1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Frohnatur und Vollblutmusikerin

Erstellt:

gikult_Tielsch22_051022_4c
Bei ihrem Auftritt im Mönchssaal des Klosters Arnsburg wurde Jördis Tielsch vom Gitarristen Peter Schneider begleitet. Foto: Schultz © Schultz

KLOSTER ARNSBURG. Eine unerwartete Perle im Konzertgeschehen rollte den Besuchern des Auftritts der Sängerin und Violinistin Jördis Tielsch am Freitag im Mönchssaal des Klosters vor die Füße, oder besser gesagt in die Ohren. Begleitet vom Gitarristen Peter Schneider spielte Tielsch ein Programm aus überwiegend eigenen Titeln im Pop- und Folkbereich.

Engagement und hohe handwerkliche Güte brachten dem Duo langanhaltenden Applaus ein.

Keine Anfängerin

Tielsch wurde 1995 in Wetzlar geboren. Von 2001 bis 2015 erhielt sie Geigenunterricht bei Christiane Lause sowie Brigitte Schön, der ehemaligen Leiterin des Orchesters der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zwischen 2008 und 2014 war sie mehrfache Bundespreisträgerin beim Wettbewerb »Jugend Musiziert« in den Kategorien »Violine«, »Klavier und ein Streichinstrument«, »Streicher-Ensemble« sowie »Gesang Pop«. Seit 2008 tritt sie mit ihrer eigenen Band auf. Zwischen 2010 und 2012 war sie »Special Guest« auf der Tour der »Wise Guys«. Kein schlechter Start für eine junge Musikerin.

Jördis Tielsch ist also keine Anfängerin und das wird auch im Kloster Arnsburg schnell klar. Und sie ist ein lebensfroher Mensch, das zeigt sich etwa in ihrem Titel »Das Glück versteckt sich in den kleinen Dingen«, einem unaufdringlich optimistischen Lied.

Vor allem jedoch ist Jördis Tielsch gut gelaunt. Das merkt man daran, wie sie sich mit ihrer natürlich zugewandten Art ans Publikum wendet und ausführlich erzählt, wie alles so war und ist: Gut läuft es, nur der Auftritt jetzt gerade im ZDF-Fernsehgarten war nix für sie. Kein Wunder, kräftiger Wind, eine Masse Zuschauer, die nicht wegen ihr da sind, Playback und kaum Kontakt zu den Menschen. Sie hat’s trotzdem hingekriegt, aber sie musste sich anstrengen, das sieht man in der Fernsehaufzeichnung.

Im Mönchssaal läuft jedoch alles ganz leicht. Ihre glockenklare angenehme Stimme trägt wunderbar, manchmal mit wunderschönen tieferen Anteilen. Das Publikum ist ganz nahe, und ihr Geigenspiel ist hochversiert.

Ihr Partner Peter Schneider kommt aus der professionellen Rockmusik und erweist sich auch gesanglich als sensibler Begleiter. Sie singen von der Welt und »tausend Glücksmomenten«, aber einen großen Teil des Programms widmen sie irischen Liedern.

Auf ihrem Album mit dem coolen Titel »Kleine Stadt großes Kino« beweist sie ein sicheres Gefühl für Popmusik und gesangliche Darstellung. Sie gehört auch zu den wenigen Musikerinnen, die absolut passable englische Texte schreiben können (»Embrace your fears«). Alles in Butter im Kloster also.

Die beiden zelebrieren eine gut gelaunte Professionalität, Tielsch erzählt viel - ihre Geigenlehrerin ist anwesend -, und musikalisch läuft alles auf hohem Niveau. Eins von mehreren Glanzlichtern ist ein neuseeländischer Titel, den sie nach einer exzellenten Moderation am Klavier singt, »The river is me«, mit tollem Abschluss. Die Maori haben dort einem Fluss juristische Personenrechte erkämpft; das passt natürlich auch sehr gut in die Zeit.

Jördis Tielsch singt ihr Programm ganz natürlich, verwendet nur ein, zwei gesangliche Manierismen und strotzt vor Spielfreude, was sehr ansteckend ist. Oder ist sie einfach nur immer gut gelaunt?

Am Ende steht ein verdienter Riesenbeifall für ein Konzert, das in seiner kleinen Form ohne jede Einschränkung für alle ein Riesenvergnügen war.

Auch interessant