Früherer Gießener OB Hans Görnert gestorben

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GIESSEN - (fod). Die Stadt Gießen und insbesondere die heimische CDU trauern um den ehemaligen Gießener Oberbürgermeister Hans Görnert, der in der Nacht auf Freitag im Alter von 86 Jahren in Berlin verstorben ist. Der Politiker war von Juni bis Oktober 1977 Bürgermeister und anschließend bis 1979 Oberbürgermeister der Stadt Lahn. Nach deren Auflösung wurde er zum Oberbürgermeister der Universitätsstadt Gießen gewählt und übte dieses Amt bis 1985 aus.

Im Anschluss an sein Ausscheiden aus der Politik war Hans Görnert einige Jahre als Rechtsanwalt in Gotha und Berlin tätig.

"Viele Spuren hinterlassen"

Für den Magistrat spricht Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz (SPD) in einer Pressemitteilung von einem "Verlust, den viele in Gießen bedauern. Wir verneigen uns in tiefer Trauer und in höchster Achtung vor seiner Lebensleistung, vor einem großen Mann unserer Stadt, der hier viele Wege geebnet, viele Spuren hinterlassen, viele Entwicklungen und Menschen geprägt hat. Wir werden sein Andenken in Ehren halten". Hans Görnert habe sich "als Oberbürgermeister aller Bürger*innen" verstanden. Kultur, Geschichte und menschliche Werte hätten in seinem Wirken einen hohen Stellenwert eingenommen. "So gingen die Begegnungswochen der ehemaligen Gießener jüdischen Bürger*innen in Gießen" und die Begründung der Städtepartnerschaften mit Netanya in Israel sowie Waterloo in den USA auf seine Initiativen zurück.

"Wir betrauern den Verlust eines Gießener Christdemokraten, in dessen Amtszeit viele gute und nachhaltige Entscheidungen für unsere Stadt getroffen werden konnten", äußert sich der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Klaus Peter Möller in einer Stellungnahme. "Mit Respekt vor seiner Lebensleistung" und seinen Verdiensten sei man nun "in Gedanken bei seinen Angehörigen".

Möller erinnert daran, dass Hans Görnert einst das OB-Amt vom unerwartet verstorbenen Wilhelm Runtsch übernommen hatte. Als Oberbürgermeister habe Görnert in Zeiten der Stadt Lahn die Loslösung Gießens zurück in die Selbstständigkeit und "heraus aus diesem in der Bevölkerung unerwünschten Städteverbund" begleitet. Dieser sei Teil der von der damaligen SPD-Landesregierung durchgesetzten großen Gebietsreform gewesen.

"Hans Görnert konnte die Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse durch diese Gebietsreform nach Auflösung der Stadt Lahn nutzen und wurde 1979 von der Stadtverordnetenversammlung zum Oberbürgermeister der nun wieder selbstständigen Universitätsstadt Gießen gewählt", heißt es weiter. Mit seiner bis Mitte der 80er Jahre dauernden Amtszeit sei Görnert somit "der vorletzte Oberbürgermeister der Stadt Gießen, der noch nach altem Wahlrecht von der Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde".

"Untrennbar verbunden"

Für die CDU Gießen steht die Erinnerung an die Geschehnisse rund um die Stadt Lahn und die daraus resultierende Verschiebung der politischen Gegebenheiten in der Universitätsstadt "untrennbar mit dem Namen Hans Görnert in Verbindung". Dies gelte auch für dessen Engagement bei der Gründung der Städtepartnerschaften mit Netanya und Waterloo sowie die Begegnungswochen ehemaliger jüdischer Bürger in Gießen.

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