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Exzellenter Gesang mit viel Gefühl

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Benjamin Gail und seine Band können beim CD-Release-Konzert im Kino Traumstern in Lich vollends überzeugen. Ein echter Erfolg.

Lich . Das CD-Release-Konzert von Benjamin Gail im voll besetzten Kino Traumstern erwies sich als echter Erfolg. Der Licher Musiker und Chorleiter spielte ein Programm von gospelgeprägter Bluesmusik. Gemeinsam mit seiner herausragenden Band überzeugte Gail mit exzellentem Gesang und kraftvollem Gefühl.

Benjamin Gail, 40, ist in der Region gut bekannt. In den vergangenen Jahren leitete er in Lich drei große Gospelprojekte. Er präsentiert die Songs seiner neuen CD »Leave a legacy«, später legt er noch ein paar Covers drauf. Das erste, das dem Zuhörer auffällt, ist Gails makelloser Tenor, mit dem er anfangs noch verhalten die Lieder singt, die Arne Kopfermann und er zumeist gemeinsam komponierten und texteten. Und sogleich macht er klar, dass es sich um christliche Inhalte drehen wird. Eigentlich klar, wenn der Opener »God of amazing grace« heißt. Der lässt musikalisch noch nicht viel über den Abend erahnen, ein sanfter, bluesiger Titel.

Mit Benjamin Gail (Gesang und Gitarre), Eckhard Jung (Schlagzeug), Matthias Gräb (Bass), Christopher Heinzel (Mandoline), Sebastian Büttner (Gitarre) und Dirk Menger (Keyboards) steht eine professionelle Band auf der Bühne, die sich komplett der Unterstützung des Sängers widmet. Samtweich umfließt die Musik den Gesang, höchste Zurückhaltung und Konstruktivität kennzeichnen die Spielweise sämtlicher Musiker.

Gleich zu Beginn fällt zudem auf, dass der Sound an diesem Abend höchsten Ansprüchen genügt (Ton von Jan Staudt und Gerson Engel): bei angenehmer Lautstärke, hochdifferenziert und transparent, kann man jedes Instrument mühelos heraushören. Und es mangelt nicht an Prägnanz - ein seltener Genuss.

Auch der zweite Titel ist einfach rund, sauber und melodisch, es ist ein bisschen wie Easy Listening. Beim nächsten Titel (»In the middle«) schlägt Gail dem Publikum vor, mitzusingen. Das klappt überraschend gut, später klatschen die Zuhörer sogar auf die Zwei mit - es scheinen zahlreiche Chormitglieder da zu sein, prima für die Stimmung.

Zwischendurch, Gail ist in Erzähllaune, spricht er über seine Erfahrungen beim Komponieren und im Studio und vor allem seinen gelebten Glauben. Das wirkt ungemein entspannt, ihm fehlt jene drängende Intensivität, die beim Zuhörer zum innerlichen Abwenden führt. Unterdessen genießt man Gails prachtvollen, klaren und schönen Tenor und die mühelose Eleganz, mit der er singt, technisch untadelig und nicht zuletzt emotional intensiv. Außerdem schreibt er professionelle englische Texte und kennt sich in den sprachlichen Wendungen von Pop- und Blues bestens aus, was deutschen Künstlern selten gelingt.

Ein stimmungsvolles Glanzlicht ist »The ship and the kingdom«, eine schöne Ballade, die er live leider ohne Chor singt, auf dem schön klingenden Album kommt das überzeugender - top klingt es dennoch. Überhaupt gibt es nichts, was an Gails Gesang und der Band auszusetzen ist, alles ist auch perfekt kommerziell ausgewogen. Er lässt diese Perfektion durch sein authentisches Gefühl überzeugend wirken. Alle Titel klingen übrigens sanft und vollständig aus, was stets in einem gefühlvollen Moment der Stille endet, wie es sich gehört.

Richtig aus sich heraus geht er in »Take me to the king«, einem Cover. Wie vom Eise befreit, übertrifft er sich gesanglich nochmal deutlich und lässt ein Gefühl in den Saal strömen, das man förmlich greifen kann. Noch stärker wird er in »Lean on me«, das er mit exakt dem richtigen Gospelgefühl realisiert, Gail kommt auch äußerlich in Bewegung, die Musik reißt ihn mit - und jetzt schwingen alle.

Überhaupt besitzt er das echte Gospelfeeling, dabei kann er es mit jedem schwarzen Musiker aufnehmen. Benjamin Gail erinnert an ganz große Namen. Wenn er einen etwas rhythmischeren, flotteren Titel spielt, kommt gleich deutlich mehr Energie ins Spiel und beim Zuhörer an. Gelegentlich ist er auch der seelenvolle Shouter, der eine Gemeinde zur Ekstase treiben kann. Insgesamt wirkt die erste Hälfte bei aller Qualität etwas betulich, die zweite deutlich lebendiger und nicht selten mitreißend. Als Zugabe kommt eine satt ausgespielte Fassung von »God of amazing grace«, sozusagen ohne Handbremse. Er kassiert für diesen erfreulichen Abend einen Riesenbeifall.

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