1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Flashmob« und Weltklassekür

Erstellt:

Nach drei Jahren Corona-bedingter Pause fand jetzt wieder »Gießen tanzt« in der Kongresshalle statt. Doch nicht die Stadt führte Regie, sondern die TSG Blau-Gold. 1000 Besucher kamen.

Gießen (kg). »Wir fangen pünktlich an«, machte Bernhard Zirkler, Vorsitzender der TSG Blau-Gold und Moderator, deutlich. Schließlich musste der Verein drei Jahre wegen Corona pausieren und da war es an der Zeit, dass wieder Leben auf die Tanzfläche in der Kongresshalle einkehrte: Endlich wieder »Gießen tanzt«. Die elfte Auflage dieser Veranstaltung, die bis zur Zwangspause das Sportamt der Stadt veranstaltete, begann in der vollbesetzten Kongresshalle jetzt unter der Regie der TSG Blau-Gold, traditionell mit einem »Flashmob«. Fast 300 Kinder des Vereins präsentierten eine tänzerische Choreografie, einstudiert von Julia Haitsch und Natalie Altschuck nach einem Kinderlied.

300 Kinder

Die Veranstaltung lag dieses Mal alleine in Händen der TSG, sie organisierte und richtete sie aus. Weil die Stadt den beliebten Treff von Gruppen, die viel tänzerisches Können und viel Akrobatik an diesem Nachmittag zeigen, absagte, ergriff der Verein selbst die Initiative. Auf Mai 2023 sollte »Gießen tanzt« verschoben werden, schlug die Stadt vor. Doch da machte Bernhard Zirkler nicht mit und war verärgert. OB Frank-Tilo Becher habe die Absage, die ihn erst vor fünf Wochen erreichte habe, mit Corona-Pandemie und Energiekrise begründet, sagte Zirkler. Doch die TSG ließ sich nicht entmutigen und arbeitete darauf hin, dass die Veranstaltung stattfinden konnte. Schließlich wollten auch die Kinder einem großen Publikum zeigen, was sie gelernt haben. Und so kam es, dass die TSG das Ganze auf eigene Faust gestaltete. Mit der Folge, dass sie auf den Kosten von rund 4000 Euro sitzenbleibt, eingeschlossen Miete und Deko.

Viel gab es an diesem Sonntagnachmittag auf der Bühne und Tanzfläche zu sehen: Die mehr als 1000 Zuschauer erlebten 32 Aufführungen und damit ein breites Spektrum von Darbietungen - nicht nur aus der »klassichen« Tanzszene. Rhythmische Sportgymnastik, Aerial Silk, Polesport und Luftringakrobatik, Majoretten und Kampfsportgruppen zeigten, was ihren Erfolg ausmacht. Breakdance, die neue olympische Disziplin mit den TSG-Meistern Roman Schnarr und Fabricio dos Santos, bildete den Kontrast. International zeigt die Latino-Gruppe »Pacha Kusi« traditionelle Tänze aus Peru und die Trommelschau der Formation von Mayemouna Gaye aus dem Senegal vertanzte afrikanische Rhythmen.

Auch das Deutsch- Russische Zentrum war mit Polka und einer getanzten Märchenschau vertreten, deren Teilnehmer zum Teil auch bei den TSG-Bühnentanzgruppen aktiv sind.

Gäste aus Herborn vom Jugendclub »Kleine Quelle« wirbelten auf dem Parkett ebenso wie die Majoretten des Gießener Corps. Der GTC 74 entsendete seine Rock’n Roll-Formation und eine Salsa Rueda-Gruppe und die vereinseigenen Hip-Hop- und Dancehall-Gruppen heizten die Stimmung an. Die Rhythmische Sportgymnastik erlebt dank der ehemaligen russischen Meisterin Julia Jurisic einen enormen Aufschwung in Gießen. Die als eleganteste weibliche Sportart definierte Turndisziplin freut sich innerhalb der TSGH über erfolgreichen Nachwuchs. Die Darbietungen sind durch Kaderathletinnen aus der Ukraine von internationalem Niveau. Somit geriet an einem heiteren Nachmittag auch der Ukrainekrieg ins Blickfeld der Zuschauer. Polesport, Aerial Hoop und Aerial Silk sind angesagte Sportdisziplinen, in denen Blau-Gold-Sportler eine führende Rolle in Deutschland einnehmen und erst vergangene Woche bei den Weltmeisterschaften erfolgreich waren. Atemberaubende Akrobatik erwartete die Zuschauer.

Weltmeisterpaar

Organisator Bernhard Zirkler freute sich besonders auf die Shows in den Standardtänzen von Volker Schmidt und Ellen Jonas aus Wetzlar. Das siebenfache Weltmeisterpaar präsentierte mit seiner Kür in den Tänzen Langsamer und Wiener Walzer sowie Quickstep Weltniveau, wie es in Gießen lange nicht geboten werden konnte.

Die Kleinen und Kleinsten gefielen in ihren Kostümen mit ihren niedlichen Tanzvorführungen. Insgesamt 32 Gruppen unterhielten die Besucher, die immer wieder mit Zurufen und Applaus die Akteure anfeuerten und ihrer Begeisterung Ausdruck verliehen. Ruckzuck musste alles von statten gehen, der Zeitplan war eng getaktet und das spürte man bei der Moderation von Bernhard Zirkler. Alle, die zur Veranstaltung gekommen waren - Akteure und Zuschauer - verließen nach gut drei Stunden die Kongresshalle mit vielen tollen Eindrücken und gut gelaunt.

Auch interessant