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»Es ist lauter in den Schulen«

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Vor allem Schüler leiden nach wie vor unter der Pandemie, auch wenn zuletzt Normalität zurückgekehrt ist. Foto: dpa © dpa

Schüler haben besonders unter den Corona-Einschränkungen gelitten. Deshalb bringt die Stadt Schulprojekte an den Start.

Gießen. Dass die letzten beiden Pandemiejahre vor allem für Schüler eine besondere Belastung gewesen sind, liegt auf der Hand. Isolation, Unterricht am Computer, Ausfälle: Neben der unmittelbaren Bedrohung durch das Virus haben die teils starken Einschränkungen des Schulalltags Spuren hinterlassen. »Wir haben Kinder, die sich nicht mehr an Regeln halten und zum Beispiel nicht mehr gewohnt sind, pünktlich aufzustehen. Es gibt Kinder, die keinen Tag-Nacht-Rhythmus und damit keine Tagesstruktur mehr haben. Oder es gibt Kinder, die sich nicht mehr trauen, zu sprechen«, berichtet Stadträtin Astrid Eibelshäuser. »Es ist lauter geworden in den Schulen. Im sozialen Miteinander ist die Hemmschwelle bei vielen zurückgegangen. Das hören wir von vielen Schulen«, ergänzt Ralf Volgmann von »Gießen@Schule«. Um gegenzusteuern, hat die Stadt an den Grundschulen eine Reihe von sozialen Projekten auf den Weg gebracht. Finanziert werden sie mit 101 000 Euro aus dem Bundesprogramm »Aufholen nach Corona«.

»Gemeinsames Lernen ist zentral«

»Das waren zwei Jahre, in denen vieles nicht möglich war. Das ist fast vergessen in einem Kalenderjahr, in dem die Normalität weitgehend an die Schulen zurückgekehrt ist«, erinnert die Stadträtin. Konsens sei aber, dass die beiden Pandemiejahre viele Kinder ihrer Chancen beraubt hätten. Exemplarisch verweist Eibelshäuser auf Schüler, die Deutsch als Fremdsprache erlernten. »Dafür ist das gemeinsame Lernen zentral. Es gibt Schüler, die in ihren Familien lange kein Deutsch gesprochen haben«, weiß die Schuldezernentin. Lange Nachholzeiten seien nötig, um Wissenslücken zu schließen, was jedoch in der Hand der Schulen selbst liege. Finanzielle Mittel dafür stelle etwa das Landesprogramm »Löwenstark« bereit.

Neben Orten der Wissensvermittlung seien Schulen vor allem Gemeinschaften und Sozialisationsinstanzen, die notwendige soziale Kompetenzen vermittelten. Durch die Einschränkungen der vergangenen zwei Jahre seien einige davon jedoch teils verschüttet. »Bei ganz normalen Interaktionen fehlen manchen Schülern die notwendigen Fähigkeiten, um beispielsweise miteinander in Kontakt zu kommen«, ergänzt Sabine Jörren vom Schulverwaltungsamt. Nun gehe es darum, diesen Kindern und Jugendlichen Selbstkompetenz und Selbstwirksamkeit zu vermitteln. »Wir können nicht genau in Zahlen fassen, wie viele von diesen Problemen betroffen sind«, fügt Uta Hinkelbein hinzu. Die Leiterin des Schulverwaltungsamtes macht darauf aufmerksam, dass sich viele Schüler nach wie vor wegen Corona Sorgen beispielsweise um ihre Großeltern machten. »Und wir haben aktuell wieder hohe Infektionszahlen«, erinnert Eibelshäuser. Deshalb seien Kinder und Jugendliche immer noch mit den Risiken für sich selbst und andere konfrontiert. Die Stadt reagiert mit einer Reihe von Maßnahmen, wobei der Schwerpunkt derzeit bei den Grundschulen liegt.

Nach den Sommerferien

Eibelshäuser: »Zu Beginn des Jahres haben wir alle Grundschulen angeschrieben. Sie haben uns sehr differenzierte Angebote vorgelegt.« Neben der Ausweitung der Schulsozialarbeit würden diese Projekte mit unterschiedlichen Kooperationspartnern umgesetzt. Die Bandbreite der Angebote, die aktuell an neun Schulen stattfänden, erstrecke sich von Unterrichtseinheiten über Pausenangebote bis zu Projekt- und Ferienwochen, verdeutlicht Hannah Dübbelde von »Gießen@Schule«. Dazu zählten unter anderem umweltpädagogische AGs an der Pestalozzischule, eine Theaterprojektwoche an der Georg-Büchner-Schule, ein Trommelkurs an der Korczakschule oder eine Einheit zum Medienkonsum an der Grundschule Gießen-West. Projekte für die Zeit nach den Sommerferien würden vorbereitet. Der Schwerpunkt solle in den Herbstferien liegen.

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