigt hat, per Verkehrszählung die "Zulässigkeit und Notwendigkeit" eines echten Überweges prüfen zu wollen. Für eine realistische Einschätzung sollte das sinnvollerweise erst nach den Ferien geschehen. Fällt das Ergebnis dann zugunsten eines Zebrastreifens aus, ist gleichwohl damit zu rechnen, dass demnächst häufiger unbeobachtet in Gießen der Pinsel geschwungen wird.*Einiges ist diese Woche zudem von dem vielfältigen ehrenamtlichen Engagement und besonderen Projekten zu lesen gewesen. Erwähnt sei hier zum Beispiel der unermüdliche Einsatz des Heimatvereins Wieseck um Wolfgang Bellof, Helmut Rühl und ihre Mitstreiter, die unterm Dach des ehemaligen "Saalbau Schepers" in Handarbeit Räume für eine Archivnutzung herrichten. Schließlich gilt es, jede Menge Dokumente und Geschichten aus "Wissich" für die Nachwelt zu erhalten. Genauso lobenswert sind die Bemühungen insbesondere junger Menschen, die über den "Digital Kompass" Seniorinnen und Senioren in die digitale Welt mit Handy, Apps, Computer und Internet begleiten. Nicht zu vergessen Prof. Frieder Lutz, der sich 15 Jahre für Kleinlinden im Ortsbeirat engagiert und dafür viel Zeit und Leidenschaft investiert hat, sich mit 82 aber aus der aktiven Kommunalpolitik zurückzieht. Oder Anja Helmchen, die neben ihrem Beruf als Rechtsanwältin obendrein als Stadtverordnete und neuerdings als erste Präsidentin in der bisher 64-jährigen Historie der Gießener Fassenachts-Vereinigung tätig ist. Oder die Frauen und Männer des Fördervereins Bismarckturm, die sich um dessen Instandhaltung kümmern und dafür sorgen, dass Besucher von oben regelmäßig die schöne Aussicht genießen können. Respekt verdient darüber hinaus das, was Bärbel Weigand und Christoph Geist in der Werkstattkirche in der Ederstraße leisten. Auf der Basis von gegenseitigem Verständnis und Vertrauen stärken sie die Gemeinschaft im Quartier.*Anerkennung und Dank gebührt selbstredend auch den Helferinnen und Helfern des THW Gießen, die gerade erst aus den von Unwetter und Hochwasser am stärksten betroffenen Regionen zurückgekommen sind. Die Eindrücke, die sie von dort schildern, sind vor allem eines: einfach nur bedrückend. Wenn Vergleiche gezogen werden, es sehe aus wie nach einem Krieg, sagt das schon viel aus über die Kraft und die Gewalt, die von solchen Wassermassen ausgehen können. Das erschreckende Ausmaß dieser Katastrophe und das Leid der Menschen vor Ort führen nur leider noch immer bei sehr vielen Zeitgenossen nicht dazu, die Auswirkungen des Klimawandels endlich ernstzunehmen.

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