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»Es gibt nur eine Feuerwehr Gießen«

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Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher und Amtsleiterin Martina Klee ehren Matthias Grüner, Roland Hels (60 Jahre) und Philipp Greilich (v. l.). Foto: Jung © Jung

Weitgehend erfreuliche Bilanz und viele lobende Worte für die Brandschützer der Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt Gießen. Auch Ehrenzeichen wurden bei der Hauptversammlung verliehen.

Gießen. »Insgesamt sind weniger Einsätze gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen«, gab Stadtbrandinspektor (StBI) Jörg Bindhardt bei der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehren der Universitätsstadt Gießen im Bürgerhaus Kleinlinden bekannt. Auswirkungen durch Corona wären hier eine mögliche Erklärung, erläuterte er seine Statistik.

Die Feuerwehren rückten 2021 wegen 568 Alarmierungen aus, 2020 waren es 649. In Lützellinden sei ein beunruhigender Abwärtstrend innerhalb der letzten vier Jahre festzustellen, weshalb die Wehrführung mit Bindhardt ein Gespräch suchte und ein Konzept entwickelt wurde, das noch in Bearbeitung ist. Bindhardt dazu: »Dieses kann nicht ausschließlich Corona zugeschrieben werden.« Ein ähnlicher Trend sei auch in Allendorf festzustellen. Der Stadtbrandinspektor bot den Freiwilligen dazu Gespräche an. Die Gesamtzahl der Alarmierungen ist zwar zurückgegangen, dies könnten Folgen der Pandemie sein. Die Personalstärke stieg dagegen parallel an, 291 ehrenamtliche Einsatzkräfte hat die Gießener Feuerwehr. Die Fehlalarme haben in den letzten Jahren zugenommen, zeigt die Statistik des StBI, der dafür eine Erklärung hat: Durch das Wachsen der Stadt gebe es mehr Brandmeldeanlagen, die maßgeblich für Fehlalarme verantwortlich sind.

Fehlalarme

Für die Rödgener Kräfte blieben die Fahrten zur EAEH erhalten, insgesamt 72 Fehlalarme hielten die Floriansjünger auf Trab. »Wir sollten uns aber deswegen nicht demotivieren lassen«, rief der StBI den Blauröcken zu. Die Einsätze bei Gefahrgutunfällen stiegen von zwei auf fünf, »eine Steigerung von über 100 Prozent!«, rechnete Bindhardt vor.

»Ich freue mich, wenn ich in den Saal schaue« - mit diesen Worten hatte Bindhardt die Versammlung eröffnet. 90 ehrenamtliche Einsatzkräfte aus der Kernstadt und den Stadtteilen konnten sich endlich wieder treffen, Grußworte hören, Lob entgegennehmen und wurden über Einsatzzahlen und Neuigkeiten informiert. Gerne hätte Bindhardt weitere Gäste von Polizei, Rettungsdienst, THW und der Notfallseelsorge begrüßt. Doch bei den Planungen der Versammlung musste er ein Auge auf die Räumlichkeiten und die Corona-Regeln richten. Und deshalb blieben diese Kräfte fern.

Dr. Thomas Stumpf, Leitender Branddirektor beim Regierungspräsidium, machte deutlich: »Es gibt nur eine Feuerwehr Gießen.« Den Bau des Gefahrenabwehrzentrums bezeichnete er als richtige Entscheidung. »Bitte machen Sie gemeinsam weiter so«, forderte er die Anwesenden auf. Erstmals als Oberbürgermeister und Dezernent für Brand- und Bevölkerungsschutz trat Frank-Tilo Becher vor die Versammlung. Die Pflege der sozialen Kontakte sei während der Pandemie nicht möglich gewesen. Für die Freiwilligen Feuerwehren spielten das Gemeinschaftsgefühl, die Kontakte und die Pflege vom Vereinsleben eine große Rolle. Daher sei es ein großer Verlust gewesen. Becher sprach seine Anerkennung für Disziplin, den Einfallsreichtum im Übungsdienst sowie die ständige Einsatzbereitschaft aus. Er sei stolz »auf eine gut aufgestellte schlagkräftige Feuerwehr!«

Auch die Jugendarbeit ging im Rahmen der Möglichkeiten weiter, und erfreut blickte er auf die Steigerung bei den Mitgliederzahlen in den Mini- und Jugendfeuerwehren, lobte die sehr gute pädagogische und inhaltliche Qualität bei der Ausbildung des Nachwuchses. Der OB erkennt: »Eine gute Feuerwehr braucht eine gute Ausstattung.« Er geht davon aus, dass das Gefahrenabwehrzentrum in diesem Jahr bezogen werde. Durch den Überfall Russlands auf die Ukraine sei das Thema Bevölkerungsschutz spürbar in das Zentrum gerückt. Es werde in den kommenden Jahren weiter Aufmerksamkeit erfordern. Ohne die Gießener Feuerwehr seien die Anforderungen des Brand- und Bevölkerungsschutzes nicht zu bewältigen, betonte Bürgermeister Alexander Wright. In der Jugendarbeit würden auch Werte vermittelt, lobte er diese wichtige Aufgabe.

»Danke, dass ihr bei der Feuerwehr geblieben seid in diesen verrückten Zeiten«, betonte Kreisbrandinspektor Mario Binsch und sprach von schwierigen Zeiten auch bei der Aus- und Fortbildung. »Demnächst habe ich zwölf Meter Luftlinie zu Martina«, blickte Binsch in die Zukunft, wenn das Gefahrenabwehrzentrum (GAZ) in Betrieb ist und dort beide ihr Büro haben. Dann würde die gute Zusammenarbeit noch einfacher möglich sein, ist er sich sicher. Martina Klee, Leiterin des Amtes für Brand- und Bevölkerungsschutz, bedankte sich, dass die Feuerwehrkräfte in Gießen trotz der Pandemie die Einsatzbereitschaft in voller Stärke beibehalten konnten. Sie sprach von »einer grandiosen Disziplin«, viel Verständnis, Mitdenken und Mitmachen. Es ginge nicht darum, eine schöne moderne Feuerwache zu haben, sagte sie zum GAZ. Damit einher gingen aber auch neue Herausforderungen, denen man sich stellen müsse.

Mehr Minis

Der Kleinlindener Ortsvorsteher Dr. Klaus Dieter Greilich überbrachte ein Grußwort. Über die Arbeit der Mini- und Jugendfeuerwehren berichtete Stadtjugendfeuerwehrwart Benjamin Binz, der erfreuliche Zahlen vorlegte. Bei den Minifeuerwehren und den Jugendfeuerwehren gehe es bei den Mitgliederzahlen bergauf. Die Eintritte seien erstaunlich hoch für ein Corona- Jahr: 35 gab es bei den Minifeuerwehren, zehn bei der Jugend. Sieben Übertritte gab es in den aktiven Dienst, »eine wichtige Zahl«.

Gold am Band

Mit dem Brandschutzehrenzeichen der Stadt Gießen für 10-jährigen Einsatzdienst wurden Laura Grasmäher, Feuerwehr Kleinlinden, Sebastian Gerlach-Spieß, Feuerwehr Gießen-Mitte und Jasmin Kreußel, Feuerwehr Allendorf ausgezeichnet. 30 Jahre ist Thomas Katzer, Feuerwehr Gießen-Mitte, aktiv.

Das Brandschutzehrenzeichen am Bande für 25 Jahre Dienst erhielten Sebastian Gerlach-Spieß und Philipp Greilich, Feuerwehr Kleinlinden. Matthias Grüner, Feuerwehr Gießen-Mitte, trägt jetzt die goldene Ehrennadel.

Viel Applaus erhielt Roland Hels, der mit dem Abzeichen in Gold am Bande des Bezirksfeuerwehrverbands Hessen-Darmstadt für seinen Einsatz ausgezeichnet wurde.

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Thomas Katzer, Sebastian Gerlach-Spieß, Jasmin Kreußel und Laura Gräsmäher (v. l.) erhalten das Brandschutzehrenzeichen. Foto: Jung © Jung

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