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Erst soll neues Dekanat gewählt werden

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Zur Haushaltssicherung des Fachbereichs Sozial- und Kulturwissenschaften der JLU Gießen, der ein hohes Defizit aufweist, sind erste Maßnahmen auf den Weg gebracht worden.

Gießen (fod). Ein Finanzdefizit von rund einer Million Euro, Proteste der Studierenden und jüngst auch noch die überraschenden Rücktritte von Dekanin und Pro-Dekanin: Der Fachbereich 03 (Sozial- und Kulturwissenschaften) der Justus-Liebig-Universität (JLU) erlebt gerade turbulente Zeiten, auch abseits von Corona und Ukraine-Krieg. Dass Prof. Ingrid Miethe und Prof. Andrea Gawrich ihre Ämter niederlegten, »war so nicht geplant«, sagte Prof. Joybrato Mukherjee bei der Senatssitzung am Mittwoch. Wobei dem JLU-Präsidenten bei diesen Worten ebenfalls eine gewisse Überraschung angesichts dieser Entwicklung anzumerken war.

Geplant war ursprünglich, bis Ende März ein umfassendes Maßnahmenpaket zur finanziellen Konsolidierung des Fachbereichs, der zu den größten der Gießener Universität gehört, zu beschließen. Das soll nun jedoch erst dann geschehen, »wenn wir wieder ein vollständig handlungsfähiges Dekanat haben«, betonte Mukherjee und kündigte Neuwahlen für »Mitte, Ende April« an. Zugleich dankte er dem amtierenden Studiendekan, Prof. Norbert Neuß, bis dahin die Geschäftsführung übernommen zu haben.

Wie Miethe und Gawrich in ihrem Rücktrittsschreiben deutlich machten, seien sie »nach gründlichem Abwägen« gemeinsam mit Neuß »zu dem Schluss gekommen, dass Dekanin und Pro-Dekanin nicht das Vertrauen genießen, das erforderlich ist, um in den kommenden Monaten die Situation am Fachbereich zu verbessern«. Mit dem Rücktritt verbinde man die Hoffnung, dass die Nachfolger in ihrem Wirken auf eine stärkere Akzeptanz im Fachbereichsrat und am Fachbereich insgesamt stoßen. »Dafür möchten wir den Weg frei machen«, betonten beide Professorinnen.

Das JLU-Präsidium habe die Rücktritte »mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen«, diese »aber akzeptiert«, teilte die Hochschule auf eine zwischenzeitliche Anfrage des Anzeigers mit. Dennoch erschwere dies »die ohnehin schon angespannte Situation am Fachbereich zusätzlich«.

Die Arbeit einer Task Force, der auch JLU-Kanzlerin Susanne Kraus angehört, hat dazu geführt, dass das Sachmittelbudget des Fachbereichs um 200 000 Euro gegenüber dem letzten Haushaltsjahr reduziert wurde. Zudem sollen auslaufende Stellen vorerst nicht neu besetzt werden, wobei es hier Ausnahmen gibt wie etwa familiäre Gründe.

Laut Kraus würde das Defizit ohne Sicherungsmaßnahmen bis Ende 2022 auf circa 1,9 Millionen Euro anwachsen. Daher hat das Präsidium entschieden, dass der Fachbereich dieses Jahr nur 100 Vollzeitäquivalente an Stellen finanzieren kann, nach vormals 113, die von 187 Mitarbeitern besetzt waren. Jedes dieser 13 entspreche 70 000 Euro, zeigte Mukherjee die Einsparmöglichkeit auf. Überdies werde anhand der Auslastung von Lehrveranstaltungen geprüft, inwieweit Lehraufträge zurückgefahren werden können. Dies alles solle jedoch nicht zulasten der Studierenden geschehen.

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