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Es geht auch ohne Brice

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Ein Karl-May-Film ohne Lex Barker oder Pierre Brice? Eigentlich nicht möglich, wie die Kino- und Fernseh-Geschichte nach der Premiere von »Der Schatz im Silbersee« zum Jahresausklang 1962 zeigt. Und doch, es ging. Der von Georg Marischka 1965 gedrehte »Das Vermächtnis des Inka« stellte es unter Beweis. Dass der Film nach dem gleichnamigen Band 39 der Gesammelten Werke Karl Mays kein (wirtschaftlicher) Erfolg wurde, hatte ganz andere (vor allem Vermarktungs-)Gründe als die personelle Besetzung und die filmische Umsetzung.

Der in Südamerika spielende Streifen kann sehr wohl im Reigen der 17 May-Verfilmungen der 1960er Jahre mithalten. Das beweist das im Karl-May-Verlag erschienene und von Erich Hammerler zusammengestellte Filmbildbuch. Auf den 200 Seiten mit vielen farbigen und schwarz-weißen Abbildungen wird deutlich, dass die beiden US-Schauspieler Guy Madison als Westmann Carl Hansen (alias Padre Jaguar) und William Rothlein als der letzte Inka-Prinz die Stars Barker und Brice vergessen machen können. Nicht nur für Michael Petzel, den profundesten Kenner dieses speziellen Teils der deutschen Filmgeschichte, stellen sie eine gute Wahl dar.

Rothleins Haukaropora strahle »Klugheit, Sanftmut und majestätische Würde« aus, scheut Petzel den Vergleich nicht mit dem geläufigen Winnetou-Darsteller, auch wenn der US-Boy später nicht mehr groß auf der Leinwand in Erscheinung trat.

Zudem hatte »Das Vermächtnis des Inka« eine Besonderheit zu bieten: Große Teile des Films wurden an Original-Schauplätzen gedreht, was sonst nur »Der Schut« mit dem Balkan vorweisen kann. Auch davon kündet das Filmbildbuch. Ein Manko: Die fehlenden Unterschriften zu den Aufnahmen, was gerade zu Beginn die Lektüre nicht einfach macht.

Aber davon abgesehen, lässt sich mit dem Buch wieder einmal bestens nostalgisch in die Filmwelt von Karl May abtauchen. Auch ohne Lex Barker und Pierre Brice.

Erich Hammerler: Karl May - Das Vermächtnis des Inka. 200 Seiten mit 174 Abbildungen. 29 Euro. Karl-May Verlag.

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