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»Experten in eigener Sache«

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Guter Überblick: Florian Czieschinski, Leiter der Kontaktstelle, präsentiert den neuen Wegweiser. Foto: Jahn © Jahn

Von Sucht bis Trauer: Welche Selbsthilfegruppen gibt es in Stadt und Kreis Gießen? - ein neu aufgelegter Wegweiser der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen klärt auf.

Gießen. Selbsthilfe bedeutet, ein gemeinsames Problem mit vereinten Kräften zu überwinden. Die Teilnahme an Selbsthilfegruppen kann Betroffenen bei unterschiedlichsten Problemen oder in Extremsituationen helfen, wie zahlreiche Studien zeigen. Welche Selbsthilfegruppen in Stadt und Landkreis Gießen aktiv sind, zeigt einmal mehr die aktuelle Neuauflage des Selbsthilfegruppen-Wegweisers der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Gießen.

Die Arbeit in einer Selbsthilfegruppe findet aus den Betroffenen heraus ohne professionelle Leitung statt und ersetzt keine Therapie oder sonstige Behandlung. Sie macht aber die Betroffenen zu »Experten in eigener Sache«, wie der Leiter der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen, Florian Czieschinski, erläutert. Es sei eine aktive Mitarbeit erforderlich, die dann aber gemäß dem Motto der Anonymen Alkoholiker »Du allein kannst es, aber du kannst es nicht allein« zu Erfolgen führt.

Im Vergleich zur Vorauflage von vor zwei Jahren ist die Zahl der vertretenen Selbsthilfegruppen mit rund 100 konstant geblieben, angesichts der Corona-Pandemie keine Selbstverständlichkeit. Schließlich waren Gruppentreffen lange Zeit nicht möglich. Ein Gruppensterben ist aber ausgeblieben. Viele Gruppen hätten sich mit Einfallsreichtum erhalten, wie Florian Czieschinski erläutert. Und so hat auch die Digitalisierung vermehrt Einzug gehalten in den Selbsthilfealltag, wenngleich natürlich die persönliche Nähe fehlt. Doch auch neue Probleme wurden durch die Pandemie geschaffen: Czieschinski beobachtet eine Zunahme psychischer Probleme. Zudem laufen aktuell zwei Neugründungen von Selbsthilfegruppen für Betroffene von Post-Covid/Long-Covid sowie zum Thema Trennung.

Der Wegweiser enthält neben allgemeinen Informationen zu den Selbsthilfegruppen vor allem Darstellungen der rund 100 beteiligten Gruppen aus dem Gießener Raum. Verfasst wurden diese oft mit Darstellung der jeweiligen Situation von den Gruppen selbst. Ein im Vergleich zur Vorauflage neu eingefügtes farbliches Register macht die Unterscheidungen in vier Kategorien deutlich: Psychosoziale Selbsthilfegruppen, Selbsthilfegruppen für Angehörige, suchtbezogene Selbsthilfegruppen sowie Selbsthilfegruppen für Menschen mit chronischen Erkrankungen und Behinderungen. Die Vielfalt in der Gießener Selbsthilfe-Landschaft ist dabei noch größer als der Wegweiser zeigt: Manche Gruppen wollen verständlicherweise aufgrund sensibler Bereiche keinen öffentlichen Auftritt, stehen aber Betroffenen gleichwohl offen. Gedacht ist der Wegweiser für professionelle Helfer des medizinischen und psychosozialen Versorgungssystems wie Hausärzte oder Beratungsstellen, dort soll der Kontakt für Betroffene vermittelt werden.

Die Unterstützung der wichtigen Arbeit von Selbsthilfegruppen hat eine lange Tradition in Gießen. Seit dem Beginn eines Forschungsprojektes 1977 ist Selbsthilfe in Gießen ein wichtiges Thema, nicht umsonst wird die Stadt als »Wiege der Selbsthilfe« bezeichnet. Die Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen fungiert dabei als »Drehscheibe« zwischen den auf Eigeninitiative beruhenden Selbsthilfegruppen und dem professionellen Versorgungssystem. Funktion der Kontaktstelle sind so unter anderem die Bereitstellungen von Informationen sowie Zugang zum Selbsthilfesystem. Wer als Betroffener einer Erkrankung oder Angehöriger also in einer Selbsthilfegruppe mitwirken möchte, kann sich für Informationen und Beratung an die Kontaktstelle wenden.

Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Gießen, Telefon: 0641/98545612; Internet: https://selbsthilfekontaktstelle-giessen.de.

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