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Fahrradhelm statt Autoschlüssel

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Freuen sich auf das »Stadtradeln«: Katja Bürckstümmer, Carsten Trittin (Abteilungsleiter Ordnungspolizei), Alexander Wright, Alice Henke-Saipt und Gerda Weigel-Greilich (v. l.). © Pfeiffer

Am 14. Mai startet das achte »Stadtradeln« in Gießen. Diesmal steht vor allem die Sicherheit im Fokus.

Gießen . »Die Frisur zählt nicht«, sagt Dr. Alice Henke-Saipt und zurrt ihren Fahrradhelm fest. Sicherheit hat Priorität. Die 65-Jährige ist eine von drei »Stadtradeln-Stars«, die in diesem Jahr die Menschen in und um Gießen dazu motivieren wollen, öfter mal in die Pedale statt auf das Gaspedal zu treten. Henke-Saipt hat aber auch noch ein anderes Anliegen: »Ich möchte Werbung für den Fahrradhelm machen.« Dass der Kopfschutz Leben retten kann, hat die Radfahrerin selbst erlebt. Nach einem Unfall sei sie mit dem Kopf auf den Asphalt geknallt. »Das wäre böse ausgegangen, hätte ich keinen Helm getragen.« Dass bei dem Thema durchaus noch Überzeugungsarbeit zu leisten ist, hat auch Stadträtin und »Stadtradeln«-Schirmherrin Gerda Weigel-Greilich festgestellt: »Sehr viele sind ohne unterwegs.«

Alltagsfahrten stärken

Zum achten Mal ist Gießen beim »Stadtradeln« dabei, es beginnt am 14. Mai. Drei Wochen lang gilt es dann, möglichst viele Rad-Kilometer zu sammeln - zumindest, wenn man am Ende bei der Wertung weit oben stehen will. Neu ist laut Koordinatorin Katja Bürckstümmer, dass das Netzwerk Klima-Bündnis, das die Radkampagne initiiert hat, diesmal nicht nur Kilometer, sondern auch Fahrten zählt. »Damit sollen die Alltagsfahrten gestärkt werden«, verdeutlicht die Koordinatorin. Dabei sei es »egal, ob jemand fünf oder 20 Kilometer zur Arbeit fährt«. Schließlich seien die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege kürzer als fünf Kilometer, ergänzt Bürgermeister Alexander Wright.

Erstmals ist zudem ein Sonderpreis für Grundschulen vorgesehen, nachdem die Weiße Schule in Wieseck im vergangenen Jahr besonders viele Kilometer erstrampelte. Freuen darf sich der sportlichste Nachwuchs unter anderem über ein Einrad mit Schutzausrüstung.

Bis zum gestrigen Donnerstag hatten sich 930 Teilnehmer für das »Stadtradeln« registriert. 96 Teams haben sich angemeldet. Mitmachen kann jeder, der in Gießen wohnt, arbeitet, eine Hochschule besucht oder Mitglied in einem Verein ist. Im vergangenen Jahr haben 3132 Aktive zusammen fast 610 000 Kilometer gesammelt.

Offizieller Auftakt ist der »FahrRad!-Tag« am Sonntag, 15 Mai, ab 10 Uhr. Auf dem Brand- und dem Lindenplatz sowie in der Marktlaubenstraße wird es dann verschiedene Aktionen wie eine mobile Fahrradwaschanlage, eine Fundradversteigerung sowie Verkehrssicherheits- und Präventionsangebote der Gießener Polizei geben.

Die Ordnungspolizei plant zudem für den 20. Mai einen Aktionstag für sicheres Radfahren in der Stadt. »Nur wer sich sicher fühlt geht auch oft auf das Rad«, betont Bürgermeister Wright. An bekannten Gefahrenpunkten wolle man etwa das Parken auf Radwegen, das Überholen von Radlern oder das Überfahren von Radwegen kontrollieren.

Ab sofort läuft auf giessen-direkt.de zudem eine Onlinebefragung rund um die Sicherheit beim Fahrradfahren in der Stadt. Radelnde sind eingeladen, auf der Beteiligungsplattform die Orte zu nennen, wo sie etwa durch zu knappes Überholen oder auf dem Radweg parkende Autos behindert oder gefährdet werden. Die Befragung läuft bis Anfang Juni.

Wie es ihnen während der drei Wochen ergeht, berichten die »Stadtradel-Stars« - neben Alice Henke-Saipt sind auch Beate und Frank Ihle dabei - online auf stadtradeln. de. Bewerbungen habe es übrigens noch mehr gegeben, auch innerhalb der Stadtverwaltung, sagt Koordinatorin Bürckstümmer. Da aber auch für Dienstfahrten das Auto tabu ist, habe manch einer seine Bewerbung wieder zurückziehen müssen.

Denn während jeder »Stadtradler« selbst entscheidet, ob und wann er Fahrrad oder Auto nutzt, dürfen die »Stars« nicht einmal als Beifahrer im Pkw sitzen. Erlaubt sind allerdings öffentliche Verkehrsmittel sowie der Fußmarsch.

Henke-Saipt, die in der IT-Abteilung der Stadtverwaltung arbeitet, hat bereits Erfahrung mit dem dreiwöchigen Verzicht, denn bereits 2020 war sie »Stadtradel-Star«. Gerade im Sommer falle ihr der Verzicht auf das Auto leicht: Zur Arbeit fahre sie ohnehin mit dem Rad, auch kleinere Einkäufe erledige sie so. »Im Winter wäre das etwas anderes, bei Schnee und Eis fahre ich nicht.« Für das diesjährige »Stadtradeln« hat sie sich ein besonderes Ziel gesetzt: Eine mehrtägige Radtour auf dem Main-Radweg bis nach Lichtenfels in Bayern. »So etwas habe ich zum letzten Mal gemacht als ich 19 war.«

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