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Fahrradschule nicht nur für Schüler

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Polizeioberkommissar Dirk Steinmüller, Leiter der Jugendverkehrsschule, begutachtet eines der 30 Fahrräder für die Schüler. © Schäfer

Gießen. Vor einem Jahr wurde die Jugendverkehrsschule in der Krofdorfer Straße in der Nähe des ASV-Sportplatzes eröffnet. Seitdem bringt Polizeioberkommissar Dirk Steinmüller als Leiter des Verkehrsübungsplatzes den Schülern des vierten Grundschuljahres auf dem Gelände bei, sich sicher im Straßenverkehr zu verhalten. Die Schüler sind alle älter als acht Jahre und dürfen deshalb nicht mehr auf dem Bürgersteig Fahrrad fahren, sondern müssen am normalen Straßenverkehr teilnehmen.

50 Schulklasen

50 Schulklassen sind es, die insgesamt zehn Stunden lang die Verkehrsregeln lernen und sich entsprechend diesen auf den Übungsstraßen verhalten. 30 Fahrräder stehen zu Übungszwecken zur Verfügung. Auf die Frage, ob denn alle Schüler bereits Fahrradfahren können, antwortete Steinmüller: »Fast in jeder Klasse gibt es ein oder zwei Schüler, die noch nie auf einem Fahrrad gesessen haben.« Auffallend sei, dass dies meist abhängig vom Standort der Grundschule und damit dem kulturellen Hintergrund des Schülers sei. »In manchen Kulturen fahren die nicht Rad. Doch auch diese Kinder lernen es hier schnell.«

Das richtige Verhalten mit dem Fahrrad im Straßenverkehr wird den Schülern vormittags zu den üblichen Schulstunden beigebracht. Nachmittags ist der Platz verwaist.

Und diese Stunden betrifft ein Antrag, der in der Sitzung der Agenda-21-Gruppe »Nachhaltige Mobilität« im Konsens verabschiedet wurde. »Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen: Der Verkehrsübungsplatz in der Weststadt mit der offiziellen Bezeichnung »Jugendverkehrsschule« wird zeitweise für die Öffentlichkeit zugängig gemacht. Dies kann zum Beispiel zunächst an zwei oder drei Tagen pro Woche jeweils etwa vier bis sechs Stunden unter behördlicher Aufsicht oder eingewiesener und geschulter ehrenamtlicher Helfer geschehen.« Begründet wird der Antrag mit der Feststellung, dass Radfahren einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs darstelle. Dafür müssten besonders Kinder und Jugendliche Gelegenheit erhalten, Radfahren zu erlernen, zu üben und Erfahrungen für das Fahren im Straßenverkehr zu sammeln. »Da manche Eltern selbst wenig Radfahrerfahrung haben, zögern sie auch, ihre Kinder selbstständig in die Schule fahren zu lassen.« Gemeinsames Üben mit Anleitung durch geschulte Hilfskräfte könne ihnen bei dieser Entscheidung helfen. »Nach und nach werden zwar immer mehr Radwege angelegt, die den neuesten Sicherheitsvorgaben entsprechen, aber es gibt immer noch viele alte Radspuren und die sogenannten »Geschützten Radfahrstreifen«, die schmal sind und bei denen der vorgegebene Abstand von 1,5 Meter nicht eingehalten werden kann.« Der Ausbau dieser müsse beschleunigt werden.

Akzeptanz erhöhen

Kinder bis zum Alter von acht Jahren sind verpflichtet, mit ihrem Rad auf dem Bürgersteig zu fahren. Eltern dürfen sie dabei begleiten. Auch das müsse geübt werden, um Ärger und Kollisionen zu vermeiden. »Die zeitweise Freigabe des vom Land geförderten Übungsplatzes kann die Akzeptanz des Fahrrades als schnelles und sportliches Fahrzeug erhöhen und besonders auch die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr verbessern.« Dem Antrag muss nun im Agendarat zugestimmt werden, um zur Entscheidung an das Stadtparlament zu gelangen.

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