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Freies Strömen fragiler Klänge

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Sabine Dreier (Flöte) und Karen Tanaka (Klavier gastierten in St. Thomas Morus. © Schultz

Gießen. Die Reihe der Sonntagskonzerte in der Kulturkirche geht weiter: Nun waren Flötistin Sabine Dreier und Pianistin Karen Tanaka zu Gast und spielten ein Programm klassischer Literatur mit Werken unter anderem von Bach, Debussy und Piazzolla.

Die Flötistin Sabine Dreier stammt aus Frankfurt und legte das Orchestermusik-Diplom mit Bestnote ab. Karen Tanaka aus Washington ist Preisträgerin internationaler Wettbewerbe und agierte unter anderem als Solistin beim Honolulu Symphony Orchestra. Mit Stargeigerin Anne-Sophie Mutter spielte sie in renommierten internationalen Orchestern.

Beim Gastspiel des Duos in St. Thomas Morus sind erstmals Klavier und Flöte räumlich ins Zentrum des Kirchenschiffs gerückt, deutlich näher als üblich. Das erzielt eine intensive Wirkung: Anstatt sich erst durch eine Woge mächtigen Halls kämpfen zu müssen, strömt die in diesem Fall teils recht fragile Musik viel näher am Publikum in den Raum. Los ging es mit Johann Sebastian Bachs Suite in c-Moll in vier Sätzen. Dreier startete mit einem fröhlichen Fluss, musizierte anmutig und spannte sanfte Spannungsbögen. Schließlich kam sie zu tänzerisch-schwungvollem Ausdruck und realisierte komplexe Passagen immer flotter, immer prägnanter; Tanaka agierte als Begleiterin professionell sensibel und diskret.

Bei Cécile Chaminades Sérénade aux étoiles, Op.142 zeigte sich die konstruktive Kooperation zwischen den Musikerinnen noch deutlicher. Träumerisch, schön variiert, fanden die beiden in der Dramaturgie gut zusammen; mit dieser »Sternenserenade« wurde es poetischer. In eine richtige Traumwolke wurde das Publikum dann mit Debussys »Rèverie« gehüllt. Dreier setzte die Bassflöte ein, und sofort entstand eine andere Atmosphäre. Besonders in den tiefen Lagen erschien ein fast magischer Sound, der sich vom Kirchenhall nicht beirren ließ.

Das erste Glanzlicht des Konzerts war Albert-Franz Dopplers Fantaisie pastorale hongroise Op. 26. Tanaka lieferte ein schönes zartes Klavierintro. Dreier musizierte leicht wie im Fluge, schuf aber auch ernsthafte Momente. Insgesamt ein wunderbarer Fluss mit facettenreichem Klang und einer überraschenden, präzise gesetzten Pause - ein lebhaftes, attraktives Werk.

Mit lebhaftem Flötentirilieren begann Francis Poulencs Sonata in drei Sätzen, expressiv ergänzt von Tanaka. Dann bestimmte eine liebliche Charakteristik das Geschehen, mit wunderbar lyrischen Passagen. Höhepunkt war der dritte Satz (Presto giocoso): Mit tollem Schwung musiziert, entstand Dynamik und ein triumphaler Abschluss - großartig.

Der aparte Charakter von Rimsky-Korsakovs »The rose and the nightingale« wurde mit angenehm verhaltener Bassflöte bestens realisiert. Die Altflöte setzte einen weiteren Akzent in Gabriel Faurés Vocalise: das aparte Werk wirkte melancholisch, aber auch leicht schwelgerisch.

Zum Finale gab es drei Tangos von Astor Piazzolla. Dabei ragte »Resurrection des àngel« heraus. Von einem elegischen Intro eingeleitet, erlebte man ein wehmütiges Schmachten und eine geradezu schwebende Klavierpassage. Insgesamt war es ein auch instrumental abwechslungsreicher Nachmittag auf hohem Niveau.

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