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Filigrane szenische Klanggebilde

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Das Programm der Frankfurter Gäste war komplett improvisiert. © St. Thomas Morus

Gießen (red). Das Improvisationsensemble der KunstKulturKirche Allerheiligen aus Frankfurt war zu Gast in der Reihe »FastenZeitRaum« in der Kulturkirche St. Thomas Morus. Das Publikum erlebte ein hochprofessionelles Ensemble, das sich wunderbar aufeinander einstellte und einen lupenreinen Gesamtklang präsentierte.

Auf Einladung von Jakob Handrack, künstlerischer Leiter des Fördervereins der Kulturkirche, war das Ensemble aus Frankfurt im Rahmen der Konzertreihe für Neue Improvisierte Musik am Samstag in der Grünberger Straße zu Gast. Die Gruppe besteht aus Absolventen der Internationale Ensemble Modern Akademie und der Hochschule für Musik Frankfurt.

Das einstündige Programm war komplett improvisiert. Nefeli Galani (Viola), Nathan Watts (Violoncello), Camilo Bornstein (Flöten) und Richard Millig (Orgel, Flügel) bauten von unterschiedlichen Orten im Altarraum aus behutsam ein szenisches Gebilde aus Schwebungen und nuancierten Akzentverfärbungen, zuweilen in leicht melancholischer Ausprägung. Richard Millig registrierte die Orgel mit viel Feingefühl, ohne die anderen Instrumente dabei zu dominieren.

Hervorzuheben ist das Zusammenspiel von Galani und Watts. Viola und Violoncello erzeugten einen permanenten Fluss der inneren Spannung und Konzentration, die niemals an Kraft verlor. Das tremolierende Lamento der Bratsche wurde durch ein kraftvolles, zuweilen auch perkussives Spiel auf dem Cello verstärkt. Hier zeigte sich die klug gewählte Platzierung der Musiker, die die Cello-Saiten akustisch gut im Raum verstärkten. Auch Flöte und Orgel auf der linken Seite des Altars erzeugen eine überzeugende Klangverschmelzung. Durch Überblase-Techniken sorgte Camilo Bornstein für einen hellen, diffusen, obertönigen Klang, der sich hervorragend im Raum absetzte.

Bemerkenswert war auch das Finale mit Einsetzen der Kirchenglocke. Hier näherten sich die Frequenzbereiche an. Die Orgel sorgte mit zarten, hochtönigen Registrierungen für einen schwebenden Klang. Es glich einem zaghaften Aufbegehren, ein leises Wimmern entstand, bis der letzte Ton in Raum und Zeit verhallte. Stille. Applaus.

Das nächste Konzert der Reihe »FastenZeitRaum« in St. Thomas Morus findet am Samstag, 2. April, um 17 Uhr mit dem Giessen Improvisers Pool statt.

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