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Etwas andere Weihnachtsgeschichte

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Von: Heinz-Gerhard Schütte

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Die Theatergruppe bei der Aufführung in der Grünberger Hospitalkirche. Foto: Schütte © Schütte

Die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Cora Dietl brachte Hanns Wagners »Solothurner Dreikönigsspiel« auf die Bühne.

Grünberg (hgt). In diesem Jahr brachte die Theatergruppe des Instituts für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen unter der Leitung von Prof. Cora Dietl mit dem »Solothurner Dreikönigsspiel« von Hanns Wagners, passend zur Adventszeit, in einer Erstaufführung in der Grünberger Hospitalkirche auf die Bühne. Dem Gießener und Grünberger Theaterpublikum ist diese Theatergruppe von den Sommeraufführungen bereits vertraut und konnte auch dieses Mal einen nachhaltigen Eindruck beim Publikum hinterlassen.

Das »Solothurner Dreikönigsspiel« führt sein Publikum in die Zeit der Geburtsstunde Jesu zurück, erzählt dort jedoch nicht die Weihnachtsgeschichte und Maria und Josef kommen darin auch nicht vor. Viel mehr eröffnet das Bühnenwerk einen Einblick hinter die Kulissen des klassischen Stoffs und zeigt, was sonst nie gezeigt wird.

Denn was passiert eigentlich, nachdem die Heiligen Drei Könige am Königshof in Jerusalem eintreffen? Wie reagiert man dort, wo man nichts von der Geburt des Heilands weiß? Beginnend im Orient bei den Heiligen Drei Königen, die sich nach der Entdeckung des Sterns von Bethlehem sofort auf den Weg ins Heilige Land machen, bis hin zu den Ereignissen am Königshof in Jerusalem, beantwortet das Spiel genau diese Fragen. König Herodes, durch seine in der Bibel beschriebenen Gräueltaten nur allzu berüchtigt, ist von der Geburt des Heilands nicht im Mindesten begeistert und übernimmt die Hauptrolle im Stück. Um nur eine Darstellerin aus dem homogen spielenden Ensemble hervorzuheben, verkörperte Swantje Luhn diese Figur eindrucksvoll mit all ihrem Hass und Angst vor Machtverlust.

Schon bald beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem alle Beteiligten versuchen, durch Täuschung und List ihre ganz eigenen Ziele zu verwirklichen, die verschiedener nicht sein könnten.

Wie in seinen späteren Stücken schafft es Hanns Wagners auch in dem bereits 1561 entstandenen Werk, ganz eigene Zwischentöne in die Handlung einfließen zu lassen. So verweist der Autor auf den aktuellen Glaubenskonflikt seiner Zeit, der zwischen den Katholiken und Protestanten ausgetragen wurde, ohne dabei zu verheimlichen, auf welcher Seite er sich selbst sieht. Damit entsteht nicht nur ein mehrdimensionales Werk, welches eben auch ohne Maria und Josef zurechtkommt, sondern auch ein Subtext, der zum Nachdenken anregt und uns ebenso im 21. Jahrhundert den einen oder anderen Denkanstoß geben kann.

Es agierten Cora Dietl (Arphaxat, Othoniel), Michael Eberle (Lalus, Bennaias), Melissa Heerz (Achisemech), Karina Fischer (Prolog, Epilog), Swantje Luhn (Herodes), Hannah Lutsch (Pharnabatz, Zacharias), Theresa Matthes (Jonabath), Timo Miosga (Balthasar), Simon Thomas Taraz Schmidt (Caspar, Pontifex), Tim-Christopher Sinkel (Melchior, Adonizebech) und Anna Zuth (Elimas, Rabinus).

Am 12. Dezember begrüßt das Literarische Zentrum Gießen um 18 Uhr das Ensemble zu einer weiteren Vorstellung in der Gießener Pankratiuskapelle. Am 14. Januar wird das Stück in der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg aufgeführt. Das Projekt wird gefördert durch das Museum im Spital Grünberg, den Freundeskreis Museum Grünberg, das Hessische Landestheater Marburg, die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau, das Literarische Zentrum Gießen (LZG) und die Universitäten Bamberg und Gießen.

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