1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Fröhliches Tauffest im Grünen

Erstellt: Aktualisiert:

Erstmals hatten Kirchengemeinden aus Gießen und Umgebung dazu in den Stadtpark Wieseckaue eingeladen und konnten gleich 450 Gäste und 40 Täuflinge begrüßen.

Gießen . Himmelfahrtstag einmal anders: Zum ersten Mal gab es ein Tauffest im Stadtpark Wieseckaue. Es war eine Gemeinschaftsaktion aller Kirchengemeinden im Evangelischen Dekanat Gießen, zwischen Albach und Bieber, zwischen Gießen-Wieseck und Lang-Göns. Rund 40 Kinder taufte die Evangelische Kirche unter freiem Himmel, und dabei für alle Fälle geschützt durch Pavillons.

Schmissig begann das gut besuchte Treffen von Familien mit Musik von »BrassOn«, die aus Auswahlbläsern der Propsteien Oberhessen und Nordnassau besteht. Landesposaunenwart Albert Wanner hatte die Leitung der musikalischen Begleitung des Tauffestes, zu dem nach Angaben der Veranstalter 450 Menschen kamen.

»Alle Gotteskinder«

»Wir spielen ein Spiel«, rief Pfarrerin Johanna Fröhlich in die Menge und erhielt gleich Aufmerksamkeit und Zustimmung. Sie bat diejenigen Gäste, die bestimmte Eigenschaften haben, aufzustehen und damit die Gemeinsamkeiten zu entdecken. »Alle stehen auf, die eine Brille tragen«, eröffnete sie vom Podest die lustige Einlage. Es kam Bewegung in die 60 Tische mit 120 Bänken bei der letzten Bitte aufzustehen. Bei der Nachfrage, wer ein Kind sei, zögerten insbesondere die Erwachsenen auf dem Platz gegenüber der »Strandbar«. Die Pfarrerin griff jetzt ein, klärte auf und schaute zu denen, die weiterhin saßen: »Warum stehen Sie nicht auf? Sie sind doch auch ein Kind.« Ein Kind sei, wer schon groß ist, auch wenn man Mama und Papa ist. Johanna Fröhlich redete so lange, bis sich schließlich alle von den Plätzen erhoben. »Wir sind alle ein Kind von jemandem«, machte sie deutlich. Und erklärte mit dem »Bauchnabelcheck«, der Bauchnabel sei ein untrügliches Zeichen. An ihm könne man erkennen, dass der Mensch einmal an der Nabelschnur im Bauch einer Mutter gewesen ist. »Der Bauchnabel ist das Zeichen, ein Menschenkind zu sein.« In ihrer Ansprache meinte die Pfarrerin, die Menschen könnten noch auf eine andere Art und Weise ein Kind sein: »Nämlich ein Gotteskind.«

Mit diesen Worten leitete sie zum ersten Tauffest auf der grünen Wiese über. Das Zeichen sei die Taufe, die die Menschen sichtbar macht: Ich bin ein geliebtes Gotteskind. Die Taufe sei jedoch nicht so gut sichtbar wie der Bauchnabel. Daher bedauerte Fröhlich: »Leider gibt es keinen Taufnabel an uns. Und wir vergessen oft, dass wir getauft sind.« Die Gäste des Festes durften sich schließlich ein Armband mitnehmen, auf dem steht: Kind Gottes. Das Band solle immer daran erinnern: »Du bist ein geliebtes Gotteskind«. Die Pfarrerin stellte danach die Tauffrage an alle Gäste auf dem Platz und alle antworteten mit einem deutlichen und herzlichen »Ja«.

Fest kommt gut an

Nach dem Lied »Wasser des Lebens« gingen die Familien zu den neun aufgebauten Pavillons. Dort standen Taufschalen mit Wasser und Kerze, und die Familien versammelten sich zur Taufhandlung durch die Pfarrerinnen und Pfarrer. Nach der Taufe von rund 40 Kindern wurden Taufkerzen und Urkunden ausgehändigt.

Froh waren die Verantwortlichen und ihre Gäste über das gute Wetter, sodass das gelungene Tauffest nicht in die vorsorglich reservierten Kirchen in und um Gießen verlegt werden musste. Bewusst hatte das Evangelische Dekanat zu einem Tauffest eingeladen, das sich von den Taufgottesdiensten in den Kirchengemeinden unterscheidet. Das kam bei den Besuchern gut an, wie eine kurze Befragung dieser Zeitung ergab.

Daniel Lich, der mit Frau und Kind zur Taufe seines Neffen Léan kam, empfand es als eine schöne Feier. Nach so langer Zeit wieder gemeinsam unter freiem Himmel eine besondere Situation im Leben zu erleben, das empfand er besonders schön und würdevoll. Gelobt von den Besuchern wurde auch die gute Organisation des Tauffestes mit seinen vielen Helferinnen und Helfern. Mit 92 Jahren war eine Seniorin aus Dietzhölztal-Ewersbach vermutlich die älteste Teilnehmerin an der Zeremonie. »Mit so vielen Leuten hatte ich nicht gerechnet«, zeigte sie sich angenehm überrascht.

Ein wenig improvisiert wurde am Pavillon, wo Pfarrer Matthias Weidenhagen taufte. Weil der Täufling Synnove Ehrt aus Treis nur knapp über die Tischkante schauen konnte, packten die umstehenden Männer an und stellten zwei Paletten vor den Tisch. Und so konnte das Mädchen ungehindert in die Kamera blicken. Für die Familie war der Tag ein wenig stressig, die ältere Tochter nahm zunächst am Vorstellungsgottesdienst in der Johanneskirche teil und eilte dann mit der Familie, darunter die Großeltern, in die Wieseckaue. Alles klappte und alle freuten sich über das schöne Ambiente »zwischen Taufwasser, frischer Luft und Würstchenduft«.

An der Gestaltung waren Pfarrerin Sonja Löytynoja, Pfarrerin Iris Hartings, Pfarrer Adrian Schleifenbaum, Pfarrerin Wiebke Eßbach, Pfarrer Alexander Klein, Pfarrerin Astrid Prinz, Pfarrerin Johanna Fröhlich und Dekan André Witte-Karp beteiligt.

Auch interessant