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»Ferien, die schlau machen«

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Die Aufführung des Kinderbuchklassiker Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren bildete den Höhepunkt des diesjährigen Deutschsommers in Gießen.

Gießen. »Zum Donnerdrummel« und auch »Potzpestilenz« - Räubervater Mattis hatte bei der Aufführung von »Ronja Räubertochter« in der Aula der Ostschule viel zu schimpfen. Die Aufführung des Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren bildete den Höhepunkt des diesjährigen Deutschsommers.

Bereits zum sechsten Mal hatten das Schulverwaltungsamt und die Gießen@Schule gemeinnützige GmbH das vom hessischen Kultusministerium geförderte Modellprojekt der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main in den ersten drei Wochen der Sommerferien angeboten - und 41 Drittklässler waren mit dabei. Bereits zum vierten Mal war die Korczak-Schule mit der angrenzenden Ostschule Veranstaltungsort dieses Sprachförderprojekts »Deutschsommer - Ferien, die schlau machen«. Ziel ist es, die Sprachkompetenz von Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, zu verbessern. 2016 wurde das Projekt mit dem Kulturpreis Deutsche Sprache ausgezeichnet. »Das Erlernen der deutschen Sprache ist die Grundlage für eine erfolgreiche Schulkarriere. Drittklässler mit Deutschförderbedarf erhalten hier die Möglichkeit, ihre Kenntnisse zu verbessern. Das Angebot umfasst Sprachunterricht in Kleingruppen, Theaterstunden und Freizeitaktivitäten«, so Kerstin Gromes vom Staatlichen Schulamt für den Landkreis Gießen und den Vogelsbergkreis.

Gießens Schuldezernentin Astrid Eibelshäuser (SPD) sprach von einem seit vielen Jahren erfolgreichen Modellprojekt, das jedoch in diesem Jahr einige Besonderheiten aufzuweisen hatte. Darauf gingen auch die Gießener Deutschsommer-Koordinatorin Claudia Jirka und Geschäftsführer Ralf Volgmann, Geschäftsführer Gießen@Schule gGmbH, die als Träger des Projektes fungiert, ein. Waren es in den vergangenen Jahren jeweils zwei Gruppen mit maximal 30 Drittklässlern, so standen in diesem Jahr drei Gruppen zur Verfügung, wobei eine über das Corona-Aufholprogramm Löwenstark des Landes Hessen ermöglicht wurde. Vier Sprachanfänger aus der Ukraine nahmen ebenfalls teil.

Obwohl das Konzept Deutschsommer sich an Kinder richtet, die bereits gut Deutsch sprechen, wurde der Unterricht so differenziert, das auch Sprachanfänger teilnehmen konnten. Es stellte sich heraus, dass das ganzheitliche Deutschsommer-Konzept mit je drei Pädagoginnen für 15 Kinder durch die drei gleichberechtigten Standbeine Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Theater und Sozialpädagogik überaus flexibel ist, um auf Herausforderungen zu reagieren. Dies ermöglichte den Kindern einen perfekten Start in das deutsche Schulsystem und in die neue Situation.

Die Schüler starteten um 8.30 Uhr mit einem Frühstück und wurden dann in räumlich voneinander getrennten Gruppen unterrichtet. Das Theaterspiel, vor allem die Verbindung von DaZ und Theater, sind wichtige konzeptionelle Standbeine des Deutschsommers. An den Nachmittagen konnten sich die Kinder in verschiedene Workshops einwählen: Bewegung, Musik und Kunst wurden angeboten. Hier wurden Requisiten gebaut, eine Wasserolympiade fand statt, es wurde gebatikt und musiziert. Donnerstags war jeweils ein besonderer Tag, da fanden Ausflüge statt. Es ging zur Burg Gleiberg, in der zweiten Woche in den Hessenpark nach Neu-Anspach und am dritten Donnerstag stand dann die Theateraufführung an. Gleich drei Theaterstücke zu »Ronja Räubertochter« wurden während des Deutschsommers einstudiert und vor dem großen Familienfest von den Schülern aufgeführt. Eigens aus Kirgisistan waren Oma und Opa einer Teilnehmerin angereist, um ihre Enkelin auf der Bühne zu sehen.

Die Lektüre Ronja Räubertochter war einmal mehr die Grundlage der Deutsch- und Theaterarbeit, sollen doch so Sprachkenntnisse gezielt und »scheinbar nebenbei« verbessert wie auch soziale und kreative Kompetenzen gestärkt werden. »Als Stadt können wir sagen, dass das Projekt immer wieder sehr überzeugend ist. Nach Corona merken wir nochmals, wie wichtig interdisziplinäre Ansätze sind«, so Eibelshäuser.

Allerdings hat auch Corona seine Auswirkungen bei den Schülern, wie Jirka berichtete. So seien einige körperlich nicht so fit und viele Kinder weisen Konzentrationsschwächen auf. »Wer lange isoliert war, in einer Phase, wo so etwas gelernt wird, was lange nicht vermittelt werden konnte - das merken wir nun ganz besonders. Es war für die Pädagogen eine härtere Arbeit als in den Vorjahren«, so Jirka. »Bisher war kein Jahr wie das andere. Jedes Jahr bringt neue Überraschungen. Von Vorteil bei uns ist, dass wir seit sechs Jahren ein verhältnismäßig stabiles Team mit Claudia Jirka als Projektleiterin von Beginn an und auch Mitarbeiter im pädagogischen Bereich, die über Jahre hinweg dabei sind«, so Volgmann mit dem Hinweis, dass es Überlegungen gibt, »ob wir eine Gruppe in den Herbstferien anbieten«. Gegenüber den Vorjahren habe sich aber auch gezeigt, dass das Elterninteresse zugenommen habe. So sei bereits der Infotag im Vorfeld sehr gut angenommen worden. Für Eltern gab es ein Eltern-Café, um mit den Deutsch-Pädagogen zu sprechen, Austausch gab es auch während der Bring- und Abholzeiten.

Erstmals wurde auch im Landkreis ein Deutschsommer angeboten (wir berichteten), wie Gromes mit Hinweis auf den Erfolg dieses Angebots anmerkte.

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