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Feilschen um Kleingezacktes

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Reinhard Körber freut sich über sein Schnäppchen und blättert eifrig im Katalog. Foto: Jung © Jung

Endlich wieder im Kreise Gleichgesinnter Fachgespräche führen, die Lupe vor die Augen nehmen und die kleinen Zacken an den Rändern der Briefmarken auf Fehler untersuchen.

Gießen . Bekannte Briefmarken aus China werden immer gesucht, weiß ein Gast, der in Wieseck über den »Großtauschtag« des Briefmarkensammlervereins Gießen schlendert. »Die Chinesen sind früh«, weiß er und bezeichnet die Briefmarkensammler aus dem Reich der Mitte sogar als »wild«. Schon kurz nach 10 Uhr verlässt tatsächlich ein chinesischer Staatsbürger den Saal wieder, so schnell, dass es nicht möglich ist, ihn noch nach seinen Lieblingsstücken zu befragen.

Endlich wieder im Kreise Gleichgesinnter Fachgespräche führen, die Lupe vor die Augen nehmen und die kleinen Zacken an den Rändern der Briefmarken auf Fehler untersuchen, die Erleichterung ist den Ausstellern und Besuchern anzumerken. Mark Wedel, Vorsitzender des Vereins freut sich, dass der Großtauschtag wieder stattfinden konnte. Im vergangenen Jahr gab es zwar auch eine Veranstaltung, doch der Besuch ließ sehr zu wünschen übrig. »Jetzt ist es deutlich mehr, es dauert allerdings wieder, bis das Vorjahresniveau erreicht ist«, weiß der Briefmarkenexperte.

Begehrte Postkarten

Postkarten sind als Sammlerware mehr gefragt als Briefmarken, informiert er. Der große Stand vor der Bühne, wo zwei Südhessen ihre reichhaltige Postkartensammlung in der Vergangenheit anboten, ist dieses Mal nicht da. Einer der beiden netten Herren ist schon alt, der andere war zum Termin verhindert.

Auf einen Vertreter vom Wiesecker Heimatverein wartet Eckhard Mehring aus Gedern. Er bietet ein kunstvoll gestaltetes Album mit Fotos vom zweiten Hessischen Verbandstag des Bäckerhandwerks in Gießen 1951 an. Mehring, der sich seit 1955 mit Briefmarken und Postkarten beschäftigt, hat die Information, ein Wiesecker Bäcker sei damals an der Organisation des Treffens, wo im Otto-Eger-Heim getanzt wurde und im Gloria-Palast, dem damaligen Kino im Seltersweg, der Bundestagsabgeordnete Eickhoff sprach, beteiligt war. Sogar eine Auskunftsperson am Bahnhof zählte zur Verbandstagung, wie ein Foto mit dem entsprechenden Schild zeigt. Jedenfalls zeigen die Aufnahmen viele Eindrücke und geben die Bedeutung wider. Vor eineinhalb Jahren fand der Mann aus dem Wetteraukreis das Album auf dem Flohmarkt und seitdem bietet er es immer wieder an. Vermutlich ist er es auch in Wieseck nicht wieder losgeworden.

Erfolgreicher mit der Vermarktung und als harter Verhandler zeigte sich Mehring bei acht Postkarten. Ein älterer Herr hat sich einige Zeit im Pappkasten durchgewühlt und einige verschiedene Motive gefunden. »20 Euro«, fordert der Gederner, doch das ist dem möglichen Käufer zu viel. »Oben ist sie beschädigt«, will er den Preis drücken, doch der Verkäufer winkt ab. Er habe auch seine Preise zahlen müssen. Über 18 Euro kommt schließlich der Verkaufspreis von 16 Euro zustande und beide wirken zufrieden.

Um jungen Leuten einen Einstieg in das Postkartensammeln zu ermöglichen, ist der Besucher auf Flohmärkten und Großtauschtagen unterwegs. »Jetzt gehe ich«, kündigt er das Verlassen des Saales an, mehr will er nicht kaufen an diesem Tag. Eckhard Mehring sammelt auch Briefmarken. Er wohnte früher nicht weit von der Poststelle entfernt und pflegte gute Kontakte zu den Postbeamten. Als »Quer durch den Garten«, bezeichnet er sein Angebot und heute hat er schon einiges verkauft »aus der Wühlkiste«.

Mängelexemplare erwünscht

Der Vogelsberger ist auf der Suche nach Exponaten, die beim Druckvorgang beschädigt werden oder wo durch Setzfehler Buchstaben fehlen oder verwechselt wurden. In seinem fahrbaren Koffer hat er alles schnell eingepackt, ist fast jedes Wochenende unterwegs. Und freut sich jetzt über den Besuch eines Sammlers aus Villingen, der krank war, wieder auf den Beinen ist und vorbeischaut. Schon lange kennen sich die beiden, treffen sich auf Flohmärkten und Tauschtagen und plaudern über dies und das.

Über sein »Schnäppchen« freut sich Reinhard Körber aus Linden. Alleine optisch zeigt sich seine Errungenschaft in bester Verfassung. Eine Sammlung von Ersttagsbriefen im blauem Einband passenden Schuber ist jetzt sein Eigentum, für 20 Euro. Die Inhalte hätten für ihn eine gewisse Bedeutung erzählt er. 1000 Jahre Kronach ist ein Thema, das ihn interessiert. Auch der Ersttagsbrief von der DLRG und die Beschreibung dazu weckten sein Interesse.

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