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Fahrrad hat in Neuen Bäue Vorrang

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Von: Ingo Berghöfer

Autofahrer werden in Gießen langsam aber sicher aus der Innenstadt gedrängt. Zwischen dem Berliner Platz und dem Kirchenplatz dürfen künftig nur noch Anwohner und Lastenräder parken.

Gießen. Langsam, aber sicher wird das Automobil nach über hundert Jahren aus der Gießener Innenstadt verdrängt. Am Mittwoch präsentierten Bürgermeister Alexander Wright und die Radverkehrsbeauftragte Katja Bürckstümmer vor Ort das neue Verkehrsschild, das ab Mitte Oktober die Neuen Bäue als Fahrradzone ausweisen wird.

Eigentlich hatte der nach einem Bürgerantrag erfolgte Stadtverordnetenbeschluss, der damit umgesetzt wird, eine Fahrradstraße vorgesehen. Während Letztere in Deutschland allein den Drahteseln vorbehalten ist, dürfen Autos in eine Fahrradzone noch hineinfahren, Vorrang hat aber auch hier das Fahrrad.

Das bedeutet zum Beispiel, dass zwei Fahrräder in einer Fahrradzone nebeneinander fahren dürfen, auch wenn dies die Fahrbahn blockiert. Ein Auto muss dann auf jeden Fall hinter den Radlern bleiben, erklärte Bürgermeister Alexander Wright und wies noch auf eine weitere Besonderheit der neuen Zone hin.

Grundsätzlich gilt in Fahrradzonen zwar: Rechts vor Links. Ein Fahrrad muss also einem von rechts kommenden Fahrzeug die Vorfahrt gewähren; für die Neuen Bäue ist dieser Fall aber nicht gegeben, da alle Nachbarstraßen mithilfe durchgehender Bordsteine von der Neuen Bäue abgegrenzt werden und damit wie eine Grundstücksausfahrt anzusehen sind. Wer also aus der Weidengasse oder aus der Diezstraße kommt, muss immer warten, bis die Straße frei ist.

Kanzleiberg wird zur Sackgasse

Die eigentlich beschlossene Fahrradstraße habe man letztlich nicht realisieren können, weil Lieferanten, aber auch Wochenmarktbeschicker auf motorisierte Fahrzeuge angewiesen seien, sagte Wright.

Allerdings dürfte der jetzt noch sehr starke Autoverkehr in der Neuen Bäue wohl deutlich abnehmen, denn der Hauptgrund für viele Autofahrer, sich in die engen Gassen der Altstadt zu wagen - die Suche nach dem letzten freien Parkplatz in der Innenstadt - entfällt in Zukunft. In der Fahrradzone wird es nämlich keine frei nutzbaren Parkplätze mehr geben.

Des einen Leid ist des anderen Freud: Ein großer Teil der jetzt noch mit Parkautomaten bewirtschafteten Stellplätze wird dann in Anwohnerparkplätze umgewandelt. Taxistände und Ladezonen werden verlegt, und in der Schulstraße wird ein neues Halteverbot ausgewiesen.

Die Fahrradzone wird in der Neuen Bäue kurz vor dem Zebrastreifen zwischen McDonalds und dem »Basilico« beginnen und sich durch die Schulstraße bis zum Marktplatz erstrecken. Dazu kommen noch der Kanzleiberg und das verbindende Stück der Sonnenstraße zur Neuen Bäue.

Für viele Gießener sicherlich ungewohnt: Der Kanzleiberg wird damit ebenso zur Sackgasse wie die Neuen Bäue, weil auch die Durchfahrt zum Marktplatz blockiert werden wird. Der Durchschlupf auf den Brandplatz wird künftig durch Schranken versperrt, die nur Zugangsberechtigte wie die Marktbeschicker öffnen können.

Parkplätze für Lastenfahrräder

Umweltbewusste Konsumenten dürfen sich dafür über neu ausgewiesene Parkplätze für Lastenfahrräder vor dem »Klatschmohn«-Naturkostladen freuen. Über all diese Änderungen wird die Stadt auf verschiedenen Wegen informieren. Am 12. Oktober findet um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im Hermann-Levi-Saal des Rathauses statt. Anwohner werden gesondert angeschrieben. Und in den Geschäften der betroffenen Straßen werden Postkarten ausliegen, die die Kundschaft kompakt über die neuen Regeln informieren.

Im nächsten Jahr soll dann die Walltorstraße als weitere Fahrradzone im Rahmen des Verkehrsversuchs ausgewiesen werden. Auch hier soll dann der Zugang zum Kirchenplatz »abgepollert« werden, dafür werde ein Zugang zum Brandplatz geöffnet, kündigte Alexander Wright an.

Auch der kleine Lindenplatz, auf dem sich jetzt noch geparkte Autos drängen, soll alsbald als urbaner Lebensraum erschlossen werden. Dort soll es künftig nur noch zwei Stellplätze für Behinderte geben.

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