1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Erst das Staunen, dann die Begeisterung

Erstellt:

gikult_Walachowski25_051_4c
Anna und Ines Walachowski im Levi-Saal. Foto: Schultz © Schultz

Gießen. Ein prachtvoller Saisonauftakt der Gießener Meisterkonzerte: Das Klavierduo Anna und Ines Walachowski versetzte das Publikum zunächst in tiefes Staunen und dann in restlose Begeisterung. Ihre Synthese aus technischer Virtuosität und spielerischer Eleganz ließ keine Wünsche offen: Ein Glücksfall.

Die Schwestern waren schon einmal in Gießen zu Gast, nun hatten sie Werke von Mozart, Gershwin, Schubert und Ravel im Programm, zu spielen auf zwei Klavieren oder vierhändig. Zu hören waren auch zeitgenössische Werke von Norbert Glanzberg (1910-2001) und Darius Milhaud (1892-1974). Die aus Polen stammenden Walachowskis sind seit mehr als 20 Jahren auf der Bühne erfolgreich, in der Berliner Philharmonie ebenso wie auf dem Harbin Music Festival in China. In Gießen begannen sie mit Mozarts Sonate D-Dur KV 448. Der verspielte Duktus des Werks wurde federleicht und gefühlvoll umgesetzt. Auffällig war gleich die subtile Dynamikgestaltung bei prachtvoller Klangfülle. Die Unterscheidung zwischen den beiden Instrumenten wurde unmöglich, zu erleben war ein großartiger Gesamt-Klaviersound.

Gershwins Drei Preludes für zwei Klaviere zeigte die Orientierung der Geschwister an, Zeitgenössisches war wichtig. Die Präludien erinnern ausdrücklich an die »Rhapsody in blue«. Zunächst herrschte ein bluesiger Schlenderton, der subtil und behutsam wird, bevor er sich träumerisch fast auflöst; ein famoser Abschluss.

Neugierig war man auf Norbert Glanzbergs Suite »Yiddish für zwei Klaviere«. Das wirkte tänzerisch und hatte ein bluesiges Flair. Selbst in den voluminösen Phasen herrschte dabei eine wunderbare Transparenz. Schubert Fantasie f-Moll op. 102 D940 kam träumerisch und schwebend daher. Im Gegensatz zur doppelten Instrumentierung klang das Stück weniger mächtig - eine kleine Einschränkung. Ansonsten herrschte schwelgerische Fülle und traumwandlerische Sicherheit des Ausdrucks. Darius Milhauds »Scaramouche« op.165b ist geprägt von schnellen Läufen. Musiziert wurde es mit überschießendem Temperament und einem mitreißenden Marschierrhythmus. Das Finale bot dann Sambarhythmen, große Dichte und Geschwindigkeit. Die Schwestern können einfach jede Emotion abbilden.

Ravels »Bolero« ging eher weich angelegt von der Exposition aus in eine runde, durchsichtige Schönheit über. Die Intensität steigerte sich ununterbrochen, wenngleich maßvoll. Inhaltlich gab das nicht so viel her, es waren im glasklaren Klangbild aber kluge Differenzierungen zu genießen. Riesenbeifall, als kräftige Zugabe gab es noch Mozarts »Türkischen Marsch«.

Das nächste Konzert der Reihe findet am 12. Januar statt. Zu Gast ist dann das Duo Sellheim.

Auch interessant