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»Frau mit einer enormen Energie«

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Mit dem Festakt war auch die Wanderausstellung zu Ehren Steubings erstmals zu sehen. © Kremer

Prof. Lore Steubing (1922-2012)´wurde anlässlich ihres 100. Geburtstags, an der JLU Gießen mit einem Festakt und einer Ausstellung geehrt. Bereits letztes Jahr benannte man ein Institut nach ihr.

Gießen . An diesem Dienstag wäre Prof. Eleonore (»Lore«) Steubing 100 Jahre alt geworden. Um die vielen Verdienste der ersten Professorin der Justus-Liebig-Universität (JLU) für die ökologische Forschung und den Umweltschutz zu würdigen, fand nicht nur ein Festakt unter 2G-Plus-Regeln und per Livestream statt. Gleichzeitig wurde auch die Wanderausstellung »Lore Steubing - Eine Menge an Energie« im Foyer des Chemiegebäudes eröffnet. Die vielleicht größte Ehre wurde der 2012 verstorbenen Direktorin des Instituts für Pflanzenökologie der JLU im vergangenen Jahr zuteil, als das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sein in Gießen eröffnetes Institut für Naturschutz und Biodiversität nach ihr benannte.

Wie viele Menschen von Lore Steubing inspiriert wurden und sie bewunderten, wird beim Festakt sehr deutlich. Sie sei jedem als «eine Frau mit einer enormen Energie und Schaffenskraft« in Erinnerung geblieben, erklärt HLNUG-Präsident Prof. Thomas Schmid, »Ich bin stolz, dass wir unser Institut nach ihr benennen durften.« Dr. Anna-Katharina Wöbse, welche die Ausstellung gemeinsam mit Studierenden des Instituts für Biologiedidaktik, konzipiert hat, beschreibt Steubing als »eine Meisterin der Vernetzung«, was sich besonders in ihrem Talent zeigte, Menschen zusammenzubringen, »die voneinander profitierten«.

Orientierungshilfe für Politiker

Das Lore-Steubing-Institut ist ein universitätsübergreifendes Forschungsinstitut, mit dem Ziel, die Biodiversitätsforschung in Hessen sowie die Zusammenarbeit von Forschungseinrichtungen und dem behördlichen Naturschutz zu stärken. Als dezentraler Forschungsverbund ist das Institut deutschlandweit einzigartig. Die ungefähr 40 Mitglieder sind bemüht, gemeinsam Grundlagenforschung zu betreiben, um den Politikern in Umweltfragen mithilfe evidenzbasierter Ratschläge Orientierungshilfen zu geben. Wichtige Themenfelder hierbei sind das Insektensterben sowie die Auswirkungen des Klimawandels auf die Biodiversität und einiges mehr. »Lore Steubing hinterlässt große Fußstapfen«, betont Schmid. Dem wolle das Institut gerecht werden.

Als Lore Steubing 1969 erste Professorin der Gießener Universität wurde, geschah dies in einer Zeit, als an westdeutschen Hochschulen nur fünf Prozent der Professorenstellen von Frauen besetzt waren. Heute sind es circa 20 Prozent. »Rückblickend ist sie eine der wichtigsten Forscherinnen der JLU«, hebt JLU-Vizepräsident Prof. Martin Kramer hervor. Steubing habe quasi mit dem Gendern angefangen. »Wenn man so will, war sie eine der ersten Forscherinnen, die sich systematisch mit dem Klimawandel auseinandergesetzt hat«, betont er ihren fortschrittlichen Charakter auch im wissenschaftlichen Zusammenhang.

Die Arbeit Lore Steubings genießt einen Weltruf in Sachen Ökologie und Umweltforschung. Ihre Exkursionen führten sie in zahlreiche Länder rund um den Erdball, besonders häufig nach Chile. Auf ihre maßgebliche Initiative hin wurde 1972 in Gießen die Gesellschaft für Ökologie (GFÖ) gegründet, die heute zu den größten ihrer Art in Europa gehört. Bereits 1982 wurde Steubing für ihre wissenschaftliche Lebensleistung mit dem »Deutschen Umweltschutzpreis« geehrt.

»Reisen bildet - sie hat das bewiesen«

Ihr Wegbegleiter und Freund Prof. Andreas Fangmeier erinnert sich an sie als »eine Weltreisende«, die auf einer Karte wohl eher die Länder hätte dokumentieren müssen, in denen sie noch nicht war: »Reisen bildet - sie hat das bewiesen«, lacht er und betont, dass es unmöglich sei, alle Forschungsgebiete Steubings aufzuzählen. »Sie war aktiv, auch über den sogenannten Ruhestand hinaus.«

Zweifellos war die Geehrtefür ihn wie für viele andere auch über das gemeinsame wissenschaftliche Interesse hinaus eine wichtige Freundin: »Ich finde, Lore Steubing war eine herausragende Wissenschaftlerin, sie war ein bemerkenswerter Mensch, und ich bin sehr glücklich, dass ich eine Zeit lang ihr Wegbegleiter war«, so Fangmeier. Auch Dr. Jost Haneke, ein Neffe Steubings, erzählt einige Anekdoten aus dem Leben von »Tante Lore«, die beweisen, wie tief ihre Begeisterung für die ökologische Forschung reichte. So hat Steubing beispielsweise auch im Krankenbett mit »dem Biest«, wie sie ihren Computer nannte, an Publikationen gearbeitet und, wenn es an Geldern für ein Projekt fehlte, manchmal auch aus eigener Tasche etwas dazugegeben. Ihre Begründung: »Mein Geld kommt aus der Pflanzenökologie, also kann das ein oder andere auch etwas dorthin zurückfließen.«

Die Wanderausstellung ist eine der ersten größeren Ausstellungen zum Leben der Ökologin und gibt einen Überblick ihrer wichtigsten Lebensstationen und Forschungsfelder. »Lore Steubing steht auch für Weiterentwicklung«, betont Anna-Katharina Wöbse, »Es lohnt sich, wenn sie präsent bleibt.«

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