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Erzählerische Mimik perfekt auf den Inhalt abgestimmt

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Isabella Archan stellt mit großen Gesten und vollem Körpereinsatz ihr Buch »Die Mördermitzi und der Sensenmann« vor. Foto: Czernek © Czernek

Gießen (bcz). Isabella Archan hat es wieder getan: Die Schauspielerin und Krimiautorin aus Leidenschaft stellte ihren jüngsten Band »Die Mördermitzi und der Sensenmann«, den vierten Band aus ihrer »Mördermitzi«-Reihe, im Rahmen des Krimifestivals am Sonntagabend im Netanya-Saal des Alten Schlosses vor.

Mit vollen Körpereinsatz, leidenschaftlicher Artikulation und auf den Inhalt abgestimmte Mimik präsentierte sie erneut die aberwitzige Geschichte jener Hauptfigur, die nicht selbst mordet - wie es vielleicht der Titel vermuten lässt - sondern immer über Leichen oder Mörder stolpert. Mit ihren skurrilen Einfällen unterstützt sie ihre Freundin, die Inspektorin Agnes Kirschnagel aus Kufstein, bei der Aufklärung von Mordfällen. So kommt sie einem Serienmörder auf die Spur, der jahrelang junge Ausreißerinnen meuchelt. Im Zuge der Ermittlungen wird es dabei für das ungleiche Duo gefährlich.

Ein »Heidenspaß«

Sicher ist, dass sie weiterschreiben wird, denn das macht ihr einen »Heidenspaß«, wie sie am Sonntagabend verriet. Kann sie doch bei ihren Buchvorstellungen ihre schriftstellerischen Qualitäten mit ihrem Schauspieltalent auf das Köstlichste verbinden.

Bevor sie mit dem Schreiben begann, war sie eine gefragte Bühnenschauspielerin mit Engagements in Österreich, Schweiz und Deutschland. »Ich habe alle Rollen gespielt, die man als junge Schauspielerin so spielen kann«, erzählte sie. Irgendwann befreite sie sich aus dem Korsett der festen Engagements. »Als Freie gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man hat wahnsinnig viel zu tun oder gar nichts.« In den »Garnichts-Momenten« habe sie angefangen, Kurzgeschichten zu schreiben. »Allerdings endeten meine Geschichten immer mit einem Toten«, verriet sie. Da sei es nur naheliegend gewesen, dass sie sich dem Krimigenre widmete.

Mittlerweile lebt das Multitalent aus Graz in Köln und hat die Schauspielerei etwas zur Seite gelegt. »Irgendwann muss man sich entscheiden.« Heute ist sie nach eigenem Bekunden nur noch in kleinen Nebenrollen zu sehen. Sie nennt sie »Pippi-Rollen«. Diese sind so kurz, dass man sie verpassen würde, wenn man mal kurz auf Toilette gehen würde. Ihre Bühne sind die Buchvorstellungen, die sie zu ihren Mords-Theater-Lesungen gestaltet. Neben der eigentlichen Geschichte entführt sie ihr Publikum gerne mal in kleine, nicht ganz ernst gemeinte Exkurse.

Dieses Mal war es die Sensibilisierung zum Thema Psychopath. Man müsse schließlich gewappnet sein, wenn man einem begegnen würde, meinte sie verschmitzt. So stellte sie sechs verschiedene Männertypen dar, vom charmanten Liebling bis hin zum selbstverliebten Macho, um anschließend festzustellen, dass keiner der Typen es gewesen sei, denn diese Psychos seien die liebsten und fürsorglichsten Menschen der Welt, die man eben nicht auf den ersten Blick erkennen würde.

Sie schafft es, das Publikum in die Darstellung hineinzuziehen, um dann mit jenem tiefschwarzen Humor, der nur einer Österreicherin zu eigen ist, die Geschichte zu entfalten. Dabei kommt die Aufzählung vieler österreichischer Spezialitäten nicht zu kurz. Allein die Beschreibung eines opulenten Frühstücks in einem Fünf-Sterne-Hotel, inmitten der Alpen gelegen, dauerte runde fünf Minuten und ließ so manchem Zuhörer hungrig auf Kaiserschmarrn, Kipferl, Semmeln und sonstige Leckereien werden.

Für Liebhaber und Fans von etwas schrägen und skurrilen Krimis sind die Bücher von Archan das Richtige. Bienenfleißig hat sie mittlerweile etliche Kriminalromane verfasst, die allesamt von dieser ganz eigenen ironischen Schreibweise der Autorin leben. Ganz sicher ist: Sie wird es wieder tun, weitere Krimis verfassen und das Publikum mit ihren köstlichen Geschichten aus der Alpenregion erfreuen.

Isabella Archan: »Die Mördermitzi und der Sensenmann«, Verlag: emons, 336 Seiten, 13 Euro, ISBN 978-3-7408-1397-0

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