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Für den Notfall im Kreißsaal vorbereitet sein

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Gießen (cb). Geburtshilfliche Notfälle sind seltene, aber hochdramatische Ereignisse. In kürzester Zeit müssen Entscheidungen getroffen und unter hohem emotionalen Stress und zeitlichem Druck umgesetzt werden. »Das Kind kann eine echte Notsituation nur wenige Minuten unbeschadet überstehen, es geht ganz konkret um Leben oder Tod. Um im Notfall optimal agieren zu können, muss jede und jeder Mitarbeitende im Kreißsaal in der Lage sein, eine Gefährdung von Mutter oder Kind zu erkennen und sicher zu beherrschen«, heißt es in einer Pressemitteilung des Uniklinikums Gießen und Marburg (UKGM).

Dort haben nun Mitarbeitende erstmals an dem neuen Trainingsformat S.A.V.E (Sicher arbeiten - Vertrauen erhalten) teilgenommen. Entwickelt wurde es von Asklepios. Dabei handelt es sich um ein interdisziplinäres Format, das alle Mitarbeitenden im Kreißsaal erreichen soll. Dazu gehören Hebammen, Frauenärztinnen und Frauenärzte genauso wie Ärztinnen, Ärzte und Pflegende aus der Anästhesie und der Neonatologie. »Das Trainer-Team war extrem professionell und die Szenarien waren sehr echt dargestellt. Durch das Filmen und die Aufarbeitung der Situationen konnten wir viel lernen. Trotzdem habe ich mich nicht unangenehm beobachtet gefühlt. Ich denke, dass unsere Assisten*innen vor allem für die Situationen, die sie noch nicht erleben mussten/brauchten, gut vorbereitet und sensibilisiert wurden«, sagt die Gießener Gynäkologin Dr. Ann Askevold.

In Deutschland kommen pro Jahr etwa 750 000 Kinder zur Welt, etwa bei jeder 150. Geburt trete eine kritische Situation für das Kind und bei etwa jeder 55. Geburt für die Mutter ein. S.A.V.E. basiert auf einem dualen Trainingssystem mit praktischen und theoretischen Inhalten. Herzstück des Formats ist das Teamtraining. Nicola Scharf, Fachanwältin für Medizinrecht im Konzernbereich Medizinrecht, Versicherungen und Compliance bei Asklepios, leitet das Projekt: »Vor Festlegung der Trainingsinhalte erfolgt eine Auswertung kritischer Behandlungsverläufe der zu trainierenden Abteilung aus medizinischer und rechtlicher Sicht«, erläutert Scharf.

Konsequenz dieser Analyse sei es, ein auf die Bedarfe der jeweiligen Abteilung individuell abgestimmtes Simulationstraining von Notfällen im Kreißsaal durchzuführen. Dafür besuchen Scharf und ihr Trainerteam mit Equipment für mehrere Simulationen im Gepäck alle Kliniken des Asklepios-Konzerns. »Vor Ort simulieren wir vier bis sechs Notfallszenarien mit den bestehenden interdisziplinären Teams aus Ärzt*innen und Hebammen. In ihren realen Arbeitsbedingungen vor Ort trainieren wir dann etwa das Notfallmanagement wie zum Beispiel den Notkaiserschnitt mit Reanimation eines Neugeborenen oder Blutungskomplikationen«, ergänzt Dr. Jochen Thiele, ärztlicher Leiter des Asklepios-Instituts für Notfallmedizin, der die Trainings gemeinsam mit Hebamme Antje Düvel individuell konzipiert.

Wenn Notfälle simuliert werden, stehe das Team unter genauso hohem Stress wie in der realen Situation. Um einen optimalen Lerneffekt zu erzielen, werde das Szenario auf Video aufgezeichnet und anschließend mit dem Kreißsaal-Team analysiert, um Verbesserungspotenzial herauszuarbeiten.

Ein wichtiger Aspekt sei im Zuge stetig zunehmender rechtlicher Anforderungen auch die Aufklärung der werdenden Mutter vor und während der Geburt. Es finden daher bei jedem Training juristische Workshops statt. Zudem durchlaufen alle Kreißsaalmitarbeitende das zentral am Institut für Notfallmedizin in Hamburg organisierte Skills-training. Hier liege der Schwerpunkt auf der Vermittlung von theoretischem Wissen und handwerklichen Fertigkeiten.

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