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Für ein friedliches Zusammenleben

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Weggefährten und Unterstützer sind bei der Präsentation der Festschrift zugegen und feiern 25 Jahre CIG. Foto: Schäfer © Schäfer

25 Jahre besteht die Christlich-Islamische Gesellschaft (CIG) in Gießen. Das Jubiläum wurde jetzt mit Weggefährten und Unterstützern und der Vorstellung einer Festschrift gefeiert.

Gießen. Klein, jedoch oho! So könnte man die Christlich-Islamische Gesellschaft (CIG) in Gießen bezeichnen, die im vergangenen Herbst 25 Jahre alt geworden ist. Dass ein interreligiöser Verein, ganz wesentlich ehrenamtlich getragen, seine »Silberhochzeit« erlebt, ist nicht selbstverständlich. »Wir sind immer wenig. Aber die Wenigen haben es sich in sich«, sagte Martin Braner, der Ehrenvorsitzende der CIG, anlässlich der Jubiläumsveranstaltung. Weggefährten und Unterstützer feierten auf dem Gelände der Islamischen Gemeinde Gießen in der Uderbergstraße.

Für Gründungsmitglied Braner, Pfarrer im Ruhestand, hieß das Ziel im Gründungsjahr 1996: »Religionen in dieser Stadt sollen sich friedlich verständigen können.« Man wollte die jeweils andere Religion besser kennenlernen und so Vorurteile ab- und Vertrauen aufbauen. Dabei wurde von gegenseitiger Missionierung ausdrücklich abgesehen. Die Gesellschaft hat gegenwärtig 34 Mitglieder sowie etwa 40 Menschen im digitalen Verteiler.

Die CIG ist als gemeinnützig anerkannt; alle Ämter werden ehrenamtlich ausgeübt. Neben der internen Arbeit führt sie öffentliche Veranstaltungen durch und bietet sich als Dialogpartner für religiöse und gesellschaftliche Gruppen an. Zu den Aktivitäten gehören Vorträge und Podiumsdiskussionen über aktuelle Vorgänge und Themen in Christentum und Islam, die Vermittlung von Besuchen in Moscheen und Kirchen ebenso wie von Referenten, Info-Termine von Mitgliedern der CIG in Schulen und öffentlichen Einrichtungen oder Empfänge zum festlichen Fastenbrechen am Ende des Ramadans.

Für den seit 14 Jahren muslimischen Co-Vorsitzenden Abderrahin En-Nosse ist es gelungen, den Dialog auf kommunaler Ebene so über eine lange Zeitstrecke zu bewahren und damit ein »friedliches Zusammenleben von Sunniten, Shiiten und anderem Couleur sowie Evangelischen, Katholiken, orthodoxen Christen und Juden über die religiösen Schranken hinaus zu bewahren«. Er hoffe, dass alle so engagiert problemlösend, konfliktlösend blieben. »Ohne Dialog gibt es keine Verständigung.« Für diesen Dialog seien die Wurzeln eingeschlagen. »Wir blicken auf die nächsten 25 Jahre - so Gott will.«

Für den seit 18 Jahren christlichen Co-Vorsitzenden, den evangelischen Pfarrer Bernd Apel, ist die Einflussnahme der Kirche im Laufe der Zeit gesunken. Bei der Frage »Wie bauen wir Brücken?« sei Gestaltungskraft gefragt. »Meinen Oberen sage ich: In den letzten Jahren wurde zu viel in Strukturen gedacht, dabei die Visionen vernachlässigt.«

Für Alexandra Haustein, Referentin beim Katholischen Dekanat Gießen, war das Miteinander anfänglich »exotisch, jedoch nicht befremdend. Da, wo wir von anderen lernen, lernen wir am meisten für uns«. Das sei nicht selbstverständlich. »Wir müssen weiter daran üben.«

Für Israel Be Josef, der die Stabsstelle Integration, Antidiskrimierung und Teilhabe im Landkreis leitet, ist beklagenswert, dass monotheistische Religionen »draußen in der Welt oft nicht miteinander auskommen können«. Im Namen der Landrätin Anita Schneider überreichte er Frank-Tilo Becher ein Geldgeschenk. Becher war nicht nur als Oberbürgermeister zusammen mit Stadträtin Astrid Eibelshäuser sowie seiner Vorgängerin Dietlind Grabe-Bolz anwesend. Becher ist auch Kassierer der CIG und eines der Gründungsmitglieder in 1996. Kurze Zeit vorher sei er aus dem Melting Pot (Schmelztiegel) New York - mit dem Wort ist die Assimilation und die Integration von Einwanderern in die Kultur eines Landes gemeint - nach Deutschland zurückgekehrt. Nach der Gründung des Vereins habe es einen »sehr spannenden Annäherungsprozess« gegeben. »Der Dialog brauchte Zeit, damit Beziehungen sich bilden, Freundschaften entstehen, Vertrauen sich festigt.«

Grabe-Bolz erinnerte daran, dass das gemeinsame Fastenbrechen (Zuckerfest) auf dem Kirchenplatz gegen viele Widerstände durchgesetzt werden konnte. »Dialog bedeutet auch, in Respekt und Wertschätzung miteinander umzugehen.«

In der Festschrift wird festgestellt, dass bei nur zehn bis 20 regelmäßig aktiven Mitgliedern größere Projekte schwerer zu stemmen seien. Zunehmend seltener werde der Verein zur Vermittlung von Besuchen in Moscheen und Kirchen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen sowie von Referenten angefragt. Gesehen wird dies als Zeichen dafür, dass viele Interessierte in der Vergangenheit diese Angebote bereits genutzt hätten. Andererseits müssten auch neue Formate gefunden werden. Dafür werde Nachwuchs gebraucht. Allerdings tue sich die jüngere Generation mit festen Vereinsstrukturen bekanntermaßen schwer. Gesucht sei ein Weg, der engagierte Verbindlichkeit zusammenführe; mit wechselnden Kooperationen und Handeln in losen Netzwerken. »Wie immer es mit unserer CIG weitergeht, wir bleiben einem Ziel verpflichtet: die Region Gießen sozial gerecht und friedlich weiterzuentwickeln. Und dies für alle hier mit Rechten und Pflichten Lebenden, unabhängig ob hier geboren oder zugewandert, ob auch andersgläubig oder nicht gläubig.«

Kontakt und Informationen bei Pfarrer Bernd Apel, Tel. 06408/ 6108666 oder E-Mail bernd.apel@ekhn.de.

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