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Ein Licht in dunkler Nacht: Gottesdienste zu Weihnachten finden in Kirchen und draußen statt. Symbolfoto: Philipp Schulze/dpa

Feiertage

Frohe Botschaft kann in Gießen jeder hören

Die Gießener Kirchengemeinden sind ideenreich. Gottesdienste an Weihnachten gibt es auch auf Sportplätzen, Friedhöfen sowie im Internet.

Gießen (mh). Vielfältig reagieren Kirchengemeinden in Gießen auf die Einschränkungen der zweiten Corona-Weihnacht. Anders als vor einem Jahr fallen Gottesdienste nicht aus, werden aber mancherorts unter freiem Himmel; auf dem Sportplatz, im Kirchhof oder auf dem Alten Friedhof gefeiert. Oder sie werden gleichzeitig im Internet gestreamt und - wegen der Abstandsregeln - im kleineren Kreis in den Kirchen in Präsenz gefeiert. »Erfindungsgabe und Offenheit für eine neue Art, Heiligabend zu feiern, war in diesem Jahr gefragt«, erläutert der evangelische Dekan André Witte-Karp.

Dass sich auch Kirchengemeinden zunehmend mit der Kontroverse um das Impfen auseinandersetzen müssen, drückt auf die Stimmung. Pfarrer Michael Paul von der Johannesgemeinde berichtet sorgenvoll: »In manchen Gesprächen geht es nicht mehr darum, glaubst du oder glaubst du nicht, sondern bist du geimpft oder nicht.« Das belastet ihn persönlich, aber auch das Gemeindeleben. Pfarrer Peter Ohl von der Pankratiusgemeinde fürchtet einen »Vertrauensverlust« zwischen den Mitarbeitenden. Als Vorgesetzter muss er sich Impf- oder Test-Nachweise zeigen lassen.

Um Ältere und Gefährdete zu schützen, finden alle Gottesdienste mindestens unter 3G-Bedingungen statt. Dass die Gemeinden beim Betreten negative Testergebnisse, das Tragen von Masken und den Abstand zwischen Besuchern kontrollieren, ist inzwischen selbstverständlich. »Es kommt den unterschiedlichen Schutzbedürfnissen der Menschen entgegen, dass in einigen Kirchen auch die 2G-Regel angewendet wird«, betont Witte-Karp. Kirchengemeinden sind inzwischen darin routiniert, sichere Veranstaltungen zu organisieren, weiß Stadtkirchenpfarrer Gabriel Brand und berichtet: »Wir werden von öffentlichen Einrichtungen und Vereinen um Rat gefragt, weil uns hohe Kompetenz darin zugesprochen wird.«

Und nun steht Weihnachten vor der Tür. Der Pfarrer der Petrusgemeinde, Matthias Leschhorn, bewegt sich zweigleisig auf den Heiligen Abend zu. Der Familiengottesdienst mit Krippenspiel wird unter 2G-Regeln gefeiert. Einige Tage zuvor wird der gleiche Gottesdienst als Video aufgezeichnet und Weihnachten ins Netz gestellt. Auch Iris Hartings und Carolin Kalbhenn, Pfarrerinnen der Gesamtkirchengemeinde Nord, gehen mit ihren Konfirmanden ins Internet und zeichnen vorab ein digitales Krippenspiel auf. In der Jungen Kirche Gießen in der Lukaskirche wird in diesem Jahr in Präsenz gefeiert - allerdings auch unter 2G-Regeln. Stadtjugendpfarrer Alexander Klein: »Die Jugendlichen haben mir gesagt: Bloß nicht wieder online. Wir wollen uns sehen und begegnen!«

Frühzeitig haben die Gemeinden im Gießener Osten eine Außen-Variante geplant: Wie im letzten Jahr stellen Kinder und Jugendliche auf dem Alten Friedhof ein Krippenspiel in mehreren Durchgängen auf die Beine. In kleinen Gruppen können angemeldete Besucher sich das anschauen. Schon weit über 300 Anmeldungen gebe es, freut sich Pfarrerin Sonja Löytynoja. Mittlerweile gibt es sogar eine Warteliste. Andere Wege geht auch der Kleinlindener Pfarrer Ekkehard Landig. Er hat sich für einen Open-Air-Gottesdienst am Nachmittag auf dem Außengelände des TSV-Kleinlinden entschieden. »Zwar ist eine Anmeldung erforderlich, doch der weite Raum zwischen den Toren macht vieles möglich.« Auf dem Sportplatz wie auch bei den Gottesdiensten in der Kirche gilt 2G. Auch diese Gottesdienste werden live im Netz gestreamt.

Seit Beginn der Pandemie haben sich die Gottesdienstformen verändert, beobachtet Dekan Witte-Karp. Die Liturgie, also die Gottesdienstordnung, ist kürzer geworden. »Neues wird ausprobiert.« Und doch gibt es viele Menschen, die auf die klassischen, festlichen Gottesdienste nicht verzichten wollen.

»In der Pandemie haben auch Gottesdienst-Übertragungen in Radio und Fernsehen an Heiligabend eine besondere Bedeutung«, sagt der Dekan. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben ihr Angebot in diesem Jahr wieder ausgeweitet und helfen damit vielen Menschen, Weihnachten zu feiern, unterstreicht er. »Ob drinnen oder draußen, in der Kirche oder beim Krippenspiel unter freiem Himmel oder am Fernseher neben dem Weihnachtsbaum. Jede und jeder wird die frohe Weihnachtsbotschaft vernehmen können.«

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