1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Fahrräder im Flussbett

Erstellt:

Von: Rüdiger Schäfer

giloka_1909_lahnaktionIM_4c
Mitglieder von Anglerverein, Ski- und Kanuclub sowie Grün-Weiß-Taucher säubern die Lahn unter dem Rübsamen-Steg und fördern jede Menge Unrat zutage. Foto: Schäfer © Schäfer

Für Natur und Bürger: Bei der Säuberungsaktion entlang und in der Lahn auf Höhe Rübsamen-Steg fischten Mitglieder von drei Gießener Vereinen jede Menge Unrat aus dem Fluss.

Gießen. Zustimmendes Nicken von rund drei Dutzend Umherstehender für diese Aussage: »Ich würde hier höchstens eine Arschbombe machen - keinesfalls einen Köpper.« Gemeint war der Sprung in die Lahn von der Mitte des Christoph-Rübsamen-Stegs aus. 35 Frauen und Männer hatten bei einer gemeinsamen Säuberungsaktion ihrer drei Vereine auf die eine oder andere Weise am frühen Samstagvormittag zwei Stunden lang mitgeholfen.

In Angriff genommen wurde der Lahnabschnitt unter dieser Brücke. Nach zwei Jahren Pause wollte der Ski- und Kanu-Club (SKC) dieses Jahr erneut eine Lahnreinigungsaktion zusammen mit dem Anglerklub Gießen und den Tauchern von Grün-Weiß starten. »Es ist eine Aktion für Lahn, Natur, Umweltschutz und alle Bürger«, so die drei Vereine. »Wir wollen auf die Verschmutzung, gerade unter den Brücken, aufmerksam machen und damit werben, die Lahn und die Natur besser zu schützen.« Nebenbei solle die Aktion auch noch etwas Werbung für ihre Vereine bringen.

Vier Taucher tauchten nach Gegenständen unter dem Steg, zehn SKC-Paddler übernahmen diese mit den Booten - vier Kanadier und zwei Kajaks - und brachten sie an Land, wo die Angler schon warteten, um diese am Ufer zu lagern. Nach dem obligatorischen Foto aller Beteiligten zusammen mit den Fundstücken wurden sie in einen vom städtischen Fuhramt bereitgestellten Container gestapelt.

Ein gutes halbes Dutzend illegal entsorgte Fahrräder wurden aus dem Flussbett der Lahn geborgen. Dazu ein großer Sonnenschirm, den möglicherweise eine Sturmböe ins Nass geweht hatte. Dies kann jedoch nicht die Ursache für zwei aufgefundene kleine Safes, einen Einkaufswagen, zwei Bollerpfosten und zwei verschiedene, jeweils abgelaufene Kfz-Kennzeichen gewesen sein. Die Kriminalpolizei wird sich mit einigen dieser Funde beschäftigen. Kurios auch eine große Glasscherbe, die wahrscheinlich einst Teil eines Aquariums war. Man mag sich nicht vorstellen, wenn jemand in den warmen Monaten von der Brücke von etwa sechs Metern Höhe in die Lahn springt und dann von dem Rohr eines Sonnenschirmes oder einer riesengroßen Glasscherbe aufgespießt wird.

Mithelfer berichteten davon, vor einem anderthalben Jahrzehnt unter der Konrad-Adenauer-Brücke einen mit grüner Patina überzogenen weißen Golf entdeckt zu haben. Einen gestohlenen Opel Frontera hätten sie im Lahnfelseneck gegenüber dem Hellas-Anwesen gefunden. Hier mache die Lahn eine Kurve und weise die größte Tiefe von bis zu fünf Metern auf. Auch ein Motorroller sei bei einer der vergangenen Aktionen zutage befördert worden.

Heinz-Werner Rühl, Olaf Grieger und Boris Kunert vom Anglerklub beklagten: »Hier wird so viel Müll abgeladen, seitdem die Gärten in diesem Bereich abgebaut wurden. Erfreulich dagegen sei, dass immer weniger alte Autoreifen gefunden würden. »Liegt wahrscheinlich daran, dass in den relativ warmen Wintermonaten keiner mehr zusätzlich Winterreifen fährt.« Im Gegensatz zu kleineren Bächen wie die Lumda sei in der Lahn kein Krebsbestand aufgefunden worden. Zumeist seien die Krebse jedoch eine invasive Art aus Amerika, die die deutschen Edelkrebse bedrohten. Vor etlichen Jahren seien einmal in einem alten Gummireifen unter der Sachsenhäuser Brücke welche entdeckt worden.

»Die Lahn liegt uns am Herzen«

»Immer eine spannende Aktion« ist es für SKC-Vorstandsmitglied Julia Räder: »Die Lahn liegt uns am Herzen und wir wollen die Umwelt schützen.« Viele der helfenden Vereinsmitglieder würden bei der Aktion ihre jährlichen fünf Pflichtarbeitsstunden ableisten. Eine knappe Stunde als Taucher im Wasser war Sven Liebenow, Vorstand im Tauchsportverein Grün-Weiß. Mühevoll sei es gewesen, im Schlamm steckende Fahrräder mit großer Kraftanstrengung herauszuziehen. Durch die Fließgeschwindigkeit der Lahn sei die Orientierung schwierig gewesen, zumal die Sicht lediglich 30 Zentimeter betragen habe. »In den ersten zehn Minuten hatten wir drei Räder und einen Einkaufswagen entdeckt. Zuletzt nichts mehr.« Das bedeute jedoch nicht, dass sie alles Versenkte gefunden hätten.

Dass gerade in den Brückenbereichen die größten Funde getätigt werden, liegt daran, dass man von der Brückenmitte die größte Flusstiefe hat, um Dinge möglichst unsichtbar verschwinden zu lassen. Traditionsgemäß spendete nach getaner gemeinnütziger Arbeit der Anglerverein Getränke und Essen.

Auch interessant