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»Es bringt jedem etwas«

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Hobbyfotografin Yvonne Witt hat die Porträtierten ins rechte Licht gesetzt. © Czernek

»Vielfalt im Ehrenamt«: Eine Ausstellung mit 18 Porträtierten ist im Alten Schloss zu sehen.

Gießen. Das Ehrenamt hat viele Gesichter. Im Alten Schloss sind es genau 18, die auf Plakaten und mit kurzen Interview-Sätzen im Netanya-Saal vorgestellt werden. Es sind Menschen unterschiedlichster Altersgruppen, Herkunft und Interessen, die ihre Freizeit auf die ein oder andere Weise in den Dienst der Gesellschaft stellen. »Wir wollen damit auf die vielfältigen Möglichkeiten hinweisen, die das Ehrenamt zu bieten hat«, sagt Yvonne Witt. Die Hobbyfotografin hat die Ausstellung mit dem Titel »engaGIert - Vielfalt im Ehrenamt« maßgeblich konzipiert, die das Freiwilligenzentrum für Stadt und Landkreis Gießen nun beim Oberhessischen Museum zeigt.

Witt ist selbst seit einigen Jahren ehrenamtlich beim Freiwilligenzentrum engagiert, über das sie auch den Kontakt zu den Porträtierten gefunden hat. Die engagieren sich etwa als Lesemediatoren, die in Schulen mit einzelnen Kindern in den Büchern stöbern. Oder sie packen mit an, wenn in der Tafel schwere Kisten mit Essen zu transportieren sind. Oder sie teilen ihre eigenen Erfahrungen, wenn sie eine körperliche Behinderung haben. Oder sie engagieren sich in der Tierpflege.

»Für mich ist das Ehrenamt keine Arbeit, sondern gelebte Solidarität«, erklärt etwa Mohamad, der Menschen mit Fluchterfahrung unterstützt. So wie er werden in der Ausstellung mehrere Migranten auf den Plakaten ins rechte Bild gerückt. Häufig haben sie Hilfe in ihrer neuen Heimat »bekommen und möchten nun etwas zurückgeben«, wie Yvonne Witt erzählt.

Andere ziehen selbst aus der Arbeit neuen Lebensmut. Für Nancy Ameli hat es das soziale Engagement nach einem Burnout »leichter gemacht, wieder am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben«, wie sie auf dem Plakat zitiert wird. »Ich bin wieder selbstbewusster, vernetzter, lebensfroher und aktiver geworden.«

Für Initiatorin Witt, die alle Porträtierten fotografiert und interviewt hat, geht es mit der Ausstellung darum, den vielen Ehrenamtlern ein Dankeschön auszusprechen. Denn sie fungierten als wichtige Stütze der Gesellschaft. »Ohne dieses Engagement würde es an mancher Stelle so nicht funktionieren«, ist die Organisatorin überzeugt. Zum anderen soll gezeigt werden, dass das Ehrenamt auch den Freiwilligen etwas zurückgibt: Anerkennung, Wertschätzung und das gute Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ausführliche Interviewversionen lassen sich im Netanya-Saal per Smartphone über einen QR-Code abrufen, und auch über die Homepage des Freiwilligenzentrums gibt es weitere Einblicke.

Dort können sich Interessenten auch individuell beraten lassen, welches Ehrenamt zu ihnen passen könnte. Dazu gibt es eine offene Sprechstunde, jeweils mittwochs und donnerstags, bei der jeder vorbeischauen kann. Witt rät aber zu einem Beratungstermin, bei dem im Gespräch genauer geklärt werden kann, in welche Richtung es gehen soll. Über die Homepage des Freiwilligenzentrums können zudem bei einer Börse die neuesten Angebote eingesehen werden. »Man kann sich aussuchen, was einem besonders am Herzen liegt.«

Die Ausstellung gibt es seit Juni vergangenen Jahres. Seitdem wandert sie von Ort zu Ort in Stadt und Landkreis. Der Fotografin ist es wichtig, so möglichst viele Menschen zu erreichen. Im Alten Schloss ist sie nun bis zum 15. Juli zu sehen, bevor sie an einen anderen Ort weiterzieht. Ab November lässt sie sich wieder reservieren.

Weitere Infos gibt es im Internet unter www.freiwilligenzentrum- giessen.de.

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