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Erster Schritt auf der Karriereleiter

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Volles Haus bei der Freisprechungsfeier der Tischlergesellinnen und -gesellen an der Theodor-Litt-Schule. Foto: Ewert © Ewert

Gießen. Siehe da: Es gibt anlässlich von Freisprechungsfeiern im Handwerk auch noch positive Überraschungen. So geschehen bei der Freisprechung der Tischlerjunggesellinnen und -gesellen des Prüfungsjahrganges 2022 für den Bereich der Innung Gießen, die traditionell in den Räumen der Theodor-Litt-Schule als zuständiger Berufsschule stattfand. Die Überraschung, die Innungsobermeister Sven Keßler (Buseck) erfreut konstatierte, war nicht schulischer, fachlicher, handwerklicher oder künstlerischer, sondern schlicht menschlicher Art.

Sie bestand in der Tatsache, dass von 29 jungen Damen und Herren, die von der Innung ihre Gesellenbriefe und seitens der Schule ihre Abschlusszeugnisse erhielten, 28 anwesend waren. Darunter auch alle acht, deren Winterprüfung schon nahezu ein dreiviertel Jahr zurückliegt.

Nimmt man den 29. hinzu, der wegen eines Auslandsaufenthaltes aus guten Gründen nicht anwesend sein konnte und für sein Fernbleiben um Verständnis bat, ergibt sich eine 100-Prozent-Anwesenheit. Das ist in dieser Komplettheit weder bei der Tischler- noch irgendeiner anderen Innung im Blick auf die vergangenen zwei oder drei Jahrzehnte erinnerlich.

So machte es Obermeister Keßler wie auch Geschäftsführer Sascha Prochazka als Vertreter der Kreishandwerkerschaft Gießen sichtlich Freude, sich mit Worten der Dankbarkeit und der Ermutigung an den heimischen Tischlernachwuchs zu wenden.

Die gute und bewährte und weit in die Vergangenheit reichende Tradition der Freisprechung nach erfolgreich absolvierter dreijähriger Lehre lebe, so Keßler und Prochazka.

Mit dem Gesellenbrief als dem ersten wichtigen Qualifikationszeugnis in der Tasche, könne nun der Blick nach vorne gerichtet und neue Ziele ins Visier genommen werden. Und die Schritte auf der Karriereleiter des Handwerks seien vor allem dann erfolgversprechend und erreichbar, wenn die unter anderem von Innung und Kreishandwerkerschaft angebotenen Möglichkeiten und Varianten auf dem Gebiet der Weiterbildung und Höherqualifikation auch zielgerichtet genutzt würden.

Niemand müsse und sollte sich mit dem Gesellenbrief zufriedengeben. Ob und wie die Zukunft gelinge, liege allerdings nun fast ausschließlich in der Hand und in der Verantwortung jedes einzelnen von den Verpflichtungen der Lehrzeit freigesprochenen Gesellen.

Denn: Das Land brauche Handwerker mehr denn je. Das werde jedem schlagartig dann bewusst, wenn der Strom ausfällt, die Heizung nicht funktioniert, das Dach nicht mehr ganz dicht ist oder der Motor des Autos nicht mehr das macht, was er soll. Daher sei es dringend notwendig, dem Handwerk wieder mehr Beachtung und Wertschätzung zukommen zu lassen. Das müsse in Elternhaus und in der Schule beginnen, so Prochazka und Keßler übereinstimmend. Politisches Ziel müsse es sein, berufliche und akademische Bildung als gleichwertig anzuerkennen - und entsprechend zu fördern.

Studieren sei kostenlos möglich, der Handwerker aber müsse für den Erwerb des Meisterbriefes, der mittlerweile auch zum Studium an Hochschule und Uni berechtigt, noch immer tief in die eigene Tasche greifen. Sascha Prochazka fasste zusammen: »Das Handwerk ist und bleibt eine stabilisierende Komponente, ist nach wie vor Rückgrat einer gesunden und zukunftsorientierten Volkswirtschaft, die selbstverständlich auch von politischer Seite durch verlässliche Rahmenbedingungen unterstützt werden muss.«

Die Absolventen im Prüfungsjahr 2022

Die in der Winter- bzw. Sommerprüfung des Jahres 2022 erfolgreichen Junggesellinnen und Junggesellen des Tischlerhandwerks aus dem Bereich der Innung Gießen sind:

Matthias Gortner (Linden, Ausbildungsbetrieb Opitz, Fernwald), Leonard Mohr (Linden, Ausbildungsbetrieb (AB) Adelt, Pohlheim), Bahouz Othman (Gießen) und Christian Rudolf (Lollar, beider AB Sommer, Staufenberg), Raphael Ruß (Butzbach, AB Schlimbach, Grüningen), Julius Siegert (Grünberg) und Lukas Klotz (Staufenberg, beider AB Becker, Allendorf/Lumda), Samuel Semere (Pohlheim), Yowhannes Gebrelibanos, Oliver Hublitz und Felix Stuckert (alle Gießen) sowie Christin Günther (Langgöns, aller AB Jugendwerkstatt Gießen), Gregor Gombert (Gießen, AB Römer, Beuern), Philipp Harnisch (Wetzlar) und Maximilian Müssig (Lich, beider AB Hofmann, Langgöns), Hanna Henrich (Wettenberg, AB Keßler, Buseck), Benedikt Hotte (Gießen, AB Haas, Wettenberg), Jakob Jäkel (Wetzlar, AB Stadttheater Gießen), Sebastian Jost (Lich, AB Biehl-Metzger & Schlecht, Münzenberg), Tim Kutscher (Reiskirchen, AB Gorr, Grünberg), Alexander Lüdke (Heuchelheim, AB Wilker, Lollar), Malte Päßler (Lich, AB Hick, Pohlheim), Paul Romano (Gießen, AB Weiß, Annerod, und Hofmann, Langgöns), Fabio Wagenbach (Wettenberg, AB Herbert, Fernwald), Tom Wolff (Wölfersheim, AB Schaefer, Lich), Mike Zerwer (Grünberg, AB Linker, Homberg) sowie Jonathan Hoffmann (Allendorf/Lumda) und Marie Wagner (Atzbach, beider AB Adam, Rodheim-Bieber).

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