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Neu und alt dicht beieinander: Die Technische Hochschule verändert nach und nach ihr Gesicht. Wobei die beiden markanten »Türme« (hier einer im Hintergrund) nicht abgerissen, sondern komplett saniert werden sollen.

THM-Neubauten

Für die »Lösungen von morgen«

Die Technische Hochschule Mittelhessen hat in Gießen auf dem Campus Wiesenstraße drei neue Gebäude für Lehre und Forschung eingeweiht. Die Gesamtkosten liegen bei über 45 Millionen Euro.

Gießen . Man kann der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) beim Wachsen förmlich zusehen. Auf einen Schlag wurden am Mittwoch gleich drei Neubauten eingeweiht: Die Gebäude C15 und C16 an der Ecke Eichgärtenallee/Ringallee mit ihrer markanten blau-grauen Fassade sowie C11 in der Moltkestraße, für das die Architekten eine sandfarbene Ansicht gewählt haben. Wer die Halle des Fachbereichs Maschinenbau und Energietechnik, durch deren hohe Fenster der Schwanenteich zu sehen ist, zum ersten Mal betritt, staunt zunächst über deren Größe. Die hier stehenden Apparaturen, die zur Lehre wie auch Forschung genutzt werden, sind teils so schwer, dass es schon den Deckenlaufkran braucht, um sie an die gewünschte Stelle zu hieven. Das Land Hessen hat 43,8 Millionen Euro für die drei Bauten und weitere 1,3 Millionen für die technische Ausstattung investiert. Und das ist nicht zu übersehen.

»Technologiemotor für die Region«

»Die THM ist ein wichtiger Technologiemotor für die Region«, betonte Wissenschaftsministerin Angela Dorn bei der auch online übertragenen Einweihungsfeier, zumal Pandemie-bedingt vor Ort nur eine begrenzte Gästezahl daran teilnehmen konnte. Die Politikerin der Grünen sieht das Geld - und die für die kommenden Jahre vom Land zugesagten weiteren 95 Millionen Euro an Baumitteln - offenbar gut an der Technischen Hochschule angelegt.

Schließlich gehe es nicht nur darum, hier künftige Fachleute auszubilden, sondern auch »Lösungen für morgen zu erarbeiten«, sagte Dorn und nannte unter anderem die »Klimakrise«. Platz für all das ist nun zumindest in diesem Fachbereich ausreichend vorhanden: Die Neubauten verfügen zusammengerechnet über eine Grundfläche von rund 11 000 Quadratmetern bei einem umbauten Raum von sogar circa 50 000 Kubikmetern, wie Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau und Immobilien Hessen, ausführte.

Prof. Matthias Willems, Präsident der THM, sprach von einem »Meilenstein bei der Neuordnung des Geländes«, das anhand des 2012 mit städtischen Gremien abgestimmten »Masterplans Campus Wiesenstraße« nach und nach umgestaltet wird. Erhalten bleiben jedoch die beiden markanten, weit über die Stadt sichtbaren »Türme«, die sichtlich bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Anstatt diese, wie ursprünglich mal geplant, abzureißen, sollen sie aufwendig saniert werden, kündigte Willems an.

Dagegen bereits vollendet ist ein weiteres Bauprojekt, nämlich die etwa auf halber Strecke zwischen Ringallee und Moltkestraße errichtete Fußgängerbrücke über die dahinplätschernde Wieseck, die zukünftig auch von der Bevölkerung genutzt werden kann.

Aus Sicht von Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher sind die Neubauten »ein klares und wichtiges Zeichen«. Zum einen für »die außerordentlich positive Entwicklung der THM« mit inzwischen fast 18 000 Studierenden an ihren Standorten, davon über 10 000 in Gießen. Andererseits als »Zeugnis für die fruchtbare Zusammenarbeit mit der Stadt« und als »Bekenntnis zum Wissenschaftsstandort Gießen«, betonte der OB, für den es der allererste offizieller Besuch an der Hochschule war, seitdem er sein neues Amt angetreten hat. »Die Stadt weiß, was sie an der THM hat«, fuhr er fort. Schließlich seien Hochschulen schon allein wegen der vielen jungen Menschen »ein Lebenselixier für die Stadt«. Und so wolle man auch in Zukunft »ein verlässlicher Partner für die THM« sein. Zu den angehenden Fachkräften, die hierzulande so dringend benötigt werden, um den Nachwuchsmangel gerade in Ingenieurberufen zu beheben, gehört im Übrigen auch der Sohn des Oberbürgermeisters, der am Gießener Fachbereich Gesundheit studiert, wie Willems zu berichten wusste.

Die »zukunftsorientierte« Gestaltung der Neubauten außen wie innen liegt dem Hochschulpräsidenten besonders am Herzen. So werden die Campusgebäude dank Solartechnik auf den Dächern »autark mit Energie versorgt«, hob er hervor. Zudem seien Gruppenarbeitsplätze eingerichtet worden, um neue Lern- und Lehrmethoden zu ermöglichen. Studierende wie auch Wissenschaftler könnten hier »ihr volles Potenzial entfalten«, zeigte sich Dorn überzeugt. Noch aber ist viel Arbeit zu erledigen: Laut Masterplan dauern die baulichen Veränderungen bis etwa 2031 an.

Einige der Apparaturen in der riesigen Halle des Fachbereichs Maschinenbau und Energietechnik.

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