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"Fridays for Future" in Gießen: Schüler demonstrieren für Klimaschutz

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Von: Benjamin Lemper

GIESSEN - (bl). Eine 15-jährige Schülerin aus Schweden stiehlt zurzeit vielen Politikern die Show. Greta Thunberg setzt sich nämlich schon eine Weile an vorderster Front für ein stärkeres Klimabewusstsein ein. Jüngst reiste sie öffentlichkeitswirksam mit dem Zug zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Und da Thunberg seit Monaten immer wieder freitags auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam macht, gilt sie als Ideengeberin für "Fridays for Future" (FFF).

Nun erreicht die weltweite Initiative, an der sich in Deutschland ebenfalls schon zahlreiche junge Leute beteiligt haben, auch Gießen.

Anlässlich des "Kohlegipfels" in Berlin hat eine Ortsgruppe für Freitagvormittag zur Demo aufgerufen. Damit soll Druck gemacht und ein Zeichen gesetzt werden, um die tagenden Politiker an ihre "Verantwortung für Folgegenerationen" zu erinnern. Die Stadt rechnet mit rund 1000 Teilnehmern. Konkreter lasse sich das nicht sagen, "weil wir nicht wissen, ob und welche Schulen sich noch anschließen", erklärt Magistratssprecherin Claudia Boje auf Anfrage des Anzeigers.

Angemeldet sei ein Demonstrationszug, der um 9.20 Uhr an der Herderschule startet und über Kropbacher Weg, Krofdorfer Straße, Rodheimer Straße, Neustädter Tor, Nordanlage, John-F.-Kennedy-Platz und Ostanlage zum Berliner Platz führt. Dort sei von 10 bis 13 Uhr noch eine andere Kundgebung geplant. Bundesweit wird es wohl erneut in mehreren Städten Schülerstreiks geben.

Problematisch ist dabei jedoch, dass dieser Protest während des regulären Unterrichts stattfindet und logischerweise keine Befreiung zu erwarten ist, verdeutlicht Dirk Fredl, Schulfachlicher Aufsichtbeamter des Staatlichen Schulamtes, gegenüber dieser Zeitung. Sprich: Es sei nicht möglich, von der allgemeinen Regelung des verpflichtenden Schulbesuchs abzuweichen. "Versäumen Schüler unentschuldigt den Unterricht, ist dies in das Zeugnis aufzunehmen. Gegebenenfalls können in der Schule zudem pädagogische Maßnahmen oder Ordnungsmaßnahmen ergriffen werden." In Wiederholungsfällen könne sogar ein Bußgeld drohen.

Die Aktivisten fragen wiederum: "Für welche Zukunft sollen wir lernen, wenn unsere nicht lebenswert ist?" In einem Manifest, das bei Instagram auf der Seite der Gießener FFF-Gruppe zu finden ist, heißt es: "Der Wohlstand der aktuellen Generation beruht auf der Plünderung der Lebensgrundlagen unserer Zukunft." Dieses Verhalten sei "absolut nicht nachhaltig und verantwortungslos". Dabei seien Umwelt- und Klimaschutz qua Grundgesetz zentrales Staatsziel. Allerdings erscheine es fragwürdig, ob sich Deutschland wirklich als "Vorreiter" auf diesem Gebiet brüsten könne.

Kritik kommt von der "Schüler Union Gießen". Dass sich Schüler politisch engagieren und für eine bessere Zukunft - insbesondere in Bezug auf klimapolitische Themen - eintreten, sei durchaus positiv. Dass sie dafür die Schule schwänzen, sei indes "absolut nicht akzeptabel", so der stellvertretende Kreisvorsitzende Julian Sann, der eine Sanktionierung "in angemessener Weise" fordert. Zumal eine solche Demo außerhalb der Schulzeit ebenso denkbar wäre. Obendrein sieht Sann die Gefahr, Schüler könnten durch "aggressives und ökopopulistisches Auftreten" der Bewegung, die zugleich eine ganzheitliche gesellschaftliche Perspektive ausblende, "indoktriniert" werden.

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